Darf Trump Grönland überhaupt kaufen? Und was würde es kosten?
„Stellen Sie sich vor, Sie wachen zu atemberaubenden Sonnenaufgängen auf und lassen den Tag bei ruhigen Sonnenuntergängen ausklingen – und das alles von Ihrem privaten Rückzugsort aus.“ So beschreibt das Portal „Vladi Private Islands“ eine seiner preisgünstigsten Inseln, die es zum Verkauf anbietet. Die Wentworth Lake Islands liegen im gleichnamigen See in der Provinz Nova Scotia an der kanadischen Ostküste.
Gleich zwei Inseln gehören zum Angebot, insgesamt etwa 22 Hektar Land zum Preis von gut 80.000 Euro. Um eine Insel zu kaufen, muss man kein Millionär sein – und schon gar kein autoritärer Staatschef.
Grönland hat „Vladi Private Islands“ nicht im Angebot, hier wird Donald Trump nicht fündig werden. Der US-Präsident liebäugelt immer wieder mit einem Kauf der größten Insel der Welt. Aber geht das überhaupt?
Teuer, teurer, Grönland
Die USA haben vor 80 Jahren schon einmal versucht, Grönland zu erwerben. 100 Millionen US-Dollar waren damals das Angebot, das Dänemark ablehnte. Im Jahr 1946 waren das etwa 0,04 Prozent des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukt. Würde man das Angebot auf die heutige Wirtschaftsleistung der USA anpassen, müssten die USA etwa 1,2 Milliarden US-Dollar für Grönland bieten. Ein günstiger Preis.
Grönland ist sicherlich mehr Wert, immerhin liegt die Insel strategisch günstig und ist reich an Bodenschätzen. Der amerikanische Think-Tank „American Action Forum“ hat den Marktwert der seltenen Erden und Mineralien, die Grönland bergen soll, berechnet. Das Ergebnis: fast 200 Milliarden Dollar.
Quasi unbezahlbar wird Grönland, nimmt man den Kauf der Virgin Islands als Vergleich her. Dänisch-Indien hießen die Inseln früher, als sie noch Teil des dänischen Kolonialreichs waren. Im Jahr 1917 kauften die USA die Virgin Islands für 25 Millionen Dollar. Auch sie waren wie Grönland strategisch wichtig für die USA, um sich im Panama-Kanal zu behaupten und Handelsvorteile zu erhalten sowie den europäischen Einfluss in der Region einzudämmen.
Würde man den Kaufpreis der Virgin Islands auf heutige Verhältnisse und auf die Größe Grönlands umrechnen sowie die historische Inflation einbeziehen, käme man auf 3,8 Billionen US-Dollar, schreibt die „Financial Times“. 3,8 Billionen Dollar, oder: 1,6 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: In Österreich lag der Preis pro Quadratmeter 2024 für bebaubare Grundstücke bei durchschnittlich 124 Euro.
Darf Dänemark verkaufen?
Gedankenspiele beiseite, dürfte Dänemark heute gar nicht mehr über Grönland verfügen, wie das damals bei den Virgin Islands möglich war. Kopenhagen hätte nicht das Recht, Grönland zu verkaufen. „Das hat niemand“, sagt Tom Høyem, der von 1982 bis 1987 Grönlandminister der dänischen Regierung war. „Früher war es möglich, ein Territorium zu verkaufen, heute geht das völkerrechtlich nicht mehr“, sagt er gegenüber profil.
Um darüber entscheiden zu können, ob es sich den USA anschließt, müsste Grönland erst von Dänemark unabhängig werden. Seit 2009 verwaltet sich Grönland weitgehend selbst. Im damals verabschiedeten Selbstverwaltungsgesetz sei geregelt, dass Grönland unabhängig werden kann, wenn es das möchte, sagt Høyem. „Dafür bräuchte es eine Mehrheit bei einer Volksabstimmung in Grönland und das dänische Parlament müsste zustimmen.“
Dänemark sei offen für die Unabhängigkeit Grönlands, so Høyem. Grönland ist jedoch wirtschaftlich abhängig von Dänemark, jedes Jahr überweisen die Dänen der arktischen Insel mehrere hundert Millionen Euro. Dennoch wählte die grönländische Bevölkerung 2025 eine Regierung, die die Unabhängigkeitsbewegung vorantreiben soll. 56 Prozent sprachen sich vor einem Jahr in einer Umfrage für eine Abspaltung von Dänemark aus, 85 Prozent der Befragten aber auch gegen einen Anschluss an die USA.
Verteilt Trump Geschenke?
Also will Trump nachhelfen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur „Reuters“ erwägt die US-Regierung, Einwohnerinnen und Einwohnern Grönlands zwischen 10.000 und 100.000 US-Dollar zu zahlen, um sie von einem Anschluss an die Vereinigten Staaten zu überzeugen. Das Weiße Haus bestätigte, man werde prüfen, „wie ein potenzieller Kauf aussehen würde“. 5,7 Milliarden Dollar wären das, wenn jede Person in Grönland 100.000 Dollar von den USA bekäme.
Doch selbst wenn dieser Versuch gelingen sollte, würde ein Anschluss nicht über Nacht klappen. Die Abstimmungen in Grönland, Dänemark und den USA würden Zeit in Anspruch nehmen.
Viele Amerikaner glauben, Grönland gehöre zu den USA.
Dänischer Grönlandminister von 1982 bis 1987
Trump kann Grönland also nicht einfach kaufen, und die Bewohnerinnen und Bewohner der Insel wollen sich den USA sowieso nicht anschließen. Warum macht Trump dann jetzt so großen Druck?
Høyem meint, es sei schon lange US-amerikanische Tradition, über Grönland zu sprechen. 1868, kurz nach dem Kauf Alaskas, scheiterte eine Übernahme Grönlands im US-Kongress. 1910 schlugen die USA einen Tausch vor. Und schließlich wären da das Kaufangebot nach dem 2. Weltkrieg und Trumps Grönland-Fantasien seit 2019.
„Viele Amerikaner glauben, Grönland gehöre zu den USA“, behauptet Høyem. Selbst renommierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA hätten nicht gewusst, dass Grönland zu Dänemark gehört. Trump, sagt Høyem, füge sich in diese Tradition von Übernahme-Fantasien und Unwissenheit ein.
So einfach wird es also nicht, Grönland zu bekommen. Bei den unbewohnten Privatinseln von „Vladi Privat Islands“ stehen die Chancen sicherlich besser.