Abschreckgespenst
Österreich

Abschreckgespenst

Die forensische Psychiaterin Gabriele Wörgötter hält nichts von höheren Strafen für Sexualstraftäter und Gewaltverbrecher.

"Nichts." So knapp fällt die Antwort von Gabriele Wörgötter (links im Bild) aus. Sie ist forensische Psychiaterin und Gutachterin in spektakulären Strafprozessen. Die Frage lautete: Was bringen höhere Strafen bei Sexualstraftätern und Gewaltverbrechern? Wörgötter kennt die Klientel: "Gerade diese Täter handeln in der Regel infolge eines Triebdurchbruchs, der logisch geleitetes Denken per definitionem ausschließt, und denken vor Begehung einer Tat sicher nicht darüber nach, ob sie dafür mit fünf, sechs oder zehn Jahren bestraft werden."

Die von Staatssekretärin Karoline Edtstadler angeregten Verschärfungen hält die Psychiaterin schlicht für "sinnlos und populistisch", zumal das Ziel einer angekündigten Taskforce aus Experten im Vorhinein feststehe: So oder so sollen die Strafen für diese Delikte höher werden. Bleibt dann wenigstens mehr Zeit für Therapien in Haft? Auch hier winkt Wörgötter ab: "Sicher nicht. In unserem jetzigen System des Strafvollzugs sind ausreichende Therapien schon derzeit mangels Angebot de facto nicht möglich." Ginge es der Regierung tatsächlich um einen besseren Schutz vor Verbrechen, sollte man vielmehr aus den Lebensgeschichten der Täter lernen. Gerade bei jungen Gewalttätern und Sexualverbrechern zeige sich bei eingehender Begutachtung in so gut wie allen Fällen, was eine delinquente Laufbahn möglicherweise verhindert hätte: "Natürlich ist man erst im Nachhinein klüger, aber das zumindest sollte man nützen, um daraus für die Prävention zu lernen, statt ein Sicherheitsversprechen zu geben, das nicht einzulösen ist."

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  • Willibald Katzinger Mi, 21. Feb. 2018 18:29

    Solange es "Fachleute" gibt, die Triebverbrecher glauben heilen zu können, wird es Wiederholungstäter geben. Erst wenn die Fachleute für ihre Fehldiagnosen auch persönlich einstehen müssen, werden sich ihre selbstherrlichen Diagnosen ändern. Es wird ein paar Häftlinge mehr und ein paar Opfer weniger geben.

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  • Elke Leser (Leserinn) Di, 20. Feb. 2018 09:05

    Ich würde auf "Abschreckung" auch nicht groß vertrauen. Dennoch sind strengere Strafen gut und richtig. Frau Wörgötter vergisst, dass ein weggesperrter Vergewaltiger/Räuber/Mörder einer weniger "im Umlauf" ist. Viele Täter sind ja "polizeibekannt". Ich persönlich kenne drei weitere Opfer eines Mörders, der zu früh aus dem Gefängnis entlassen worden war und diese auf brutalste Weise tötete.

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    • Georg Bittner-Buddenbrock
      Georg Bittner-Buddenbrock Di, 20. Feb. 2018 10:17

      Die Wirkung/Resozialisierung einer Haftstrafe ist eine problematische weil sehr individuelle Sache! Aus welchem Grund würde die Straftat begangen? Daraus und aus dem Persönlichkeitsbild des Straftäters kann man auf zukünftiges Verhalten schließen - glauben zu wissen wie zukünftiges Verhalten sein wird! Wissen kann man nie wie sich Menschen verhalten werden!

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