Tierforschung: Ist Ihr Hund Links- oder Rechtspfoter?
Sevim Ispartas Hund Botalli ist „stark linkspfotig“. Er war einer der ersten, den die Tierärztin und Neurowissenschafterin an der University of Bari Aldo Moro (UNIBA) einem neuen Test unterzog. Angelehnt an den in den 1970er-Jahren für Menschen entwickelten „Edinburgh Händigkeitstest“ entwickelten Isparta und ihr Kollege Marcello Siniscalchi einen ausgeklügelten Test für Hunde. Dieser unterscheidet zwischen schwach und stark linkspfotig, schwach und stark rechtspfotig sowie beidpfotig.
Sevim Isparta mit ihrem Hund Botalli
Hier gibt er zwar die rechte Pfote, er ist aber Linkspfoter.
Leckerli-Tests
Getestet wurden Botalli und 42 weitere Hunde in vier unterschiedlichen Situationen. Einmal bekamen die Tiere einen sogenannten Kong, ein mit Leckerlis gefülltes Gummispielzeug. Isparta und ihr Team beobachteten jeweils 15 Minuten lang, wie oft die Hunde es beim Ausschlecken mit der linken oder der rechten Pfote festhielten.
Studienteilnehmer mit Kong
Dieser Hund präferiert die linke Pfote.
Zuhause mussten die Hunde Leckerlis unter Möbeln hervorfischen, deren Besitzerinnen und Besitzer schickten an mehreren Tagen aufgenommene Videos an die Uni.
Stufentests
Danach folgten zwei Bewegungstests: Zuerst ließ Isparta die Hunde mehrmals eine Stiege hinunterlaufen und analysierte auf Videoaufnahmen, mit welcher Pfote sie gestartet waren. Danach liefen die Hunde an der Leine eine Gehsteigkante hinab, wobei ihre Besitzerinnen sie mehrmals sowohl an ihrer linken als auch an ihrer rechten Seite führten.
Rechtspfotiger Pudel beim Stufentest
Der Grund: „Ein Kollege berichtete uns kürzlich von einem Spiegeleffekt zwischen der Pfotenpräferenz eines Hundes und der Händigkeit seines Besitzers“, sagt Studienautor Marcello Siniscalchi dem Fachmagazin „Science“. Diesen Einfluss galt es möglichst auszuschließen.
Wie man die Pfotenpräferenz berechnet
Nach Abschluss der vier Tests führten die Forschenden eine Reihe von Berechnungen durch, um den Pfoten-Score der Hunde zu ermitteln. Das könne man auch zuhause nachmachen, sagt Siniscalchi. „Zählen Sie, wie oft Ihr Hund bei jeder einzelnen Aufgabe seine rechte oder linke Pfote benutzt hat. Verwenden Sie dann diese Formel: Wenn R die Anzahl der Einsätze der rechten Pfote bei einer Aufgabe und L die Anzahl der Einsätze der linken Pfote bei jeder Aufgabe angibt, können Sie wie folgt berechnen: (R-L)/(R+L).“
Für jede Aufgabe erhält man einen Dezimalwert zwischen -1 und 1. Multipliziert man diesen Dezimalwert mit 100, erhält man eine Zahl zwischen -100 und 100. „Diese gibt einen Hinweis darauf, zu welcher der fünf Kategorien Ihr Hund in den jeweiligen Tests gehört: „stark links“ (-100 bis -60), „schwach links“ (-60 bis -20), neutral (-20 bis 20), „schwach rechts“ (20 bis 60) oder „stark rechts“ (60 bis 100)”, so der Forscher.
Wozu das Ganze?
Beim Menschen steuert die rechte Gehirnhälfte die linke Hand, während die linke die rechte Hand kontrolliert. Dasselbe gilt für Hunde. Die mit dem neuen Test eingeführte, feinere Kategorisierung ermögliche genauer zu untersuchen, wie die Pfotenpräferenz mit Verhalten, Emotionen, Kognition und sogar der Immunantwort zusammenhängt, sagt Studienautorin Sevim Isparta.
Linkspfoter weniger risikofreudig
Aus anderen Studien gebe es Hinweise darauf, dass linkspfotige Hunde ängstlicher sind und weniger Risiken eingehen. „Linkspfoter scheinen sogar eine schwächere Immunantwort auf die Tollwutimpfung zu zeigen“, so die Forscherin. Der Grund könnte eine asymmetrische Wechselwirkung zwischen Gehirn und Immunsystem sein. Rechtspfotige Hunde, die zum Hüten von Schafen ausgebildet wurden, zeigten in einer anderen Studie wiederum aggressiveres und weniger ängstliches Verhalten. Und beidpfotige Hunde scheinen mehr Angst vor Gewittern zu haben. All diesen Hinweisen wollen Isparta und ihr Hund Botalli als nächstes nachgehen.