Hypo: 2010 versuchte sich die Europäische Entwicklungsbank an einem Einstieg

Hypo: 2010 versuchte sich die Europäische Entwicklungsbank an einem Einstieg

2010 wollte sich die Europäische ­Entwicklungsbank an den Balkan-­Töchtern der Hypo Alpe-Adria ­beteiligen. Das Engagement scheiterte.

Sie ist das Ergebnis eines politischen Niedergangs: Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung wurde 1991 nach dem Zusammenbruch des Ostblocks gegründet, um jungen Demokratien in Mittel und Osteuropa wirtschaftlich auf die Beine zu helfen.

Sie ist das Ergebnis eines politischen Höhenflugs: Die Hypo Alpe-Adria wurde unter Jörg Haider von einer Landesbank zum sechstgrößten Institut des Landes hochgejazzt, das 2009 notverstaatlicht wurde.
Wie sich jetzt erst herausstellt, hätten die beiden Häuser 2010 um ein Haar zusammengefunden, womit die jüngste Geschichte der Hypo einen anderen Verlauf genommen hätte. Die EBRD (aus dem englischen: European Bank for Reconstruction and Development) wollte eine Beteiligung an den Südosteuropa-Töchtern der Bank eingehen und diese obendrein mit neuen Kreditlinien ausstatten. Beides scheiterte. Am Finanzministerium. Am Management der Hypo Alpe-Adria. „Wir können Gespräche bestätigen“, so ein Sprecher der EBRD knapp, aber: „Es wurde keine Einigung erzielt.“
Im April 2010 war Josef Pröll Finanzminister, und in Kärnten war eben erst Gottwald Kranebitter zum Vorstandsvorsitzenden berufen worden. Die damals veröffentlichten Stellungnahmen lesen sich im Rückblick wie ein schlechter Scherz. So etwa: „Das diagnostizierte Kreditrisiko liegt im erwarteten Bereich und reflektiert die anhaltend schwierige Situation des südosteuropäischen Marktes im Jahr 2010.“ Oder so: „Die Eigenmittelausstattung der Gruppe ist auch unter Einrechnung der neuen Erkenntnisse über die erforderlichen Risikovorsorgen stabil.“
Stabil war bei der Hypo allenfalls die Finanznot. Längst hängt die Bank wie ein Mühlstein am Staatshaushalt .

Im Herbst 2010 verfügte sich der Leiter der EBRD-Abteilung Bankwesen, Francis Malige, erstmals nach Österreich. Mit einem vermeintlich attraktiven Angebot: Ein Engagement bei den Tochterbanken in Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien und Herzegowina sowie Montenegro. Was folgte, war ein schier endloses Hin und Her zwischen EBRD auf der einen Seite und Verantwortlichen des Finanzministeriums, dem Hypo-Management und der Notenbank auf der anderen. Nach profil-Recherchen sollen sich die Verhandlungen zehn Monate lang hingezogen haben, ehe die EBRD entnervt das Handtuch warf.

Scheitern nicht nachvollziehbar
Das Finanzministerium will sich dazu nicht äußern – „Diese Gespräche haben unter Maria Fekters Vorgänger stattgefunden“ – und verweist auf die Bank. Dort heißt es: „Die EBRD hat sich 2010 der Hypo genähert und hat auch die Gelegenheit bekommen, die Bücher der Tochterbanken zu prüfen.“ Laut Hypo soll es sogar ein Angebot der EBRD gegeben haben. Dieses sei jedoch „nicht annehmbar“ gewesen. Nach profil-Recherchen wollte sich die Institution mit Sitz in London in einem ersten Schritt symbolisch mit rund fünf Prozent an einer zu gründenden Südosteuropa-Holding beteiligen, unter deren Dach die Beteiligungen am Balkan gebündelt werden sollten. Über diese Holding – die es bis heute nicht gibt – hätten die Banken günstige Refinanzierungslinien erhalten sollen. In weiterer Folge wollte die EBRD aktiv nach Investoren suchen. Das gehört zum Kerngeschäft der Entwicklungsbank.

Zugegeben: Es war damals wie heute nicht einfach, Käufer für die darniederliegenden Kreditinstitute zu finden. Die EBRD hat dennoch sehr viel mehr Expertise und bessere Kontakte als etwa das Finanzministerium, das noch nicht einmal die Kommunikation mit der Europäischen Union auf die Reihe zu bringen vermochte. Nur zur Verdeutlichung: Die EBRD steht im Einflussbereich von EU, europäischer Investitionsbank und 64 Staaten weltweit, darunter auch Österreich.

Woran das Projekt schlussendlich scheiterte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Die Hypo verweist darauf, dass die EBRD nach erfolgter Durchsicht der Bankbücher der Mut verlassen habe; obendrein hätte es einer internationalen Ausschreibung bedurft, für die es damals keinen politischen Auftrag gab. Aus dem Umfeld der EBRD wiederum ist zu hören, es sei „der Eindruck entstanden, dass Österreich eine Lösung mit uns schlicht nicht wollte.“

Der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Johannes Ditz will von all dem überhaupt nur am Rande mitbekommen haben: „Mir wurde vom Management damals lediglich bedeutet, dass die EBRD das Projekt in Folge eines Strategiewechsels nicht weiter verfolge.“

Eine Geschichte, mehrere Versionen, ein Resümee: Die Hypo Alpe-Adria wird die Republik noch auf Jahre verfolgen.