Michael Nikbakhsh: Karl-Heinz Grasser: Der eingebildete Kranke

Michael Nikbakhsh: Karl-Heinz Grasser: Der eingebildete Kranke

Aus medizinischer Sicht vertragen sich Pneumonie und Badeshorts nicht ganz so gut. Das weiß jeder Kinderarzt. Aber ist das auch gleich ein juristisches Problem?

Karl-Heinz Grasser, lungenentzündet und deshalb beim Handelsgericht Wien entschuldigt, verlustiert sich auf Capri - so legen es Schnappschüsse nahe, die vergangene Woche den Boulevard bewegten. Aber nicht nur diesen: Ausgerechnet SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim, ein erfahrener Politiker und Anwalt, verstieg sich öffentlich zu der für seine Verhältnisse erstaunlich populistischen Forderung, die Justiz möge prüfen, "ob sich aus dem seltsamen Verhalten nicht langsam der Verdacht einer Fluchtgefahr abzeichnet“. Soll heißen: U-Haft.

Wofür? Hypochondrie? KHG hat - malad oder nicht - drei Tagsatzungen eines Schadenersatzprozesses platzen lassen, den er gegen seinen früheren Steuerberater führt. Das ist Grassers alleiniges Problem - erst recht im Hinblick auf einen allfälligen Kostenersatz zugunsten der gegnerischen Anwälte. Mit den strafrechtlichen Vorwürfen hat all das nichts zu tun. Jarolim weiß das. Auch der Grüne Justizsprecher Albert Steinhauser weiß das. Er sah in den Fotos dennoch "Hinweise darauf, dass Grasser alles tut, um die Prozessdauer hinauszuzögern. So kann er sich später als Justizopfer darstellen.“ Grasser, Opfer eines Zivilverfahrens, das es nur gibt, weil er es so wollte und das er jetzt möglicherweise schleifen lässt? Das erscheint nicht sehr konsistent. So oder so: Es sind nicht mehr als parteipolitisch motivierte Rufe an der Seitenlinie laufender Strafverfahren - und daher zu verurteilen. Für Jarolim und Steinhauser gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

michael.nikbakhsh@profil.at