ERICH HONECKER BEI BRUNO KREISKY: Der erste Staatsbesuch im Westen führte den DDR-Chef im November 1980 nach Wien.

ERICH HONECKER BEI BRUNO KREISKY: Der erste Staatsbesuch im Westen führte den DDR-Chef im November 1980 nach Wien.

Österreich

Gute Geschäfte im Kalten Krieg

Österreichs Beziehungen zur DDR.

Der Wiener Historiker Maximilian Graf hat nach jahrelanger Forschung, vor allem in Archiven in Berlin, ein umfassendes Buch über die oft heiklen Beziehungen zwischen Österreich und der DDR veröffentlicht. Zu den umfangreichen wirtschaftlichen Kontakten, die von der Bundesrepublik Deutschland argwöhnisch beobachtet wurden, steuert Graf bislang unbekannte Details bei. Der damalige Bundeskanzler Bruno Kreisky sicherte SED-Chef Erich Honecker vor dessen Wien-Besuch im Jahr 1980 Kredite in zweistelliger Milliarden-Schilling-Höhe zu. Dafür kaufte die DDR Waren in Österreich ein und ließ die Voest um 12 Mrd öS ein neues Stahlwerk in Eisenhüttenstadt errichten. Kreisky warnte davor, dass sich DDR-Politiker mit ihrem Beitrag zur Vollbeschäftigung in Österreich brüsten könnten, obwohl das Geld dazu aus Österreich kam. Die Krise der Verstaatlichten Industrie konnten aber auch die Ost-Geschäfte nicht aufhalten. "Die österreichischen Kredite haben entscheidend dazu beigetragen, dass die DDR 1982 nicht pleite ging", analysiert Graf.

Heimliches Treffen

Er fand auch Belege für bis heute unbekannte politische Kontakte: Bereits 1960, ein Jahr vor dem Mauerbau, traf der damalige SPÖ-Vizekanzler Bruno Pittermann heimlich mit dem Außenhandelsminister der DDR, Heinrich Rau, im Bundeskanzleramt in Wien zusammen. Dieses auch vor der eigenen Regierung geheim gehaltene Treffen widersprach der offiziellen Nichtanerkennungspolitik Österreichs, die solche Kontakte ausschloss. Dennoch reisten 1960 gleich drei weitere DDR-Minister zur Gedenkfeier im KZ Mauthausen, wo sogar die Flagge der DDR gehisst wurde. Kreisky, damals Außenminister, lehnte solche Besuche zu jener Zeit noch ab und verwies auf die von der DDR-Justizministerin Hilde Benjamin verhängten Todesurteile an Teilnehmern am Arbeiteraufstand in Ost-Berlin 1953. 1966 reiste der führende SED-Außenpolitiker Hermann Axen nach Wien - via Budapest, um nicht in West-Berlin um ein österreichisches Visum ansuchen zu müssen.

Maximilian Graf. Österreich und die DDR 1949-1990. Politik und Wirtschaft im Schatten der deutschen Teilung. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. 656 S., EUR 79,-.

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