#brodnig: Denken Sie groß!
Meinung

#brodnig: Denken Sie groß!

Twittern wie Trump: Eine Einführung für Hochstapler.

Ich habe ein seltsames neues Hobby. Ich bin völlig eingenommen vom Twitter-Account des nächsten US-Präsidenten und Oberpöblers der Nation Donald Trump. Er zeigt, wie man mit Größenwahnsinn reüssiert. Wem wirklich nichts zu peinlich ist, der kann einiges von ihm lernen – wie man mit Aggression und Selbstüberschätzung Menschen beeinflusst.

„Der beste 140-Zeichen-Schreiber der Welt“

Trump wird gern als halbdebiler Hitzkopf mit Tourette-Syndrom verspottet. Doch bei genauer Betrachtung sieht man, wie konsistent er kommuniziert: Um Details wie Sachpolitik sollen sich andere kümmern, Trump geht es vor allem um das Wesentliche (Trump). Für sich selbst nutzt er stets ähnliche Worte wie „very successful“, „smart“ und „best“. Schon 2012 hielt er auf dem Kurznachrichtendienst fest: „Danke – viele sagen, ich bin der beste 140-Zeichen-Schreiber der Welt.“ Tiefstapeln ist etwas für Loser.

Gleichzeitig nutzt Trump immer dieselben Beleidigungen für seine Kritiker: Sogar mehrfach am Tag schreibt er derzeit über „dishonest media“ („unehrliche Medien“), weil die so frech sind, weiterhin über seine Beziehungen zu Russland zu berichten. Die Wiederholung wirkt: Seine Fans plappern das nach, #DishonestMedia ist ein erfolgreicher Hashtag. Im Zweifelsfall hat Trump eine Wunderwaffe, um sich Gehör zu verschaffen. ER TWITTERT IN GROSSBUCHSTABEN: SCHLIESSLICH HAT ER WAS ZU SAGEN.


Der „Trump-Effekt“

Neulich erklärte er, dass er NICHTS ZU TUN HAT MIT RUSSLAND. Je mehr Großbuchstaben Trump ausscheidet, desto mehr Retweets und Aufmerksamkeit erntet er. Voller Erfolg also.

Schon 1977 haben amerikanische Psychologen herausgefunden, dass Menschen (selbst falsche) Behauptungen eher glauben, wenn sie oft wiederholt werden. Das nennt man den „Wahrheitseffekt“ – wobei es mittlerweile auch „Trump-Effekt“ heißen könnte: Seine stete Behauptung, er sei der klügste politische Kopf überhaupt, hat ihn bis ins Weiße Haus gebracht.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter
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  • Werner Schrittesser (Publizistikstudent) Do, 19. Jan. 2017 21:16

    Ins WH hat ihn vor allem das amerik. Wahl"recht" gebracht. Vieviel seiner WählerInnen wohl regelmäßig twittern?

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  • Martin Dobrowolny Do, 19. Jan. 2017 15:06

    "Ich bin völlig eingenommen vom Twitter - account ..." Ja, das kann ich mir gut vorstellen, nach allem, was ich von Ihnen gelesen habe!

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  • Mi, 18. Jan. 2017 17:23

    WO, ist der Kommentar von Fabio Keiner (ungetuem)?
    Hat er geschrieben was nicht gepasst hat und durch Zunsur passend gemacht wurde?
    Komisch ist das allemal für ein so liberales Medium wie das Profil!

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    • Martin Dobrowolny Do, 19. Jan. 2017 16:43

      Schreibkrampf?

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