Former President Donald Trump's Hush Money Trial Continues In New York
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Former President Donald Trump's Hush Money Trial Continues In New York
Europas neuer Feind: Der böse Onkel in Amerika
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„Was tun, wenn der beste Freund zum schlimmsten Feind wird?“ Diese Frage wird von führenden Lifestyle-Portalen intensiv und einfühlsam behandelt, leider aber so gut wie nie von Denkfabriken mit geopolitischer Ausrichtung. Die Plattform „Allwomenstalk“ (etwa: Frauengespräche) listet nach ausführlicher Recherche zu diesem Thema neun Punkte auf, von „Versuchen Sie sich auszusprechen“ über „Lassen Sie sich nicht zu Beschimpfungen hinreißen“ und „Knüpfen Sie weitere Freundschaften“ bis zur letzten Konsequenz: „Sehen Sie ein, dass es Zeit ist, einen neuen Weg einzuschlagen.“ Es wäre vielleicht gar nicht so schlecht, wenn das politische Führungspersonal Europas über „Allwomenstalk“ stolperte, denn gute Tipps kann es derzeit wirklich gebrauchen. Europa hat seinen besten Freund verloren, und, schlimmer noch, plötzlich entpuppt sich dieser gar als Feind. Die Rede ist von den Vereinigten Staaten von Amerika. Präzise: den USA unter der Führung von Präsident Donald Trump.
„Feindschaft“ ist ein hartes Wort, doch eine Aufstellung der unfreundlichen, zuletzt offen aggressiven Akte der US-Regierung gegenüber Europa macht deutlich, dass die Beziehung am Punkt „Zeit, einen neuen Weg einzuschlagen“ angelangt ist. Was seit Trumps Angelobung im Jänner 2025 geschah:
- Trump verhängte einseitig Strafzölle im Ausmaß von 15 Prozent gegen die gesamte Europäische Union.
- Er beendete die engen Absprachen mit den europäischen Verbündeten zur Lösung des Ukraine-Kriegs und führt seither die wesentlichen Verhandlungen im Alleingang.
- Vize-Präsident JD Vance griff die EU in seiner Rede vor der Münchner Sicherheitskonferenz frontal an, warf ihr Defizite in Bezug auf Demokratie und Meinungsfreiheit vor und verglich sie mit autoritären Regimen.
- Die USA verhängten Sanktionen gegen Richter des in Den Haag beheimateten Internationalen Strafgerichtshofs, weil diese die Entscheidung trafen, einen Haftbefehl gegen Israels Premier Benjamin Netanjahu auszustellen.
- In ihrer im Dezember 2025 vorgestellten Nationalen Sicherheitsstrategie erhob die US-Regierung schwere Anschuldigungen gegenüber der EU. Diese untergrabe „politische Freiheit und Souveränität“ und betreibe „Zensur der Meinungsfreiheit und Unterdrückung der politischen Opposition“. Das Weiße Haus sagte Europa schließlich die „zivilisatorische Auslöschung“ vorher.
- Kurz darauf verhängten die USA neuerlich Sanktionen gegen europäische Staatsbürger, unter ihnen auch Ex-EU-Kommissar Thierry Breton. Sie werden vom US-Außenministerium beschuldigt, die „Masterminds“ hinter dem Digital Services Act zu sein, der Verordnung zur Regulierung digitaler Dienste.
- In der abgelaufenen Woche, kurz nach der US-Militärintervention in Venezuela, bekräftigte Donald Trump mehrfach, die semiautonome Insel Grönland, die Teil des Königreichs Dänemark ist, übernehmen zu wollen. Eine Sprecherin des Weißen Hauses nannte als Option den Kauf der Insel, schloss aber auch den Einsatz des US-Militärs nicht aus. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass die USA Anspruch auf europäisches Territorium erheben.
Nicht nur diese direkten Konfrontationen haben zu einer Entfremdung zwischen den USA und Europa geführt. Donald Trump und sein engstes Umfeld machen immer öfter deutlich, dass Europa, insbesondere die EU, in ihren Augen ein ideologisches Reich des Bösen darstellt. Dort herrschten Wokeness, Meinungsdiktatur und uneingeschränkte Migration.
Auch atmosphärisch trennen Trump und die Europäer Welten. Der US-Präsident lässt immer wieder Bewunderung für starke, autoritäre Männer wie Putin erkennen, in der EU schätzt er vor allem Ungarns illiberalen Premier Viktor Orbán und die Rechtsaußen-Parteien der Patrioten, zu denen etwa die FPÖ, der französische Rassemblement National und die italienische Lega gehören.
In allen wichtigen geopolitischen Fragen driften die USA und Europa so weit auseinander wie lange nicht. Im Nahen Osten hat Trump eine Zweistaatenlösung de facto verworfen, während die EU daran hartnäckig festhält. Bei ihrer Militärintervention in Venezuela bewies die US-Regierung, dass das Völkerrecht für sie keine Bedeutung mehr hat. Auch das offen deklarierte Ziel – der Zugriff auf die Ölvorkommen des Landes – stellt einen Bruch mit den bisherigen gemeinsamen Interessen der westlichen Gemeinschaft – Demokratie, Wahlen, Menschenrechte – dar. Trump verabschiedet sich von diesen universellen Zielen des Westens und opfert sie territorial definierter Machtpolitik.
„Das ist unsere Hemisphäre“, lautete ein Posting des Weißen Hauses. Gemeint ist, dass die USA die westliche Halbkugel politisch und militärisch dominieren wollen. Dazu gehört, sich in Wahlen anderer Länder einzumischen, militärisch zu intervenieren oder eben auch Territorien zu annektieren.
Europa kann und will da nicht mit. Bei der Verurteilung der USA im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen wegen des Angriffs auf Venezuela übten auch Großbritannien und Frankreich Kritik am Vorgehen der USA.
Former President Trump Addresses The Georgia State GOP Convention
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Former President Trump Addresses The Georgia State GOP Convention
Nicht Europa hat sich von den USA abgewandt, Donald Trump hat den alten Kontinent zu seinem Feind gemacht. Eben noch stellten sich Europas NATO-Staaten die Frage, ob sie im Ernstfall auf militärischen Beistand der USA zählen können, plötzlich müssen sie damit rechnen, dass die USA in einem unfriendly take-over Grönland annektieren.
Agiert so ein verlässlicher Freund? Nein. Soll man jemanden, der derartige Drohungen ausstößt, einen Feind nennen? „Allwomenstalk“ würde diese Frage wohl bejahen.
Operation Venezuela oder: Wie Donald Trump die Weltordnung zertrümmert und Europa ratlos zusieht
„Ich bin der Präsident der Republik Venezuela und wurde aus meinem Haus entführt“, sagt Nicolás Maduro. Er sitzt in einem New Yorker Gerichtssaal, eine neonorange Gefängniskleidung und Kopfhörer für die Simultanübersetzung tragend. Die Vorwürfe der US-Justiz: Narkoterrorismus, Drogenhandel und Verschwörung. „Meine Mutter und ich haben vor Freude geweint“, sagt ein venezolanischer Oppositioneller im WhatsApp-Gespräch mit profil. Maduro ist unter den Anhängern der demokratischen Bewegung, die er zu Hunderten einsperren ließ, verhasst. Die autokratische Herrschaft in Venezuela könnte mit Maduros Entführung zu Ende sein. In den ersten Stunden nach der Militäroperation fallen die Statements europäischer Regierungen eher milde aus. Zwar hat Trump ganz offensichtlich gegen die UN-Charta verstoßen und damit das Völkerrecht gebrochen, doch wenn damit ein Sieg der Demokratie einhergeht, ist dies ein überzeugender Grund für Nachsicht.
UN-Generalsekretär António Guterres spricht von einer „Operation nicht im Einklang mit Völkerrecht“, doch die meisten europäischen Staatschefs schweigen oder geben sich überraschend verhalten. EU-Außenbeauftragte Katja Kallas ruft zur „Zurückhaltung“ auf, während EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen „friedlichen, demokratischen Übergang“ befürwortet und Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz die völkerrechtliche Einordnung von Trumps Aktion als „kompliziert“ bezeichnet.
Doch rasch wird klar, dass Demokratie und Menschenrechte mit dem Überfall auf Venezuela wenig zu tun haben. Trump und sein Team sagen in so gut wie jeder ihrer Stellungnahmen, dass sie sich den Zugriff auf Venezuelas Erdöl sichern wollen. Es handelt sich um einen ungeschminkten Akt des Imperialismus.
Die US-Regierung belässt das venezolanische Regime im Amt, Maduro wird durch Vizepräsidentin Delcy Rodríguez ersetzt. Trump kündigt keine Wahlen an, die politischen Gefangenen in Venezuela bleiben in Haft. Innenminister Diosdado Cabello, der die Luftschläge überlebte und als Hardliner gilt, posiert mit einem Maschinengewehr in der Hand umringt von Soldaten und brüllt: „Immer loyal, niemals ein Verräter!“
Trump schient all das nicht zu kümmern, er kündigt an, die USA würden Venezuela über mehrere Jahre kontrollieren.
Sie geben uns alles, was wir für nötig halten.
Donald Trump über die Führung in Venezuela
Europa ist konsterniert. Frankreich kritisiert den engen Partner USA am Montag im UN-Sicherheitsrat scharf: „Die Verstöße gegen die UN-Charta untergraben die Grundlagen der internationalen Ordnung.“ Aber worin besteht diese internationale Ordnung noch, die von den USA und Europa – dem Westen – seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges errichtet worden ist?
Europa muss zusehen, wie Donald Trump agiert, als hätte es westliche Werte nie gegeben.
„Sie geben uns alles, was wir für nötig halten“, sagt der US-Präsident über die venezolanische Führung – und erklärt wenig später gegenüber Reportern, was er damit meint: „Wir brauchen uneingeschränkten Zugang zum Öl.“
© AFP/APA/AFP/Venezuelan Presidency/HANDOUT
Das schwarze Gold Venezuelas soll also wieder fließen. Das Land sitzt auf dem größten Erdölvorkommen der Welt (300 Milliarden Barrel), konnte aber aufgrund von Sanktionen und maroder Infrastruktur lange nur wenig Öl exportieren. Bis zu 50 Millionen Barrel Erdöl sollen nun an die USA „ausgehändigt“ werden, schreibt Trump am Mittwoch auf seiner Plattform „Truth Social“. Washington will auf unbestimmte Zeit den Verkauf von venezolanischem Öl übernehmen.
„Das ist unsere Hemisphäre“
Europa ist in einer neuen Weltordnung aufgewacht, in der das Recht des Stärkeren gilt und nicht mehr das der UN-Charta. Trumps Team hat dafür eine neue Bezeichnung gefunden: Die „Donroe-Doktrin“, eine Anspielung auf die Monroe-Doktrin aus dem Jahr 1823. Damals gab der fünfte US-Präsident James Monroe die Richtlinie für Amerikas künftige Außenpolitik aus: Die USA würden sich nicht in europäische Konflikte einmischen, und die Welt sollte anerkennen, dass Südamerika zum Einflussgebiet der USA gehörte. Es war die Einteilung der Welt in Hemisphären, wobei die Großmächte in ihren eigenen Gebieten Einfluss nehmen dürfen, nicht aber in jenen der anderen.
In der darauf basierenden „Donroe-Doktrin“ werden die erwähnten universellen Werte wie Demokratie und Menschenrechte durch den Anspruch ersetzt, im eigenen Einflussbereich uneingeschränkt Macht auszuüben – politisch und, wenn nötig, militärisch.
Gerade für die Antikommunisten in Trumps Team, allen voran Außenminister Marco Rubio, ist etwa das autoritär-sozialistisch regierte Kuba ein Fremdkörper in der US-Einflusssphäre in der Karibik. Der Schlag gegen Venezuela galt auch Havanna, das seit Jahren am venezolanischen Erdöl-Tropf hängt. „Das subventionierte Öl war lange Zeit zentral für Kubas Wirtschaft“, sagt der Kuba-Experte Andrés Pertierra gegenüber profil. „Man hat das Rohöl raffiniert und weiterverkauft, um an harte Währung zu kommen.“ Dank der US-Sanktionen brachen die Erdöllieferungen nach Kuba immer weiter ein – jetzt werden sie komplett versiegen.
Kuba hängt am seidenen Faden: Der Inselstaat wird jetzt schon von weitreichenden Stromausfällen geplagt, nur in der Hauptstadt brennt noch verlässlich Licht. Wenn auch Havanna im Dunkeln verschwindet, wird es Proteste geben, die die Regierung herausfordern, sagt Pertierra: „Ich weiß nicht, wie Kubas Regierung die jetzige Situation ohne venezolanisches Öl aufrechterhalten könnte.“ Das Ende des kommunistischen Regimes in Kuba scheint nahe.
Ins Bild passt, dass Washington nun auch den beiden Demokratien Kolumbien und Mexiko, das in den letzten Jahren die Erdöllieferungen nach Kuba erhöhte, mit Militärschlägen droht. Für Trump und Rubio ist Venezuela nur ein Dominostein in einer neuen Weltordnung. Ob den USA Demokratien oder Autokratien im Weg stehen, ist dabei kein Kriterium.
Darauf jedoch gründete das westliche Bündnis. Denn wenn es den USA nur um Macht und Interessen geht, könnte auch Europa ins Zielfernrohr der US-Regierung geraten. Dieser Gedanke ist keine ferne Dystopie, sondern bereits jetzt Realität. Nächster Stopp auf Trumps Raubzug: Grönland, eine europäische Insel.
„Wir brauchen Grönland“ oder: Wie Donald Trump europäisches Territorium beansprucht
Samstagnachmittag vergangener Woche in Washington. Vor wenigen Stunden sind US-Elitesoldaten von ihrer Blitzoperation in Venezuela zurückgekehrt, da hat Katie Miller schon das nächste Ziel vor Augen. Auf „X“ postet die ehemalige Regierungsberaterin und Ehefrau des Vizestabschefs Stephen Miller eine Karte Grönlands in den Farben der US-Flagge, darüber schreibt sie in Großbuchstaben: „SOON“ (Bald).
Die größte Insel der Welt, reich an Rohstoffen und strategisch günstig gelegen zwischen Europa, Russland und Nordamerika, soll amerikanisch werden. So sieht das nicht nur die Ehefrau Millers, sondern auch Trumps Vizestabschef selbst. Das zu Dänemark gehörende Gebiet in die USA einzugliedern, sei die „offizielle Position der US-Regierung“, so Stephen Miller im Interview mit dem TV-Sender CNN, denn: „Wir können über Nettigkeiten sprechen, so viel wir wollen, aber wir leben in der echten Welt, und die wird durch Stärke regiert, durch Gewalt und Macht.“ Diese „eisernen Regeln“ würden die Welt „seit dem Anbeginn der Zeit“ bestimmen.
Niemand wird wegen der Zukunft Grönlands militärisch gegen die USA kämpfen.
Stephen Miller
Vizestabschef Trumps
Miller ist die radikalste Stimme in Trumps Kabinett. Die meisten seiner Ideen klingen wie rechtsextreme Fieberträume, lange nahm ihn kaum jemand richtig ernst. Doch in Trumps zweiter Amtszeit werden viele von Millers Plänen Realität. Offenbar hat die in ihren Augen gelungene Aktion in Venezuela Trump und sein Team ermutigt, die Strategie der politischen und militärischen Dominanz ganz einfach auf Europa auszuweiten.
Einem Verbündeten wie Dänemark anzudrohen, ihm Territorium zu entreißen, ist in der Geschichte des transatlantischen Bündnisses nicht nur einzigartig, es ist wohl auch dessen Ende. Oder jedenfalls der Anfang vom Ende.
Schon nach seiner Angelobung zum US-Präsidenten vor einem Jahr sprach Trump von einer Übernahme Grönlands – notfalls mit militärischen Mitteln –, Anfang der Woche legte er nach: Er wolle sich in den kommenden Wochen um Grönland „kümmern“. Außenminister Rubio behauptet zwar, Amerika plane keinen Einmarsch, sondern wolle die Insel kaufen. Doch am Dienstag drohte auch Regierungssprecherin Karoline Leavitt mit einem US-Militäreinsatz auf Grönland: Donald Trump stehe ein solcher „jederzeit als Option zur Verfügung“. Die Kontrolle über die Insel sei entscheidend, „um unsere Gegner in der Arktis abzuschrecken“, so Leavitt mit Verweis auf die angeblich gestiegene Präsenz russischer und chinesischer Schiffe und U-Boote vor der Küste Grönlands.
Nuuk,City,,The,Capital,Of,Greenland.
© Shutterstock/2024 Chris Christophersen/Shutterstock
Nuuk,City,,The,Capital,Of,Greenland.
Als Trump im Jahr 2019 erstmals von einer Übernahme der riesigen Insel im Nordpazifik sprach, hielt Europa das für einen Scherz. Grönland stehe nicht zum Verkauf, so die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen damals. Heute lacht darüber niemand mehr. Spätestens seit der Entführung Maduros ist klar: So bizarr Trumps Drohungen und Ankündigungen auch sein mögen, es können ihnen durchaus Taten folgen. Das gilt auch für Grönland.
Bodenschätze und Geostrategie
„Wenn die USA ein anderes NATO-Land angreifen, dann hört alles auf“, sagte Frederiksen. In einem gemeinsamen Statement mit den Staats- und Regierungschefs Frankreichs, Deutschlands, Spaniens, Großbritanniens, Italiens und Polens warnt die dänische Ministerpräsidentin vor einer Annexion. Grönland gehöre den Grönländerinnen und Grönländern, und Entscheidungen seien allein die Angelegenheit Grönlands und Dänemarks, so die Erklärung. Erinnert wird auch daran, dass Dänemark und Grönland wie die USA Mitglieder der NATO sind.
Unser Land steht nicht zum Verkauf!
Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen
Die Insel mit ihren rund 57.000 Einwohnern ist seit 1953 Teil des Königreichs Dänemark. 1979 wurde sie teilautonom, seither gibt es in der Hauptstadt Nuuk ein Parlament und eine eigene Regierung. Weil sich Grönland im Jahr 1985 von der EU lossagte, sind die Einwohner zwar dänische Staatsbürger, nicht aber EU-Bürger. Grönland regiert sich weitgehend selbst, nur in Fragen der Außen- und Verteidigungspolitik hängt es an Dänemark.
In den vergangenen Jahren wurde der Wunsch nach Unabhängigkeit immer stärker, viele Menschen sind empört über die Verbrechen der Dänen während der Kolonialzeit. Das Thema bestimmt Wahlen und Politik, und mittlerweile will eine Mehrheit der Einheimischen die Loslösung von der ehemaligen Kolonialmacht. Doch nicht im Austausch gegen die USA: In einer Umfrage sprachen sich vor kurzem 85 Prozent der Befragten gegen eine amerikanische Übernahme aus.
„Unser Land steht nicht zum Verkauf“, wiederholt Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen immer wieder seinen Standpunkt. Die jüngsten Ansprüche der USA auf die Insel wies er auch in der Nacht auf Montag entschieden zurück. „Das reicht jetzt“, schrieb Nielsen auf Facebook. „Kein weiterer Druck. Keine weiteren Andeutungen. Keine weiteren Annexions-Fantasien.“ Man sei offen für Dialog, allerdings über „die angemessenen Kanäle und unter Achtung des Völkerrechts“.
Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen
Nielsen wehrt sich gegen Trumps Pläne zur Annexion seines Landes: "Es reicht jetzt!"
© AFP/APA/AFP/OSCAR SCOTT CARL
Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen
Nielsen wehrt sich gegen Trumps Pläne zur Annexion seines Landes: "Es reicht jetzt!"
Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen
Nielsen wehrt sich gegen Trumps Pläne zur Annexion seines Landes: "Es reicht jetzt!"
Die Frage ist: Wozu brauchen die USA Grönland überhaupt so dringend?
Für Amerika ist die Insel vor allem aus geostrategischen Gründen interessant. Von hier aus hat man einen guten Überblick über die sogenannte GIUK-Lücke, die Gewässer zwischen Grönland, Island und dem Vereinigten Königreich. Schiffe und U-Boote, die vom Arktischen Ozean in den Atlantik fahren, müssen durch dieses Gebiet. Im Kalten Krieg überwachte die NATO die GIUK-Lücke, um sowjetische U-Boote am Eindringen in den Atlantik zu hindern, heute patrouillieren vor allem europäische NATO-Soldaten auf der für Europa und die USA zentralen Nachschubroute.
Die Regierung in Washington wirft Europa vor, zu wenig in die Aufklärung für die Erkennung von U-Booten in der Region zu investieren. „Wir brauchen Grönland zur Verteidigung“, sagte Trump Ende vergangener Woche in der Air Force One gegenüber Journalisten – und ignoriert dabei ein wichtiges Detail: Laut einem Verteidigungsabkommen zwischen Dänemark und den USA aus dem Jahr 1951 hat Washington jetzt schon weitgehend freie Hand in der Entsendung von Soldaten, Ausrüstung und Waffen nach Grönland.
Während des Kalten Krieges betrieben die USA auf Grönland mehr als ein Dutzend Militärstützpunkte, übrig ist heute nur noch einer. Die Militärbasis Pituffik Space Base rund 1500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Nuuk unterstützt Raketenabwehrsysteme und Weltraumüberwachungsmissionen. Das Abkommen aus dem Kalten Krieg erlaubt es den USA, weitere Militärstützpunkte auf der ganzen Insel zu errichten sowie „Landungen, Starts, Ankerplätze, Liegeplätze, Bewegungen und den Betrieb von Schiffen, Flugzeugen und Wasserfahrzeugen zu kontrollieren“.
Ginge es Trump wirklich um eine Stärkung der Sicherheit auf Grönland und in den umliegenden Gewässern, hätte er das längst tun können. Stattdessen droht er mit Gewalt. Er will Grönland nicht bloß militärisch nutzen, denn das könnte er längst, sondern das Territorium der USA vergrößern und das vermeintlich wehrlose Europa demütigen.
„Wir müssen uns für eine direkte Konfrontation mit Trump wappnen“, sagte ein EU-Beamter vergangene Woche zum Magazin „politico“. „Er ist in einer aggressiven Stimmung, und wir müssen bereit sein.“ Die Frage ist nur: Wie?
So groß die Empörung in Europa angesichts der Drohgebärden aus Washington sind, so verschwindend sind die Optionen gegen den Imperialisten im Weißen Haus. Sollte Trump tatsächlich Truppen schicken, um Grönland einzunehmen, hätte Europa ihnen wenig entgegenzusetzen. Dänemark hat ein paar Hundert Soldaten auf der Insel stationiert und plant, seine Stellungen weiter auszubauen, doch das dauert. Und den Vorschlag des französischen Präsidenten Emmanuel Macron vom vergangenen Jahr, europäische Truppen zur Abschreckung nach Grönland zu schicken, will offenbar niemand umsetzen.
Die Frage ist auch, was diese ausrichten könnten. Dass sie gegebenenfalls auf US-Soldaten schießen, ist ausgeschlossen.
US-Spione auf Stimmungsmission
Eine feindliche Übernahme Grönlands wäre wohl das Ende der NATO – und der Beginn eines neuen Zeitalters, in dem Europa damit rechnen muss, sich auch gegen die USA zur Wehr zu setzen. Weil sich in Trumps Welt der Stärkere nimmt, was die Schwächeren nicht verteidigen können.
Für Europas Sicherheit wäre ein Sieg Russlands in der Ukraine noch gefährlicher als eine Übernahme Grönlands durch die USA.
Stefan Lehne
Experte für Europapolitik
„Europa wäre wohl gezwungen, über ein neues Militärbündnis ohne die USA nachzudenken“, sagt der Experte für Europapolitik Stefan Lehne. Denkbar sei eine Koalition der Willigen unter Beteiligung Großbritanniens und möglicherweise auch Ländern wie Kanada. „Das geht nicht über Nacht, wäre aber ein notwendiger Schritt.“
In Europas Hauptstädten geht die Angst um, dass Trump die US-Unterstützung für die Ukraine im Streit um Grönland als Faustpfand einsetzen könnte. Erpressbar sind Kyiv und seine europäischen Verbündeten durchaus: Ohne die militärische und nachrichtendienstliche Unterstützung der USA kann die Ukraine den Kampf gegen Russland kaum aufrechterhalten. „Für Europas Sicherheit wäre ein Sieg Russlands in der Ukraine noch gefährlicher als eine Übernahme Grönlands durch die USA“, sagt Lehne. Sollte Trump Grönland den USA wirklich einverleiben wollen, sei eine längerfristige Strategie vernünftiger.
Militärische Gewalt ist dafür nicht zwingend nötig, Washington nimmt bereits auf andere Weise Einfluss auf die Gesellschaft Grönlands. Kurz vor Weihnachten ernannte Trump mit dem Gouverneur von Louisiana Jeff Landry einen Sonderbeauftragten für die Insel, und US-Nachrichtendienste erhielten schon im Frühling den Auftrag, verstärkt auf Grönland zu spionieren. Gesammelt werden vor allem Informationen über die Unabhängigkeitsbewegung.
Mit ihr befassen sich auch US-Bürger, die Trump nahestehen sollen und immer wieder nach Grönland reisen. Laut dem dänischen Rundfunk erstellen sie Listen von Personen, die für eine Sezessionsbewegung rekrutiert werden könnten, und suchen Kontakt zu einflussreichen Geschäftsleuten und Politikern. Das Ziel: die Verbindung Grönlands zu Dänemark zu schwächen und die Insel an Washington heranzuführen. Dänische Medien sprechen von „hybrider Kriegsführung“, Spaltung und Desinformation – nichts, was man von einem Verbündeten erwarten würde.
Von einem Feind schon eher.
Die Strategie erinnert an das Drehbuch Putins – und Europa ist alarmiert. „Trump tut, was Putin vorgemacht hat“, sagt dazu Oberst Markus Reisner vom Österreichischen Bundesheer. „Mit dem Unterschied, dass Amerika, wie es eben in Venezuela bewies, die militärischen Fähigkeiten hat, seine Pläne auch wirklich umzusetzen.“
Wegen der geheimen Stimmungskampagne hat die dänische Regierung US-Diplomaten im vergangenen Jahr bereits drei Mal ins Außenministerium zitiert. Gleichzeitig versucht Washington, Dänemark zu umgehen und direkte Deals mit der grönländischen Regierung abzuschließen. Geplant ist etwa ein Assoziierungsabkommen, wie es die USA mit kleinen Staaten im Pazifik haben.
Womöglich geht es Trump also auch in Grönland vor allem um lukrative Deals. Die Insel ist reich an Bodenschätzen, darunter Seltene Erden, die man etwa zur Produktion von Smartphones und Elektroautos braucht. Die USA streben die Unabhängigkeit von China an, das den Markt für Seltene Erden kontrolliert. Hinzu kommen Gold, Diamanten, Uran, Zink sowie Öl und Gas. Durch Klimawandel und Eisschmelze werden nicht nur neue Handelsrouten frei, sondern auch der Zugang zu Bodenschätzen. Das ist auch der EU nicht entgangen: Seit zwei Jahren hat die Europäische Kommission ein Büro in der Hauptstadt Nuuk, unterzeichnet wurden zwei Kooperationsabkommen über insgesamt 94 Millionen Euro, um Grönland als strategischen Rohstofflieferanten zu gewinnen. Geplant ist auch eine Verdoppelung der EU-Förderungen für die Insel auf 530 Millionen Euro für sieben Jahre ab 2028.
Heute ist Grönland abhängig von den Subventionen aus Dänemark (mehr als 500 Millionen Euro jährlich) und von Fischerei-Exporten. Einkünfte aus Bergbaulizenzen würden der Insel gelegen kommen – und neue Perspektiven für eine Unabhängigkeit von Dänemark eröffnen.
Das weiß Trump zu nutzen. Mit einer Mischung aus Lockangeboten an Grönland und martialischer Rhetorik Richtung Dänemark soll die weltgrößte Insel vom Königreich losgelöst und Kopenhagen an den Verhandlungstisch gezwungen werden.
„Zivilisatorische Auslöschung“ oder: Was verbindet Europa und die USA noch?
Seinem Freund das bevorstehende Ende vorherzusagen oder, im Wortlaut der US-Sicherheitsstrategie, die „zivilisatorische Auslöschung“, ist ein untrügliches Zeichen für das Finale einer Beziehung. Trump mag Europa nicht, er versteht es nicht, und er sieht keinen Vorteil darin, mit den Europäern verbündet zu sein, wenn das bedeutet, dass er seine Machtansprüche einschränken muss.
Der US-Präsident hat das transatlantische Bündnis geerbt, aber er will das Erbe nicht antreten. Die ultranationalistische Denkweise eines Wladimir Putin oder Xi Jinping ist Trump näher als die „globalistische“ Philosophie der Europäer. Trump missbilligt all die internationalen Regelwerke und Institutionen, die von Europa forciert werden. Vergangene Woche traten die USA aus 66 internationalen Organisationen aus, nachdem sie bereits zuvor die Weltklimakonferenz und die Weltgesundheitsorganisation verlassen hatten. Europa will Freihandel, Trump liebt Zölle; Europa sucht Konsens, Trump bevorzugt Konfrontation. Die Divergenzen nehmen kein Ende.
Wie soll man diese Beziehung nennen? Der ehemalige deutsche Vizekanzler Sigmar Gabriel versuchte es mit dem Begriff „Frenemies“, eine Wortschöpfung aus „friends“ und „enemies“. Doch eine Umfrage des französischen Instituts „Le Grand Continent“ in neun europäischen Ländern ergab, dass bereits 48 Prozent der Bevölkerung Donald Trump als „Feind Europas“ betrachten. Und das war noch vor Trumps Ankündigung, sich Grönland unter den Nagel reißen zu wollen.
Raphael Bossniak
ist seit Juli 2025 im Außenpolitik-Ressort. Davor freier Journalist für APA, Kurier und die deutsche Nahostfachzeitschrift zenith. Schwerpunkt Nahost / Kaukasus / Osteuropa.
Siobhán Geets
ist seit 2020 im Außenpolitik-Ressort und seit 2025 stellvertretende Ressortleiterin. Schwerpunkt: Europa und USA.
Robert Treichler
Ressortleitung Ausland, stellvertretender Chefredakteur.