Wahlkuverts aus Mordor
Österreich

Wahlkuverts aus Mordor

Von Khollum bis Klebergate: Die größten Peinlichkeiten im Bundespräsidentschaftswahlkampf.

Doch-nicht-Kandidat

7. Jänner

Das Jahr beginnt peinlich - zumindest für die ÖVP. Nachdem etliche schwarze Landeshauptleute ihren Kollegen Erwin Pröll hymnisch gelobt hatten, will dieser doch nicht zur Wahl antreten. Auf die Verwunderung in den Medien und seiner eigenen Partei antwortet Pröll: "Für mich ist das nicht überraschend.“

Khollum

13. Jänner

Kurzfristig muss ÖVP-Senior Andreas Khol als schwarzer Präsidentschaftskandidat einspringen. "Plötzlich kommt eine Herausforderung auf einen zu, mit der man überhaupt nicht gerechnet hat“, sagt er in seinem Antrittsvideo. Die Comedians Stermann und Grissemann vergleichen Khol lustig mit der Figur Gollum aus "Herr der Ringe“. Der ÖVP-Kandidat lacht über den wenig schmeichelhaften Vergleich und sagt: "Zähne hab ich bessere.“

Möchtegern-Rapper

14. März

Der musikalische Tiefpunkt des Jahres wird schon im März erreicht. Kandidat Richard Lugner rappt im Video neben vollbusigen Frauen und mit Reimen wie: "Wenn die Regierung Scheiße baut, wird sie einfach aussig’haut.“

Erschütternde Ehrlichkeit

20. April

Einige Kandidaten ahnen wohl schon, dass sie wenig Chancen haben. SPÖ-Kandidat Rudolf Hundstorfer wird von Journalismusstudenten gefragt: "Würden Sie sich als Frau selbst wählen?“ Er antwortet im Video: "In dem Fall muss ich ganz offen sagen: Nein.“

Duell der Verlierer

15. Mai

Der Privatsender ATV versucht etwas Originelles: eine TV-Diskussion ohne Moderator. Sie artet in einen Austausch von Gehässigkeiten aus. Van der Bellen lässt sich zur Scheibenwischer-Geste hinreißen, die andeutet, dass Hofer bescheuert sei. "Zum Fremdschämen“ nennt der "Spiegel“ die Konfrontation.

Wahlempfehlung? Jein!

18. Mai

Medienvertreter werden zur gemeinsamen Pressekonferenz von Van der Bellen und Irmgard Griss geladen - wo diese dann erklärt, dass sie zwar Van der Bellen wählt, das aber nicht als Wahlempfehlung verstanden wissen will.

Faktenfrei

22. Mai

Norbert Hofer verliert die Stichwahl. Prompt kursieren im Netz Gerüchte, wonach die Wahl manipuliert worden sei. Das reicht bis hin zu der absurden These, in Wahlkabinen seien Kugelschreiber mit Zaubertinte gelegen, die nach kurzer Zeit unsichtbar werde. Belege für solche Behauptungen sind im "postfaktischen“ Zeitalter nicht mehr nötig.

Urteilsumkehr

1. Juli

Der Verfassungsgerichtshof hebt die Bundespräsidentenwahl auf, erklärt jedoch: "Der VfGH hält ausdrücklich fest, dass kein Zeuge Manipulationen wahrgenommen hat.“ FPÖ-Chef Strache interpretiert das Urteil auf Facebook deutlich anders, spricht von "Unregelmäßigkeiten, welche eine Manipulation möglich gemacht haben könnten.“

Klebergate

9. September

Einige Briefwahlkuverts gehen wieder auf, weil der Kleber nicht hält. Ausgerechnet die Hotline des Innenministeriums empfiehlt Bürgern eine pragmatische - und rechtswidrige - Lösung: Man solle den Brief unauffällig selbst zukleben.

Deutschland ist schuld

12. September

Auf einer bizarren Pressekonferenz spricht Innenminister Wolfgang Sobotka von "hochkomplexen Kuverts“ und stellt in den Raum, dass ein "deutscher Kleber“ schuld sein könne. Schließlich empfiehlt er, dass Österreich nicht am 4. Dezember wählen sollte - das sei "so kurz vor Nikolaus“.

Fanshop

12. September

Im Internet werden bereits Memorabilia zur Wahlpannenserie verkauft - zum Beispiel T-Shirts mit dem Aufdruck: "Bundespräsidentenwahl 2016-2019. Ich war dabei!“

Brutpflege

19. September

Es wird bekannt, dass Norbert Hofer das Buch "Für ein freies Österreich“ herausgegeben hat - mit umstrittenen Passagen wie dieser: "Jede Organisation verliert in den Augen sowohl männlicher als auch weiblicher Betrachter an Ansehen, je höher der Frauenanteil ist.“ Auch wird Frauen nahegelegt, sich dem "Brutpflegetrieb“ hinzugeben; Zuwanderer werden mit der "Wespenlarve“ gleichgesetzt, welche "die Made von innen zerfrisst“.

Zorn Gottes

21. Oktober

"So wahr mir Gott helfe“: Mit seinen neuen Plakaten erzürnt Norbert Hofer die evangelische Religionsgemeinde. Seitens der katholischen Erzdiözese Wiens heißt es wiederum: "Wenn er Gott ins Spiel bringt, tut er das auf eigene Gefahr.“

Herren der Ringe

15. November

Van der Bellen warnt vor einer "Art Alpen-Mordor“, sollte die FPÖ an die Macht kommen. Strache kontert, Van der Bellen entwickle sich "zu Gollum“. Beide Lager sind sich also einig, dass eine Schlacht Gut gegen Böse stattfindet - nur der Bösewicht will keiner sein.

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