Papst Franziskus
Papst Franziskus

© APA/AFP

Aufklärungsbedarf
02/22/2019

Aufklärungsbedarf: Missbrauch in der katholischen Kirche

Missbrauch in der katholischen Kirche

Papst Franziskus hat zu Beginn der viertägigen Kinderschutzkonferenz im Vatikan von der Kirche konkrete Schritte zum Kampf gegen den Kindesmissbrauch gefordert.

Die internationale Konferenz mit mehr als 100 Bischöfen dürfe sich nicht mit "schlichten und offensichtlichen Verurteilungen" der Taten begnügen. Der Papst legte den Teilnehmern einen 21-Punkte-Vorschlag mit konkreten Schritten vor, die Bischöfe im Umgang mit Missbrauchsfällen berücksichtigen sollten. Die österreichische Bischofskonferenz wird durch Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn vertreten.

Einige wichtige Vorschläge:

- Ein Handbuch vorbereiten, welche Schritte genau nötig sind, wenn ein Verdachtsfall aufkommt

- Staatliche Behörden und die übergeordneten kirchlichen Stellen nach kanonischem und bürgerlichem Recht informieren

- Festlegung spezifischer Vorgehensweisen, wie Vorwürfe gegen Bischöfe zu behandeln sind

- Opfer begleiten und nötige Hilfe leisten

- Seelsorgerische Begleitung der Gemeinden, deren Kleriker straffällig geworden sind. Für die Täter Wege der Buße und der Genesung erarbeiten

- Zusammenarbeit unter anderem mit Medien, um wahre Fälle von falschen und Anschuldigungen von Verleumdungen zu unterscheiden

- Zur Eheschließung zugelassen werden sollen Minderjährige erst ab 16 Jahren

- Sicherstellen, dass Priester und Bischöfe, die sich des sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen schuldig gemacht haben, den Dienst aufgeben

- Bewusstsein für Gründe und Folgen von sexuellem Missbrauch schärfen

- Verstärkt Laien und Nichtkleriker bei Ermittlungen mit Bezug auf sexuellen Missbrauch und Machtmissbrauch einbinden

- Von der Kirche unabhängige Stellen schaffen, die mit Geistlichen und Nicht-Klerikern besetzt sind, denen man Missbrauch melden kann

- Die Verteidigungsrechte der Beschuldigten wahren

- Psychologische Beurteilung der Kandidaten für das Priesteramt mit Hilfe von Experten

- Ausbildungsprogramme für Seminaristen und Kandidaten für das Ordensleben, um die "zwischenmenschliche, spirituelle und psychosexuelle Reife" zu festigen

- Opfer begleiten und ihnen die nötige Hilfe anbieten

- Verdächtige dürfen erst identifiziert werden, wenn sie endgültig verurteilt sind

- Ausarbeiten, wie Zeichen von Missbrauch zu erkennen sind

- Verhaltenskodex für Kleriker, Kirchenmitarbeiter und Freiwillige ausarbeiten, der festlegt, wie weit persönliche Beziehungen gehen dürfen