Affäre Madoff: Ex-Bank-Austria-Chef Gerhard Randa im Visier der Justiz

Spektakuläre Wendung im Kriminalfall Madoff/Bank Austria. Die Staatsanwaltschaft Wien führt nun auch den früheren Bank-Austria-Generaldirektor Gerhard Randa als Beschuldigten.

Rechnerisch hat ">Bernard L. Madoff mittlerweile drei Prozent seiner Haftstrafe abgesessen. Statistisch gesehen wird er die verbleibenden 97 Prozent nicht mehr schaffen. Schließlich wurde der heute 75-jährige 2009 in seiner Heimat USA zu einer Haftstrafe von 150 Jahren verurteilt.

Am 11. Dezember dieses Jahres jährt sich der Kollaps seines Pyramidenspiels zum fünften Mal. Madoff soll das Kunststück gelungen sein, tausende Anleger weltweit um die Petitesse von 65 Milliarden Dollar zu prellen. Darunter auch Kunden der Bank Austria und ihrer langjährigen Geschäftspartnerin Sonja Kohn. Über Fondsstrukturen wie „Primeo“ und später „Herald“ flossen ab 1997 insgesamt rund drei Milliarden Dollar über den Atlantik, davon etwa 350 Millionen Dollar von österreichischen Privatanlegern. One way.

Seit 2009 interessiert sich auch die Staatsanwaltschaft Wien für die Vorgänge in und um die Bank Austria, die seit der Übernahme durch die Mailänder UniCredit-Gruppe unter UniCredit Bank Austria AG firmiert. Die Justiz ermittelt gegen ehemalige Verantwortliche der Bank auf der einen Seite, gegen Sonja Kohn und deren einstige „Bank Medici“ auf der anderen. Es geht um Betrug, Untreue, Bilanzfälschung sowie Verstöße gegen das Investmentfondsgesetz. Im Gegensatz zu den US-Justizbehörden war das Tempo hierzulande bisher allerdings eher gemäßigt. Obendrein richteten sich die Ermittlungen bisher nur gegen die einst zweite und dritte Führungsgarnitur der Bank Austria – und dies, obwohl die Geschäftsverbindungen zu Madoff vom ersten Tag an Sache des Top-Managements waren.

Doch jetzt kommt Bewegung in die Causa. Nach profil-Recherchen hat die Staatsanwaltschaft Wien die Untersuchungen auf einen Mann ausgedehnt, der seinerzeit als einer der einflussreichsten Vertreter der österreichischen Geldgewerbes galt: Gerhard Randa, zwischen 1995 und 2003 Vorstandsvorsitzender der Bank Austria. „Ich kann bestätigen, dass Gerhard Randa im Ermittlungsverfahren als Beschuldigter geführt wird“, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek.

profil bat Randa vergangene Woche um Stellungnahme. In einem E-Mail an die Redaktion teilte er mit: „Ich wurde am 19. November am späten Nachmittag vom Syndikus der BA informiert, dass ich im Ermittlungsverfahren in der Causa Primeo als Beschuldigter geführt werde. Einen über diese Info hinausgehenden Wissensstand habe ich nicht.“

Bei „Primeo“ handelt es sich um jene Fondsstruktur, über welche die Bank Austria ab 1997 Geld bei Anlegern einsammelte, um dieses an Madoff weiterzuleiten. Dass dieser die alleinige Verfügungsgewalt über das ihm anvertraute Vermögen hatte, erfuhren die Geldgeber aber erst, nachdem es zu spät war. Zivilklagen waren die Folge, die jüngst auch den Obersten Gerichtshof beschäftigten. Dieser entschied zu Gunsten der Bank. Demnach seien die Angaben in den Kapitalmarktprospekten ausreichend gewesen.

Strafrechtlich ist die Angelegenheit damit allerdings nicht vom Tisch. Denn die Bank (und Sonja Kohn) knöpften den „Primeo“-Anlegern jährlich Provisionen ab; für „Beratungsleistungen“, die so nie erbracht worden sein sollen. Abgerechnet wurde über eine „BA Worldwide Fund Management Ltd.“, kurz BAWFM, mit Sitz auf den British Virgin Islands (profil berichtete). Zwischen 1998 und 2007 flossen der BAWFM „Management“ und „Performance Fees“ in einer Größenordnung von rund 60 Millionen Dollar zu, wovon die Bank 80 Prozent einbehielt. 20 Prozent gingen der als „Subberaterin“ engagierten Sonja Kohn zu.

Die Bank hat die Vorwürfe bereits mehrfach zurückgewiesen.