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Skurrile Mangelberufsliste: Philosophen dringend gesucht?

2026 stehen Philosophen erneut auf der Mangelberufsliste. Anders als 2022 liegt diesmal kein Datenfehler beim AMS vor – Kritiker halten die Fachkräfteverordnung dennoch für falsch konstruiert.

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Eine Meldung, die für Irritation sorgte: Während die Wirtschaft schwächelt und die Arbeitslosenzahlen steigen, wurde die neue Fachkräfteverordnung für 2026 erlassen. Mit dem Erlass des Arbeitsministeriums werden jene Mangelberufe aufgelistet, mit denen Bewerber aus Drittstaaten leichter an eine Rot-Weiß-Rot-Karte gelangen können.

Während sich auf der Liste überwiegend technische und Pflege-Berufe finden, taucht in den regionalen Ablegern der Mangelberufsliste ein skurriler Posten auf. In Salzburg, der Steiermark und in Vorarlberg werden offenbar händeringend Philosophinnen und Philosophen gesucht.

Schon wieder? Dass Philosophinnen und Philosophen den Weg auf die Mangelberufsliste finden, ist nicht neu. Bereits 2022 wurde in Oberösterreich ein entsprechender Mangel ausgewiesen. Damals handelte es sich allerdings um eine Verwechslung, gesucht wurden eigentlich Fachkräfte für Transport- und Lagerlogistik.

Logisch oder?

AMS-Vorstand Johannes Kopf erklärte den Fehler damals ausführlich in einem Blogbeitrag. Ein Mangelberuf wird gelistet, wenn sich ein Überhang an offenen Stellen im Verhältnis zur Zahl der Arbeitssuchenden ergibt. Das AMS erfasst die unbesetzten Stellen und versucht, sie im Hintergrund aufwendig anhand eines statistischen Berufsglossars zu kategorisieren.

Dabei schlich sich ein Fehler in der AMS-Datenbank ein. Die alte Bezeichnung „Logistik“ ist ein Subterm der Berufsgruppe Philosophie. Heute würde man „Logik“ sagen, so Koch. „Traditionell wird dieses Thema eben der Philosophie zugeordnet, heute versteht man darunter meist die symbolische Logik bzw. Strukturen innerhalb der Mathematik und Informatik. Lange Zeit – bei uns zu lange – wurde diese Wissenschaft jedoch noch Logistik genannt“, erklärte der AMS-Chef.

Das hatte zur Folge, dass Firmen freie Stellen in der Lagerlogistik oder im Logistikmanagement meldeten, das AMS diese intern jedoch dem wissenschaftlichen Begriffsverständnis von Logistik zuordnete. Dieser Fehler wirkte sich unmittelbar auf die Mangelberufslisten 2023 aus.

AMS-Logik

Steckt also erneut ein Datenfehler hinter der aktuellen Mangelberufsliste? Auf profil-Nachfrage gibt das Arbeitsmarktservice Entwarnung. Der damalige Fehler sei mittlerweile behoben worden. Für heuer gilt der Philosoph, genauer gesagt die Berufsgruppe Philosophen und Psychologen, laut Arbeitsmarktberechnung tatsächlich als Mangelberuf. Kommen pro offener Stelle weniger als 1,5 Arbeitssuchende infrage, spricht das AMS von einem Mangel.

In Salzburg, der Steiermark und Vorarlberg waren zuletzt insgesamt 33 arbeitslose Philosophinnen und Philosophen gemeldet, während 29 Stellen unbesetzt blieben – zwar auf niedrigem Niveau, aber ein Mangelberuf nach Definition. Dass der Beruf schließlich in die erlassene Fachkräfteverordnung aufgenommen wurde, ist allerdings eine Entscheidung des Bundesministeriums für Arbeit, nicht des Arbeitsmarktservice.

Kritiker wie Arbeitnehmervertreter oder Gewerkschaften bemängeln die Mangelberufsliste seit Jahren. Auch deshalb, weil sie nicht nur Fachkräfte enthält, sondern schrittweise auch um klassische Berufe wie Köche oder, in manchen Bundesländern, um Friseure erweitert wurde. Die Definition eines Mangelberufs orientiert sich ausschließlich an der Faktorgrenze 1,5. Wie viele Arbeitskräfte sich hierzulande bereits in Ausbildung befinden oder kurzfristig ausgebildet werden könnten, spiegelt sich in der Verordnung nicht wider.

Angesichts von derzeit rund 2000 Philosophie-Studierenden, dürfte sich der Mangel daher in überschaubaren Grenzen halten.
 

Kevin Yang

Kevin Yang

seit 2024 Redakteur und Faktenchecker bei profil Digital. Schwerpunkte: Arbeitsmarkt, Wirtschaftsrecht und Wohnbau. Davor bei „Wiener Zeitung“ und ORF.