Lob des Nutzlosen
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Lob des Nutzlosen

Ein Kommentar von Edith Meinhart.

Es ist fast egal, um welches Thema es geht, früher oder später landet man bei der Bildung. Sie ist der Schlüssel. Der Rohstoff der Zukunft. Ein Superrezept gegen alles. Sind wir auch noch so ratlos und verunsichert, was wir uns im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen noch alles einhandeln könnten, eine Zuversicht beflügelt uns: Wir schaffen alles, wenn wir nur ordentlich in die Bildung investieren. Doch wovon genau ist hier die Rede? Die Welt von morgen wird uns nicht nur als Arbeitende fordern, sondern auch als Lebensgefährten, Freundinnen, Nachbarn, Bürger und in einigen Rollen mehr. Gebildete Menschen gehen mit den Wechselfällen und Widersprüchen des Lebens entspannter um als weniger Gebildete. Sie haben weniger Angst vor dem Unvertrauten, können sich besser in andere Kulturen und Menschen einfühlen, sind optimistischer und freundlicher zu anderen.

Doch hier scheint wirklich Bildung gemeint zu sein, nicht nur Ausbildung. Es ist kein harter empirischer Befund, der sich aus unterschiedlichen Studien der jüngeren Vergangenheit herauslesen lässt, eher eine These: Es sind gerade die nutzlosen Angelegenheiten des Lebens – in dicke Romane eintauchen etwa, Theater spielen, musizieren –, worin sich Bildung von Ausbildung unterscheidet. Und wenn sie dabei helfen, optimistisch und freundlich zu bleiben, auch wenn um uns herum alles unübersichtlicher wird, ist es Zeit, das Nutzlose endlich wieder hochzuhalten.

meinhart.edith@profil.at

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