Porträt von Greta Thunberg mit Palästinenserschal zwischen anderen Aktivist:innen nach der Ausweisung durch Israel
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Zwei Mal segelt die weltberühmte Klimaaktivistin Greta Thunberg heuer in Richtung Gaza. Und verliert dabei an Popularität und Glaubwürdigkeit.

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Greta Thunberg war 15, trug noch Zöpfe und war mit ihrem Schulstreik gerade zur weltweiten Ikone avanciert, als sie über die Klimakrise sagte: „Es gibt keine grauen Bereiche, wenn es ums Überleben geht.“ Schwarz oder weiß, ohne Schattierungen, so blickt Thunberg auch auf Gaza. Sie ergriff in dem Konflikt früh Partei für die Palästinenserinnen und Palästinenser. Zwei Wochen nach dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 postete sie ein Foto, auf dem sie ein Schild in der Hand hielt mit der Aufschrift „Stand with Gaza“. Ein Jahr später entfuhr ihr auf einer Demo im deutschen Mannheim: „Fuck Germany. Fuck Israel!“ Die Worte gingen um die Welt.

Greta 2018 mit Zöpfen und dem berühmten, selbstgemalten Schild "Schulstreik fürs Klima"
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Schulstreik 2018

Mit dem selbstgemalten Schild wurde Greta Thunberg berühmt. 

So konsequent sie für das Klima kämpft, so vehement tritt die heute 22-Jährige für die Bewohner des Gazastreifens ein. Für sie ist das nur folgerichtig: „Die Klimakrise ist auf Ungerechtigkeit gebaut. Wir opfern unsere Ökosysteme und zukünftige Generationen, damit ein paar wenige weiter unglaublichen Profit machen können. Wenn wir als Klimaaktivisten nicht erkennen können, wie die Marginalisierung von Menschen in Gaza und das Töten dieser Logik entspricht – dann sollten wir uns nicht Klimaaktivisten nennen“, sagte Thunberg dem Sender Al Jazeera.

Zwei Mal segelte Greta Thunberg heuer medienwirksam in Richtung Gaza, um der hungernden Bevölkerung dort Babynahrung, Lebensmittel und Medikamente zu bringen. Dass ihre Flotten – wie alle anderen Hilfslieferungen auch – von der israelischen Regierung gestoppt werden würden, war wohl allen an Bord klar und einkalkuliert. Es ging um die weltweite Aufmerksamkeit. „Eine Mission wie diese sollte eigentlich nicht existieren“, sagte Thunberg im August, bevor sie zum zweiten Mal in See stach. Es sei aber notwendig, weil die Staaten und ihre gewählten Vertreter nicht genug täten, „um internationales Recht aufrechtzuerhalten, Kriegsverbrechen und Völkermord vorzubeugen“.

Mitleid nur mit einer Seite

Schwarz und weiß, gut und böse, richtig und falsch: In der Klimakrise fällt diese Kategorisierung leicht, sie ist für Millionen Menschen nachvollziehbar. Aber nun fragen sich viele: Wie kann Greta Thunberg mit den hungernden Palästinenserinnen so viel Mitleid haben – aber gleichzeitig das Martyrium der israelischen Geiseln ausblenden? Warum positioniert sie sich nicht klar gegen die Terrororganisation Hamas? Eine Journalistin von Sky News fragte Thunberg im Spätsommer, was sie der Hamas ausrichten wolle. Die Antwort: „Hier findet ein Völkermord statt. Die Palästinenser leben unter Unterdrückung und Besatzung. Und wenn es eine Besatzungsmacht gibt, dann haben die Menschen nach internationalem Recht das Recht, sich gegen diese Besatzung zu wehren.“

Nächste Fahrt per LKW?

Im November sorgte Thunberg dann in Italien für Wirbel. Venedig verbannte die Aktivistin für 48 Stunden aus der Stadt, weil sie das Wasser des Canale Grande zusammen mit der Umweltschutzorganisation Extinction Rebellion grün eingefärbt hatte, um auf „ökologische Verbrechen“ der italienischen Regierung aufmerksam zu machen. Wenige Tage später führte Thunberg einen Pro-Gaza-Protestzug mit Zehntausenden Menschen durch Rom. Tatsächlich kommen trotz der Waffenruhe weiterhin zu wenig Hilfslieferungen nach Gaza, die Lage dort ist immer noch katastrophal.

Die Organisation „Global Sumud Flotilla“, mit der Thunberg Richtung Gaza gesegelt war, verkündete in Rom, Anfang des Jahres wieder Hilfsgüter schicken zu wollen. Diesmal übers Land, per Lastwagen. Ob Greta Thunberg dabei sein wird, ist noch nicht bekannt.

Franziska Dzugan

Franziska Dzugan

schreibt für das Wissenschaftsressort, ihre Schwerpunkte sind Klima, Medizin, Biodiversität, Bodenversiegelung und Crime.