Alfred Gusenbauer 

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Wirtschaft
05/14/2022

Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer und seine Lachszucht im Burgenland

Unternehmer aus Österreich und Israel wollen im großen Stil Atlantiklachse züchten – nicht im Meer, sondern vorzugsweise im Burgenland. Mit an Bord: Alfred Gusenbauer.

von Stefan Melichar, Michael Nikbakhsh

Ob einst als Politiker und Regierungschef der Republik Österreich oder später als Lobbyist und Berater für umstrittene Staatenlenker wie Kasachstans Nursultan Nasarbajew oder den ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch: Alfred Gusenbauer schwamm immer wieder gerne mit den ganz großen Fischen. In gewisser Weise ist der frühere SPÖ-Bundeskanzler jetzt selbst auf den Fisch gekommen, auf Atlantiklachs, um genau zu sein. 

Gusenbauer ist seit heuer an einer Firma mitbeteiligt, die in Österreich – bevorzugter Standort ist das Burgenland – eine industrielle Salzwasser-Lachszucht aufziehen will: die Burgenlachs GmbH.

Dahinter steht eine Gruppe von Geschäftsleuten, die hierorts eine international bereits etablierte Form der industriellen Fischzucht realisieren will. Weit weg vom Meer werden in großen Hallen mit riesigen Wasserbecken Lachse und andere begehrte Speisefische herangezogen. Permanente Wasserströmung sorgt dafür, dass die Tiere in Bewegung bleiben. 

Klassische Fischfarmen sind – vereinfacht gesagt – netzartige Käfige im Meer. Beim hier geplanten Modell stehen eben Becken auf Land. Ein wesentlicher Vorteil aus Sicht der Betreiber: Die Lachse müssen nicht per Lkw aus Norwegen nach Österreich geliefert werden, sondern werden nahe bei den Händlern und Konsumenten gezüchtet und „geerntet“, wie das im Fachjargon heißt. Das verringert den -Abdruck. Außerdem will man ohne Antibiotika und sonstige Dauermedikation auskommen. Ein Vorteil aus Konsumentensicht: Die Fische schlucken kein Mikroplastik. Ein Vorteil aus Betreibersicht: Lachse entkommen – anders als bei einer beschädigten Fischfarm – nicht aus dem geschlossenen Kreislauf in die freie Wildbahn. Im Flachland der Ostregion ist jede Flucht zwecklos.

„Alle Umweltstandards werden eingehalten. Es handelt sich um ein grünes Projekt“, betont Gerald Gerstbauer. Der Unternehmer ist eine der treibenden Kräfte hinter Burgenlachs. In den 1990er-Jahren war Gerstbauer im Kabinett der damaligen SPÖ-Sozialministerin Lore Hostasch tätig gewesen. Dann wechselte er in die Privatwirtschaft. Mittlerweile betreibt er gemeinsam mit seiner Frau, der bekannten Schauspielerin Kristina Sprenger, ein Beratungsunternehmen. Laut Firmenbuch ist Gerstbauer aktuell größter Gesellschafter der Burgenlachs GmbH. Mit an Bord ist auch der Chef der Deutsch-Israelischen Industrie- und Handelskammer Grisha Alroi-Arloser. Die Technologie für das Projekt stammt vom israelischen Unter- nehmen AquaMaof.

Das Unternehmen, das bereits einige derartige Anlagen errichtet hat, streckt seine Fühler zunehmend nach Mitteleuropa aus. Gusenbauer soll diesbezüglich in die Kontaktanbahnung zwischen Gerstbauer und Alroi-Arloser involviert gewesen sein. Der Ex-Kanzler lässt über Rechtsanwalt Gerald Ganzger ausrichten, dass er nicht operativ im Projekt tätig sei (auf einer früheren Version der wieder offline gegangenen Website von Burgenlachs war Gusenbauer als einer der „Founder“ – also Gründer – bezeichnet worden). Laut Letztstand im Firmenbuch hält Gusenbauer etwas mehr als zehn Prozent der Unternehmensanteile. Aktuell befindet sich Burgenlachs allerdings auf Investorensuche. Es zeichnet sich ab, dass die Anteile der bisherigen Gesellschafter dabei sinken dürften.

Ebenfalls gesucht wird noch der passende Standort. Lange war geplant, die Fischzucht in Nickelsdorf – in unmittelbarer Nähe zum Grenzübergang nach Ungarn – auf die grüne Wiese zu stellen. Das ist nicht mehr fix. Im Juni sollen israelische Experten nach Österreich kommen, um passende Grundstücke zu evaluieren.  Ein wichtiger Aspekt bei einem derartigen Werk ist der Wasserverbrauch bzw. die Abwasserentsorgung. Das Projekt werde jedenfalls in der Ostregion angesiedelt, heißt es von Betreiberseite. Ziel sei nach wie vor das Burgenland. Wenn man für den perfekten Standort einige Kilometer weiter nach Niederösterreich gehen müsste, würde man das jedoch auch in Betracht ziehen.

Was die Größe der Anlage betrifft, hüllt sich Gerstbauer noch in Schweigen. Ursprünglich war eine Jahreskapazität von 5000 Tonnen geplant – das entspräche dem halben Lachs-Jahresbedarf von ganz Österreich. Anzunehmen ist, dass das erste derartige Werk nun vielleicht eine Nummer kleiner ausfällt, aber immer noch groß genug, um einen signifikanten Teil des heimischen Bedarfs zu decken. Der Vertrieb soll über Handelsketten, Großhändler, aber auch direkt über die Gastronomie erfolgen.

Im Jänner 2025 wollen Gerstbauer und Partner mit dem Heranziehen der ersten Lachsbabys beginnen. 21 Monate später sollen die Burgenlachse dann jeweils fünf Kilogramm auf die Waage bringen und bereit zur „Ernte“ sein.