Weiterklicken. Hier gibt es nichts zu sehen. Weiterklicken. Hier gibt es nichts zu sehen.
Österreich

Weiterklicken. Hier gibt es nichts zu sehen.

Was bleibt von Werner Faymann im Internet? Kaum etwas außer Häme. Rückblick auf einen Kanzler, der im Web keine Fans fand, sondern Feinde.

Seine Spuren sind schon verschwunden. Wer aktuell die Facebook-Site von Bundeskanzler Werner Faymann aufrufen will, findet lediglich die Meldung: "Leider ist dieser Inhalt derzeit nicht verfügbar." Die Site wurde offline genommen, nicht einmal freundliche Abschiedsworte sind dort zu lesen.


Die digitale Erzählung des Politikers endet so ungeschickt, wie sie begonnen hat

Die digitale Erzählung des Politikers endet so ungeschickt, wie sie begonnen hat. Werner Faymann und das Internet - eine Geschichte voller Misserfolge. Anfang 2011 kündigte das Büro des Kanzlers pompös einen Social-Media-Auftritt des Regierungschefs an. Sprecherin Angelika Feigl sagte damals im "Kurier": "Es haben sehr viele Politiker schon einen Facebook-Auftritt. Allen voran US-Präsident Obama. Facebook ist eine Nische, die man nicht ignorieren kann."

Wobei rückblickend sogar das Wort "Nische" deplatziert wirkt: Jeden Tag loggen sich bei Facebook mittlerweile 2,5 Millionen Österreicher ein. Zum Vergleich: Die SPÖ hatte bei der Nationalratswahl 2013 gerade noch 1,26 Millionen Wähler.


Sein Team machte anfangs so ziemlich alles falsch

Die sozialen Medien hätten ein Gewinn für den marketingaffinen Kanzler werden sollen -ein "Epic Win", wie man das im Netz nennt. Doch sein Team machte anfangs so ziemlich alles falsch: Wer so großspurig eine Facebook-Site ankündigt, kann eigentlich nur enttäuschen. Auch sorgte es für Kritik, dass gleich neun Mitarbeiter den Auftritt zumindest teilweise mitbetreuen sollten und für das Gesamtprojekt inklusive Website und App rund 200.000 Euro einkalkuliert wurden. Das warf Fragen auf: Sieht so ein gerechtfertigter Einsatz von Steuergeldern aus? Warum macht das Bundeskanzleramt und nicht die SPÖ Marketing für den Kanzler? Schließlich erhob das Magazin "Datum" auch noch den Verdacht, dass ein Teil von Faymanns Fans keine echten Profile seien, sondern "Marionetten-Accounts".

Aus dem gewünschten "Win" wurde ein "Epic Fail", ein episches Scheitern. Aus der Rolle des digitalen Buhmanns kam Faymann nie mehr heraus. Das liegt auch daran, dass seine Feinde dieses Image einzementierten - etwa mittels der Parodie "Werner Failmann". Dieser digitale Doppelgänger porträtierte den Kanzler als Tölpel. Kurz vor dem Rücktritt schrieb Failmann noch auf Twitter: "Zähne sind geputzt. Heute ein paar Sitzungen. Dann wieder Zähne putzen."


Das Internet ist ein grausamer Ort für Politiker

Hinter der Persiflage steckt Rudi Fußi, wie dieser nun auch offiziell in profil zugibt. Fußi ist Politikberater und einer der härtesten Kritiker Faymanns, einst hat er auch für die SPÖ gearbeitet und sich dann im Streit getrennt. Er sagt: "Ja, das war ich. Die Idee entstand spontan. Wenn im Internet etwas schiefgeht, wird das ja mit dem Hashtag #fail gekennzeichnet. Und die Social-Media-Aktivitäten des Kanzlers waren ein solcher Fail. Da wurde nie wirklich verstanden, dass Facebook ein Dialogmedium ist. Stattdessen hat man es als Verlautbarungskanal für Presse-Aussendungen verwendet."

Dass Faymann so viel Häme im Netz erntete, liegt aber nicht nur an dem (vor allem anfangs) ungeschickten Online-Auftritt: Das Internet ist ein grausamer Ort für Politiker, speziell wenn ihre Beliebtheitswerte sinken. Wer ohnehin schon am Boden liegt, über den wird am lautesten gelacht. Dabei ist es schwierig, zu sagen, ob Faymanns Image endgültig im Internet beschädigt wurde, oder ob es ohnehin schon irreparabel kaputt war, ehe die Häme online richtig begann. Rudi Fußi glaubt: "Das Internet machte nur sichtbar, wie beschädigt Faymann schon war. Er wurde in der Bevölkerung ja auch nicht ernstgenommen. Die Rache des Hofnarren ist es, den Herrscher auszulachen."


Was von Faymann online also bleibt, sind in erster Linie Gags über ihn

Online wie offline wurde Faymann zur Projektionsfläche für Witze. Auch das Satireportal dietagespresse.com schrieb gerne und oft über ihn. Als der Kanzler das Flüchtlingslager Traiskirchen besichtigte, titelte die "Tagespresse":"Traiskirchen-Besuch: Schockierter Faymann fragt, 'wer zum Teufel hierfür verantwortlich ist'". Legendär sind die Videos der Kabarettisten Maschek, deren schrille Synchronisation der Faymann-Stimme vielen Menschen länger in Erinnerung bleiben wird als dessen echte Stimme. Wer heute auf YouTube nach "Maschek" und "Faymann" sucht, findet mehr als 7000 Treffer.

Und sogar noch kurz vor dem Rücktritt tauchte eine Persiflage auf: @Werner_bleib_BK hieß sie auf Twitter und "Für den Verbleib von Werner Faymann als Bundeskanzler" auf Facebook. Dabei wurde peinlich Stimmung für Faymann gemacht - das konnte nur Satire sein. Wer hinter dem Profil steckt, ist bisher unbekannt. Die Seite selbst betont weiterhin hinterhältig, kein Satireprojekt zu.

Was von Faymann online also bleibt, sind in erster Linie Gags über ihn: Derzeit denkt das Bundeskanzleramt darüber nach, die offiziellen Facebook-Einträge doch noch irgendwie zu archivieren und zugänglich zu machen. In der Zwischenzeit heißt es zumindest: Das Internet vergisst nichts - außer Werner Faymanns politische Botschaften.

Kommentar verfassen