Eine Zapfpistole steckt in einem roten Auto an einer Tankstelle.
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Betrugsverdacht bei Bio-Sprit: Interventionsversuche bei Ministern

HVO sieht aus wie Diesel, soll aber das Klima schonen. Jetzt streiten Unternehmen, Ministerien und Umweltbundesamt darüber, wie grün der importierte Biosprit wirklich war – und Firmenchefs und die Wirtschaftskammer schreiben Briefe an Minister.

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HVO ist ein unscheinbarer Treibstoff: eine klare, leicht ölige Flüssigkeit, die auch keinen spezifischen Eigengeruch hat. Das einzig Besondere daran ist, dass so gut wie jeder Dieselmotor damit betrieben werden kann. Das macht die Sache ziemlich interessant. Zusammen mit anderen Biotreibstoffen sollte HVO gar die europäische Verbrennerindustrie retten – nachhaltig hergestellt, natürlich.

In den vergangenen sechs Jahren flossen deshalb zig Millionen Tonnen dieses Kraftstoffs in die EU, allesamt als nachhaltig zertifiziert. Und zu Preisen, die zu gut schienen, um wahr zu sein. Auch nach Österreich. Vor gut einem Jahr stellte sich heraus, dass an diesem Geschäft tatsächlich nicht alles so gut war, wie gedacht – und nicht alles, was bio anmutete, auch nachhaltig produziert wurde, sondern mutmaßlich Palmöl aus Südostasien enthielt und damit alles andere als umweltverträglich war.

In Österreich tobt seitdem hinter den Kulissen ein Streit um diesen vielleicht (oder vielleicht auch nicht) gepanschten Biodiesel: zwischen den größten Frächterbetrieben und Energiehändlern des Landes einerseits und dem Umweltbundesamt andererseits. Dieses hat seine Kontrollen für die Biotreibstoff-Zertifikate und damit für die Anrechnung von CO2-Zertifikaten deutlich verschärft, was der Branche nicht schmeckt. Zuletzt lobbyierte sogar der Generalsekretär der Wirtschaftskammer, Jochen Danninger, bei Umweltminister Norbert Totschnig für ein weniger strenges Kontrollregime. Und die Chefs der Post AG, des Flughafen Wien sowie der Reisebus-Riesen Blaguss und Dr. Richard schrieben Briefe an den Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ). Aber der Reihe nach.

Marina Delcheva

Marina Delcheva

leitet das Wirtschafts-Ressort. Davor war sie bei der „Wiener Zeitung“.