© Wiener Linien/Manfred Helmer

Wirtschaft
03/26/2020

Wiener Linien in der Corona-Krise: "Das Unternehmen pfeift auf uns"

Angst vor Ansteckung bei Wiener Linien: Busfahrer fühlen sich nicht ausreichend geschützt.

von Christina Hiptmayr

Ende vergangener Woche erwartete die Mitarbeiter der Wiener Linien bei Dienstantritt ein Aushang: „Sie führen die Krankenschwestern, das Pflegepersonal, die Angestellten der Lebensmittelgeschäfte und viele weitere zwingend erforderliche Berufsgruppen weiterhin jeden Tag in die Arbeit. Deshalb möchte ich Ihnen herzlichst danken für Ihren Einsatz und Ihre Zuverlässigkeit! Ohne Sie geht es nicht! Sie gehören zu den Helden der Zeit!“

Man kann dem Verfasser dieser Zeilen nur beipflichten, doch nicht bei allen Adressaten kam das Schreiben gut an. Andreas P. (Name der Redaktion bekannt) fühlt sich dadurch gefrotzelt. Er ist Buslenker bei den Wiener Linien und wenn er dieser Tage zur Arbeit geht, beschleicht ihn regelmäßig ein mulmiges Gefühl. „Anders als die U-Bahnen und die Niederflur-Straßenbahnen haben die Busse der Wiener Linien keine geschlossenen Fahrerkabinen. Das heißt, wir sind einer permanenten Ansteckungsgefahr ausgesetzt. Und das über mehrere Stunden täglich“, sagt Andreas P. Er mache sich Sorgen um seine Gesundheit und die seiner Kollegen, aber „das Unternehmen pfeift auf uns“.

P. bemängelt, dass dem Fahrpersonal etwa keine Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt und Reinigungsmaßnahmen und Hygienevorkehrungen generell nur mangelhaft vorgenommen würden. Dass die Busse täglich desinfiziert würden, bezweifelt er. Bevor P. auf dem Fahrersitz Platz nimmt, wischt er mit Feuchttüchern über Lenkrad, Armaturen und Sitzplatz – die Tücher werden schwarz vom Dreck, wie er auf Fotos gegenüber profil dokumentiert.

Öner M. wiederum, ebenfalls Buslenker bei den Wiener Linien, hat profil ein Video übermittelt, welches zeigt, dass die Innenraumfilter in den Bussen wohl schon seit einer halben Ewigkeit keiner Reinigung mehr unterzogen wurden. Als er mit einem Schlüssel über die Abdeckung streicht, rieselt Schmutz herunter. Die Reaktion der Wiener Linien nach Ansicht des Videos: „Es ist auch Aufgabe der Lenker Mängel zu melden. Das ist in diesem Fall nicht geschehen“, so eine Sprecherin der Wiener Linien. „Und selbstverständlich werden alle Wartungen, wie von den Herstellern vorgeschrieben, regelmäßig durchgeführt“.

Die Gesundheit der Mitarbeiter sei jedenfalls „das zentrale Anliegen“ des Unternehmens und man setze eine Vielzahl von Maßnahmen um sie zu schützen. So würden etwa im Rahmen der täglichen gründlichen Reinigung auch die Lenkerplätze desinfiziert, Seifen und Handtuchrollen in den Waschräumen laufend kontrolliert und nachgefüllt und die Fahrerplätze in den Bussen mit Absperrbändern gesichert.

Zum Beweis für das gute Betriebsklima wird auf aktuelle Facebook-Postings verwiesen, in denen Mitarbeiter der Welt mitteilen, dass sie ihren Job lieben. Doch zwischen all den Beiträgen von gutgelaunten U-Bahn- und Tramwayfahrern findet sich auch folgender: „Liebe Wiener Linien, ist es nicht an der Zeit, dass auch unsere Autobuslenker geschützt gehören? Wir würden auch gern in einem getrennten Bereich unseren Job ausführen wollen. Und bitte kommt mir jetzt nicht damit, dass es technisch nicht. Alles ist möglich, man muss es nur wollen“.

Mit Kritik scheint man im städtischen Verkehrsbetrieb indes nicht so gut umgehen zu können: „Diese vielen MitarbeiterInnen, die auch in dieser herausfordernden Zeit sicherstellen, dass Wien mobil bleibt, sollen vor den Vorhang geholt werden, nicht die wenigen, die schlechte Stimmung verbreiten wollen“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber profil.

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