Team Stronach: frank und unfrei

Team Stronach: frank und unfrei

Willkür bei der Kandidatenauswahl und Befehle aus Kanada verstören Mitstreiter von Frank Stronach. Die ersten setzen sich schon ab.

Gemessen an seinen Ansprüchen (Wahrheit, Transparenz und Fairness) ist das „Team Stronach“, zumindest in Niederösterreich , schon vor der Feuerprobe gescheitert. Was andere Parteien in Jahrzehnten durchlaufen, vollzieht sich hier im Zeitraffer: Cäsarenwahn, Intrige und Dissidententum. Es rächt sich, dass das „Team Stronach“ nur dem Begriff nach eine Partei ist, aber keine demokratischen Strukturen kennt, in denen Unzufriedene ihrem Ärger Luft machen könnten, Anträge stellen und Beschlüsse fassen. Es gibt weder Mitgliederversammlungen, in denen abgestimmt wird, noch übergeordnete Gremien, in denen die Mehrheit entscheidet. Alles wartet auf das Machtwort aus Kanada oder auf die Interpretation durch seine Statthalter in Österreich. Und weil der Drang an die Spitze bei vielen vorhanden ist, sorgt die niederösterreichische Kandidatenliste für böses Blut.

„Frank“ war plötzlich nicht mehr zu sprechen
Vergangene Woche meldeten sich gleich zwei enttäuschte Stronach-Parteimitglieder bei profil: Sabine Hess, die aus freiheitlichem Umfeld stammt und sich seit vergangenem Herbst für Stronach engagiert, war ursprünglich als Fixstarterin für die Landtagsliste vorgesehen. Werbefolder wurden gedruckt, auf denen sie gemeinsam mit Stronach abgebildet ist. Doch Hess ist keine Kandidatin mehr. Irgendwann in der ersten Jännerhälfte wurde sie von der Landtagsliste gestrichen. Ohne zu erfahren, von wem und warum. Auch „Frank“ war plötzlich nicht mehr zu sprechen.
Auch Michael Fichtinger (siehe Foto) sollte an wählbarer Stelle kandidieren. Im Winter noch war ihm mindestens der vierte Platz auf der Landtagsliste versprochen worden, und der Kleinunternehmer hatte sich mächtig ins Zeug gelegt, seine Organisationserfahrung aus der Zeit, als er noch beim Liberalen Forum aktiv war, dem „Team Stronach“ geschenkt, einen Geschäftsführer in seiner Firma eingesetzt.

Fichtinger wurde Bezirkskoordinator für ganz Niederösterreich. Er hatte Interessenten und Stronach-Fans zu Gesprächen in Wirtshäusern eingeladen, sich ihre Lebensgeschichten angehört, sie auf ihre Fähigkeiten und Talente abgecheckt und ihren Leumund überprüft. Fichtinger war rund um die Uhr im Einsatz, das wird allseits bestätigt. Gemeinsam mit Karin Prokop, der Tochter der verstorbenen ÖVP-Innenministerien, habe er sich gegen Glücksritter aus der FPÖ, die bei Stronach anheuern wollten, gewehrt, sagt Fichtinger. Doch um den Jahreswechsel sei die Stimmung im Team frostig geworden. Zunächst habe man Prokop, die formal noch immer Landesvorsitzende des „Team Stronach“ in Niederösterreich ist, gegen ihren Willen in die zweite Reihe verbannt, sagt Fichtinger. Am 13. Dezember 2012 hatte Prokop in einem E-Mail an die engsten Mitarbeiter geschrieben: „Habe gerade mit Kanada telefoniert und die Anweisung bekommen, mich aus dem Niederösterreich-Wahlkampf komplett rauszuhalten.“ Von Einschüchterungsversuchen seitens der Pröll-ÖVP gegen sie selbst oder ihre Familie war darin keine Rede. Wenige Wochen später wurde Fichtingers Kandidatur an wählbarer Stelle still entsorgt. Zuerst wurde Fichtinger hingehalten. Zahllose Anfragen, in denen er auf eine Aussprache mit Frank Stronach hoffte, blieben unbeantwortet oder unverbindlich.

Feuer und Zorn
Kathrin Nachbaur, die Organisationsverantwortliche an Stronachs Seite, rügte Fichtinger und andere kritische Geister: „Unsere Partei ist insofern anders als andere Parteien, als dass die Werte stärker sind als alle einzelnen Personen und deren Befindlichkeiten.“ Von den Querelen im Team würde sie „Frank teilweise berichten“, teilte Nachbaur mit, erfreut sei er nicht. Auch Durchhalteparolen wurden ausgegeben: „Nur wer innerlich brennt, kann auch in anderen ein Licht entzünden.“

Mittlerweile brennt Fichtinger vor Zorn, und einige der von ihm Angeworbenen haben sich auch schon wieder verabschiedet. „Ehemalige Freiheitliche sind an Schlüsselstellen gerückt, das mach ich nicht mit“, sagt Fichtinger.