SELBSTBILDNIS: Foto der Künstlerin aus dem Jahr 1977

SELBSTBILDNIS: Foto der Künstlerin aus dem Jahr 1977

Kultur

Christanell-Ausstellung: Fröhliche Genitalien

Im Wiener 21er-Haus entdeckt man die heimische Künstlerin und Filmemacherin Linda Christanell neu.

Zu den erfreulichen Erscheinungen des gegenwärtigen Kunstbetriebs zählt die Tatsache, dass Museen und Galerien seit einigen Jahren Künstlerinnen im fortgeschrittenen Alter neu entdecken. Dazu zählt auch die 1939 geborene Linda Christanell, deren Arbeiten das Wiener 21er-Haus nun in einer Einzelpräsentation ("Linda Christanell. Picture Again", bis 10. September) zeigt. Im Erdgeschoss des Ausstellungsraums, im Blickle-Kino, sind die frühen Experimentalfilme der Künstlerin zu sehen: Schmuckstücke, Schuhe und Selbstporträts arrangiert sie zu rhythmischen Stillleben, ironisiert damit Weiblichkeitsideale. Im ersten Stock komponierte Christanell Objekte, Zeichnungen, Texte und Fotografien aus den vergangenen fünf Dekaden zu einer Installation, durch die sich wie ein roter Faden ihr feministischer Ansatz zieht. Während die fetischartigen Textilobjekte aus den 1970er-und 1980er-Jahren dem damaligen künstlerischen Zeitgeist entsprechen, erscheint das Frühwerk aus den 1960er-Jahren eigenwilliger: Abstrahierte Genitalien beider Geschlechter vereinen sich zu fröhlichen Kartonobjekten, lange bevor der Begriff "queer" in den allgemeinen Sprachgebrauch einging.

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