Gefährliche Liebschaft
Kultur

Gefährliche Liebschaft

US-Autor Garth Greenwell verstrickt einen Amerikaner in Sofia in eine explosive Beziehung mit einem Stricher.

Es ist eine Mischung aus Verlangen und Unbehagen, welche die erste Begegnung der beiden ungleichen Männer auszeichnet: Ein geouteter Amerikaner, der in Sofia unterrichtet, ist auf der Suche nach unkompliziertem Sex in den öffentlichen Toiletten des Kulturpalastes, wo er auf den Stricher Mitko trifft, der zwar einen schwulenfeindlichen Scherz macht, aber den Ausländer schnell in seinen Bann zieht. Seine Kunden bezeichnet er als Freunde, von denen er sich Geschenke erwartet. Das Wort „Prostitution“ wird tunlichst vermieden. Der Amerikaner lässt sich auf eine komplizierte Beziehung ein. Mal erzählt Mitko erstaunlich viel Privates (von seinem ersten Freund, einem Bulgaren, der es aufgrund seiner Ausbildung schaffte, das Land zu verlassen); im nächsten Moment droht er mit Gewalt oder Erpressung. Ständig kippen die Situationen. Aber der Icherzähler schafft es nur schwer, von dem 23-Jährigen loszukommen.

In seiner Heimat wurde Garth Greenwell, 1978 in Kentucky geboren, für sein Debüt „Was zu dir gehört“ für zahlreiche Literaturpreise nominiert. Es geht in dem vielschichtigen Roman auch um die Frage, wie die Homophobie des eigenen Vaters die Begehrensstruktur des Erzählers geprägt hat, der eine Mischung aus Gefahr, Scham und Selbstbestrafung sucht. Zugleich ist das Buch auch ein höchst liebevolles Porträt des sozialen Außenseiters Mitko, der nie eine Chance bekommen hat und immer tiefer sinkt. Nach einer mangelhaft behandelten Syphilis verfällt er gesundheitlich zunehmend. Spannend, wie Greenwell einen privilegierten Ausländer erkennen lässt, wie schwierig das Leben für Homosexuelle aus armen Verhältnissen in vielen Teilen Europas nach wie vor ist.

Garth Greenwell: Was zu dir gehört.
Aus dem Amerikanischen v. Daniel Schreiber.
Hanser Berlin. 240 S., EUR 22,70

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