Spielwiesen
Kultur

Spielwiesen: Rimini Protokoll lädt zu einem Hausbesuch

Theater-Saisonstart: Rimini Protokoll lädt zu einem Hausbesuch, das Wiener Schauspielhaus sucht die „andere Seite“.

In zehn europäischen Ländern und über 500 Privatwohnungen wird das jüngste Projekt der deutschen Realitätsforscher Rimini Protokoll zu Gast sein: „Hausbesuch Europa“ ist ein lockerer Spielabend, bei dem die Zuschauer in einer fremden Wohnung rund um einen Tisch sitzen und durch einen kleinen Computer, der unermüdlich Fragen und Aufgaben auswirft, zu Akteuren werden – nun gastiert die Arbeit, eingeladen vom Koproduktionshaus brut, noch bis 9. Oktober in Wien. Es geht darum, seine Haltung zu Europa spielerisch zu hinterfragen: Wer fühlt sich mehr als Europäer denn als Bürger seines Landes? Wer hat Angst vor der Zukunft? Wie viel Geld hast du dabei? Das Konzept funktioniert erstaunlich unverkrampft – und am Ende gibt es Schokokuchen. Spannend ist auch die Website homevisiteurope.org, auf der die Ergebnisse der Gastspiele statistisch ausgewertet werden. In welchen Ländern haben die Besucher am meisten Bargeld? Wie hoch ist der Anteil an Menschen, die schon einmal ihre nationale Herkunft verleugnet haben?

Weniger geglückt ist hingegen die jüngste Spielanleitung „Traum Perle Tod!“ des Wiener Schauspielhauses. Tomas Schweigen und sein Ensemble nehmen sich Alfred Kubins fantastisch-unheimlichen Roman „Die andere Seite“ vor. Inmitten einer stilisierten Waldlandschaft musiziert man und versucht, möglichst unterhaltsam die Geschichte eines angeblich freien Traumstaates zu erzählen, der allerdings schon bald seine abgründigen Seiten offenbart. Der Abend bleibt in einem ermüdenden postmodernen Grinsen stecken; wenn es destruktiv werden soll, wirkt es bloß kindisch und selbstverliebt.

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