Marina Abramovic

Marina Abramovic

Kultur

Marina Abramović in der Galerie Krinzinger

Marina Abramović stellt in der Galerie Krinzinger ihre ungebrochene künstlerische Kraft unter Beweis.

Ganz langsam schlängelt sich die Boa Constrictor über den Oberkörper der Performerin. Dann legt sich das Reptil um ihren Hals. Die Frau bleibt dennoch regungslos. Jedes einzelne der neun Bilder in Marina Abramovićs nämlicher Videoinstallation, derzeit in der Wiener Galerie Krinzinger zu sehen, verschlägt einem den Atem. Obwohl man weiß, dass die Performerin nebenan sitzt, bangt man förmlich um ihr Leben. Kurze Zeit später erzählt sie über ihre Arbeit "Dragon Head":"Ich geriet in Panik. Dabei bewegte ich mich zwar nicht, aber mein Herz raste. Mir wurde gesagt, ich solle mich entspannen, trotz meiner Angst. Das war wirklich schwierig! In drei Sekunden hätte mich die Schlange töten können." So extrem ihre Arbeiten sind, so zurückhaltend tritt die 71-Jährige auf, mit leiser Stimme, dezenten Gesten. Vergangene Woche besuchte die Kunst-Wegbereiterin ("Nennen Sie mich ja nicht 'Großmutter der Performance'!") Wien: Die Galeristin Ursula Krinzinger eröffnete die Ausstellung "Two Hearts" (bis 9. Juni), dazu wurde Abramović mit dem GlobArt Award ausgezeichnet.

Existenzielle Fragen

Spätestens seit der Performance 2010 im New Yorker MoMA, bei der sie drei Monate lang täglich acht Stunden schweigend jeweils einem Besucher gegenübersaß, besitzt Abramović Popstar-Qualitäten. Die Wiener Schau mischt ältere mit neuen Werken, darunter einige Leuchtkästen mit Fotografien. In einer Arbeit schultert die Künstlerin eine ältere Frau, beide nackt; anderswo zeigt sie auf die Vagina eines Mädchens. In der Serie "Miracle" tritt Abramović mit ausgebreiteten Armen hinter eine Liegende, auf deren nacktem Körper sich Eingeweide ausbreiten. Assoziationen zum Wiener Aktionismus lehnt Abramović ab: "Ich habe schon früh mit Blut und Selbstverletzung gearbeitet. Das hatte nichts mit Nitsch zu tun, eher mit dem Kommunismus." Es sind existenzielle Fragen, die Abramović anspricht, ihre Kunst geht an die Grenzen, generiert einprägsame Bilder. Die Ausstellung zeigt, wie ungebrochen ihre künstlerische Kraft ist, trotz Jetset-Lebens zwischen Ausstellungen, Lectures, Preisverleihungen, Performances. Derzeit plane sie eine Arbeit für die Wiener Festwochen 2019, jedoch ohne Details zu nennen, zugleich arbeite sie an einer Oper, die in Frankfurt aufgeführt werden soll. Unter besonderen Bedingungen: "Wer ein Ticket kaufen will, muss vorher einen dreitägigen Workshop besuchen. Die Aufführung selbst wird übrigens sechs Stunden dauern." Abramović fordert nicht nur sich, sondern auch ihr Publikum.

Kommentar verfassen