Hypo Alpe-Adria: Die bemerkenswerten Grundstücksdeals des Vladimir Zagorec

Hypo Alpe-Adria: Die bemerkenswerten Grundstücksdeals des Vladimir Zagorec

Das System Hypo Alpe-Adria: Wie die Bank von Kunden ausgenommen worden sein soll. Am Beispiel des ehemaligen kroatischen Armeeoffiziers Vladimir Zagorec.

Was kommt dabei heraus, wenn sich ein ehemaliger kroatischer General, ein Klagenfurter Banker, ein Villacher Steuerberater und ein Liechtensteiner Treuhänder geschäftlich zusammentun? Nichts Gutes. Wobei: Der Standort bestimmt bekanntlich den Standpunkt - und somit die Möglichkeiten. So gesehen kann auch Gutes dabei herauskommen. Je nachdem.

Quartett auf Anklagebank
Am 7. November des Vorjahres finalisierte die Staatsanwaltschaft Klagenfurt einen Schriftsatz, welcher demnächst vier Personen auf der Anklagebank zusammenbringen soll: den ehemaligen kroatischen Offizier und stellvertretenden Verteidigungsminister Vladimir Zagorec, den einstigen Vorstandsdirektor der Hypo Alpe-Adria Günter Striedinger, den Kärntner Steuerberater Hermann G. und den Liechtensteiner Rechtsanwalt Gerold H. Dem Quartett wird vorgeworfen, die Hypo Alpe-Adria zwischen 2004 und 2006 um 19,8 Millionen Euro erleichtert zu haben, weshalb die Anklage auf Untreue und Beihilfe dazu lautet - was alle Beteiligten entschieden zurückweisen.

Im Kern geht es um eine Reihe von Grundstücksgeschäften in Kroatien. Zagorec, genauer: ihm zugerechnete Briefkästen und Stiftungen in Liechtenstein und der Schweiz, soll mithilfe von Hypo-Finanzierungen in der Höhe von 49,43 Millionen Euro Liegenschaften angekauft und die Kredite anschließend nicht ordnungsgemäß zurückgezahlt haben.

Die (noch nicht rechtskräftige) Anklage von Staatsanwalt Robert Riffel gewährt nur einen schmalen Einblick in das eigenwillige Geschäftsverständnis des früheren Hypo-Managements und seiner Kunden. Und doch verdeutlicht sie, warum die Hypo - oder das, was von ihr übrig ist - da steht, wo sie heute steht.

"Kredite für eigene Zwecke"
In der Anklageschrift heißt es wörtlich: "Im Lauf der Geschäftsbeziehung zwischen DI Zagorec und der HBInt. entwarfen DI Zagorec und Mag. Striedinger ein System, durch das DI Zagorec von der HBInt. Kredite für Immobilienprojekte in Kroatien bekam und das es ihm darüber hinaus ermöglichte, durch (besondere) In-Sich-Geschäfte große Teile der gewährten - und in Wirklichkeit weit überhöhten - Kredite für eigene Zwecke, sprich zu seiner Bereicherung abzuschöpfen."

Der Vorhalt klingt recht einfach, doch das Geschäftsmodell dahinter war höchst komplex. "Dl Zagorec führte wirtschaftlich betrachtet eine besondere Art von In-Sich-Geschäften durch: Ihm gehörende Gesellschaften kauften ihm gehörende Gesellschaften von ihm gehörenden Gesellschaften." Am Beispiel des Kreditfalles LI/1086: Im Juli 2005 gewährte die Hypo Alpe-Adria einer Zagorec zugerechneten "Anstalt“ einen variabel verzinsten Kredit in der Höhe von 12,08 Millionen Euro über fünf Jahre Laufzeit. Zweck der Finanzierung war der "Erwerb“ einer (Zagorec bereits gehörenden) Gesellschaft, an welcher ein 97.972 Quadratmeter großes Grundstück im istrischen Rovinj hing. Laut den von ihm vorgelegten Unterlagen eine "absolut gute Investition" . Der General a. D. wollte ebenda Luxusvillen errichten lassen.

Der Bank wurden im Gegenzug Pfandrechte eingeräumt, und zwar auf Grundlage eines "Schätzgutachtens" , wonach das Bauland 14,4 Millionen Euro wert gewesen sei, nach der - anscheinend bis heute nicht erteilten - Baubewilligung gar 17,3 Millionen Euro.

Schaden in Höhe von 9,3 Millionen Euro
Laut Staatsanwaltschaft soll Zagorec einen Quadratmeterpreis von 145 Euro angeführt haben, womit sich der Gesamtkaufpreis auf 14,2 Millionen summiert hätte. Erst spätere Recherchen der Justiz sollten ergeben, dass Zagorec in Wahrheit sehr viel weniger an die kroatischen Verkäufer gezahlt hatte: nämlich nur zehn Euro pro Quadratmeter, in Summe also nur 979.000 Euro. Der weitaus größte Teil des Kredits soll über Liechtenstein "abgeschöpft" worden sein, teils auch im Wege von "Kick backs" . Allein aus diesem Geschäft könnte der Hypo ein Schaden in der Höhe von 9,3 Millionen Euro erwachsen sein.

Geht es nach der Staatsanwaltschaft, dann spielte Striedinger, der derzeit eine vierjährige Haftstrafe büßt, eine Schlüsselrolle. Er soll in Zagorec’ "Abschöpfungskonzept" eingeweiht gewesen sein und "wirtschaftlich unvertretbare" Kreditvergaben verantwortet haben. In der Anklageschrift ist unter anderem von "nicht wahrheitsgemäß bekannt gegebenen, projektbezogenen Daten" und "kritiklos übernommenen Angaben zur Projektrealisierung und Projektkosten" die Rede. Und davon, dass "keine werthaltigen und nachträglich höchstens unzureichende Sicherheiten" vorlagen.

Nicht nur das: Mit einem Gesamtobligo von 49,3 Millionen Euro avancierte Zagorec zwischen 2004 und 2006 zu einem der größten Kreditnehmer des Hauses, was jedenfalls eine Befassung des Aufsichtsrats bedingt hätte. Dies geschah aber nicht in der gebotenen Form, da die Finanzierungen bankintern nicht als "Gruppe verbundener Kunden" deklariert wurden. Auch hierbei soll Striedinger eine schweigende Rolle gespielt haben.

Vladimir Zagorec, für den (wie für alle anderen Beschuldigten auch) die Unschuldsvermutung gilt, lebt nach Verbüßen einer Haftstrafe in Kroatien heute in Wien. Der "Kurier“ zitierte jüngst Zagorec’ Anwältin Elisabeth Rech, wonach Liechtenstein 17 Millionen Euro aus dem Vermögen ihres Mandanten beschlagnahmt habe. Zagorec habe zugestimmt, "dass der Betrag für die Rückzahlung der Kredite der Hypo übereignet“ werde.

Offiziell ist Zagorec jetzt Rentner und bezieht eine Mindestpension in der Höhe 300 Euro monatlich.