zu sehen sind Kinder und Erwachsene in einem Sessellift am Kasberg im Jahr 2021.
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Soll das Land Oberösterreich die Skilifte am Kasberg übernehmen?

30 Millionen Euro braucht das Skigebiet im Almtal, sonst drehen sich die Lifte in zwei Monaten zum letzten Mal. In Oberösterreich klärt die Wintersportnation, wie viel ihr regionale Skigebiete wert sind.

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In Oberösterreich entscheidet sich demnächst eine Grundsatzfrage: Kann und will sich die Wintersportnation Österreich regionale Skigebiete leisten? Und wenn ja, zu welchem Preis? Die Rede ist vom Kasberg, einem 23 Pistenkilometer großes Skigebiet im Almtal, eine Autostunde dauert die Anfahrt aus der Landeshauptstadt Linz. Zwei Mal schlitterte das Skigebiet bereits in die Insolvenz, einmal 2010, 2023 zum zweiten Mal. Und, wenn das Land Oberösterreich sich nicht bereiterklärt, 30 Millionen Euro zuzuschießen, dann drehen sich die Lifte in zwei Monaten zum letzten Mal.

Seit fast 60 Jahren wird im Almtal Ski gefahren, die Lifte am Kasberg zählen neben jenen in Hinterstoder, auf der Wurzelalm und jenen am Hochficht zu den bekanntesten Destinationen im Bundesland. Kaum ein Skigebiet in Oberösterreich hat aber eine so finanziell gebeutelte Vergangenheit wie die Lifte im Almtal.

2010 folgte die erste Insolvenz mit Schulden im niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Die Schröcksnadel-Gruppe übernahm, zog aber nach sechs Jahren wieder ab – ohne viel investiert zu haben. 2016 sprangen die vier Anrainer-Gemeinden im Almtal ein. Weil das Skigebiet dadurch de facto der öffentlichen Hand gehörte, beschloss der Landtag im September 2016, dass nur Instandhaltungen und keine größeren Investitionen getätigt werden dürfen. Damit sollte gesichert werden, dass das Land nur maximal eine Million Euro pro Jahr zuschießen muss. Denn genau das war in den Jahren 2011 bis 2016 mehrfach vorgekommen. Insgesamt hat die öffentliche Hand seit 2006 mehr als sieben Millionen Euro in das Skigebiet Kasberg investiert.

Die aktuellen Mehrheitseigentümer, die „Fördergenossenschaft lebenswertes Almtal“, wagen nun einen dritten, womöglich letzten Vorstoß. Das Konsortium aus Bürgern, Unternehmen und Gemeinden der Region, das 2017 aus der ehemaligen Almtaler Volksbank hervorgegangen ist, hat vor Beginn der laufenden Skisaison einen Antrag auf Übernahme bei der OÖ. Seilbahnholding gestellt. Sie wollen, dass das Land das Skigebiet in die Holding (zu der auch die Lifte am Feuerkogel oder Seilbahn auf den Grünberg in Gmunden gehören) integriert.

Denn die Mehrheitseigentümer rund um Karl Drack, Christian Gegenleitner und Michael Stadler hätten es in den vergangenen beiden Saisonen zwar geschafft, dass sich der Betrieb finanziell von selbst trägt. „In der Vergangenheit hatten die vorigen Betreiber zuletzt 67.000 Eintritte im Skigebiet pro Saison, wir konnten diese Zahl binnen zwei Jahren auf 100.000 steigern“, sagt Stadler. Doch zukunftsfähig sei diese Entwicklung allein nicht.

„Die Beschneiungsanlage ist 2003 errichtet worden und wurde als Zusatzbeschneiung konzipiert“, sagt Stadler zu profil. Große Skigebiete würden mit einem modernen System rund 72 Stunden brauchen, um genug Maschinenschnee für den Saisonstart zu produzieren. Am Kasberg ist das nicht möglich. Aber nicht nur eine neue Beschneiungsanlage ist notwendig, auch die Gruppenumlaufbahn ist alles andere als zeitgemäß. Rund 30 Millionen Euro braucht es nun, damit das Skigebiet laut den derzeitigen Betreibern eine Zukunft hat.

zu sehen ist die Gruppenumlaufbahn am Kasberg, in Grünau im Altmal, aufgenommen im Februar 2021.
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Im Oktober 2025 hat die Landesholding ein Team aus Wirtschaftsprüfern, Anwälten, einem Ingenieursbüro und einem Experten für Beschneiungssysteme zusammengestellt. Sie prüfen seither zig Gigabyte an rechtlichen Dokumenten, Bauentwurfsunterlagen, Protokollen und Gutachten. Doch der skizzierte Zeitplan bis zu einer Entscheidung im Frühjahr dauert der Genossenschaft zu lange. Vergangene Woche richteten sie sich in einem Brief an Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) und seinen Stellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ): „Wir befürchten, wenn nicht in den nächsten sechs Wochen eine Grundsatzentscheidung getroffen wird, dass negative Auswirkungen bei einem künftigen Weiterbetrieb des Seilbahnbetriebes eintreten“, heißt es im Schreiben. Genannt wird etwa der Verlust von Schlüsselmitarbeitern, sowie erste Maßnahmen, die für eine Stilllegung des Skigebietes getroffen werden müssten.

Der Kasberg ist mit Blick auf diese anstehende Entscheidung alles andere als ein Einzelfall. Der Postalm – ein 13 Pistenkilometer umfassendes Skigebiet im Salzburger Tennengau – droht nach der Saison 2026/2027 das Aus. Auch dort müsste ein umfassendes Beschneiungssystem her, damit die Dauer der Wintersaison nicht von wärmer werdenden Wintern bestimmt wird.

Betroffen waren immer Skigebiete, die auf die Auswirkungen des Klimawandels nicht mit technischer Beschneiung reagieren konnten.

Peter Winkler, Fachverband der Seilbahnen (WKO)

20 Skigebiete, 158 Kilometer weniger als 2005

Insgesamt wurden seit den frühen 2000er-Jahren Skilifte in 20 Destinationen in ganz Österreich stillgelegt – 160 Pistenkilometer sind dadurch verschwunden. „Betroffen waren immer Skigebiete, die auf die Auswirkungen des Klimawandels nicht mit technischer Beschneiung reagieren konnten“, sagt Peter Winkler vom Fachverband der Seilbahnen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

Der Trend ist also klar: Die allermeisten Skigebiete unter 1500 Meter sind auf teure Beschneiungsanlagen angewiesen, um überhaupt noch eine verlässliche Wintersaison bieten zu können. Auch der Kasberg liegt mit der Talstation auf 620 und der Bergstation auf 1600 Meter rund um diese Schwelle.

Was spricht für die Rettung durch das Land?

Argumente für eine Fortführung – und somit ein Investment des Landes – hat sich die Genossenschaft über eine Studie organisiert, die sie bei der Johannes Kepler Universität (JKU) in Linz in Auftrag gegeben hat. Ihr Ergebnis: Millioneninvestitionen in den Kasberg seien Voraussetzung für weitere Hotelprojekte im Almtal.

Die Rede ist von einem Aktivdorf, zwei Wellnesshotels, mehrere Apartment-Anlagen, die – so sie gebaut würden – über drei Jahre 113 Millionen Euro generieren und rund 940 Arbeitsplätze schaffen könnten. Betten, die es laut Stadler bräuchte, um mehr Mehrtagesgäste ins Almtal zu bringen und dadurch die Auslastung im Skigebiet zu steigern.

Der Unterschied zur Situation ohne modernisierte Bergbahnen: minus 3,4 Millionen Euro pro Jahr. Auch bei bestehenden Betrieben würden massive Einbußen drohen: Die Nächtigungen würden im Sommer um zehn Prozent zurückgehen, im Winter um 70 Prozent. 212 Arbeitsplätze wären gefährdet.

Wie das Land Oberösterreich mit mit öffentlichen Geldern für Skigebiete umgehen sollte, haben die Prüfer des Landesrechnungshofes bereits im Jahr 2023 in einem Bericht festgehalten: Skigebiete in niedrigeren Lagen müssten künftig viel stärker versuchen, das ganze Jahr wirtschaftlich zu nutzen. Investitionen sollten daher darauf abzielen, die Infrastruktur auch abseits der oftmals nur zwei bis drei Monate dauernden Wintersaison touristisch zu verwerten.

„Externe Prüfung in der Zielgeraden“

Auf die Frage, ob seitens der Landesregierung rechtzeitig mit einer Entscheidung zu rechnen ist und ob – mit Blick auf die tickende Uhr im Almtal – Maßnahmen gesetzt wurden, das Prozedere zu beschleunigen heißt es aus Linz: „Wir führen innerhalb der Regierungspartnerschaft gute Gespräche. Die externe Prüfung ist in der Zielgeraden. Auf dieser Basis treffen wir gemeinsam eine Entscheidung“, lautet die Antwort aus den Büros von Stelzer und Haimbuchner.

Eine Entscheidung, die auch klären wird, wie viel der Skination Österreich ein Familienskigebiet im Alpenvorland wert ist.

Julian Kern

Julian Kern

war bis März 2026 Journalist im Digitalteam.