© Fotocollage profil: Mandel NGAN / AFP; Handout / Palm Beach County Sheriff's Department / AFP
Epstein-Files: Verbindungen führen bis zur Familie Habsburg
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Über drei Millionen Seiten an privaten Nachrichten, Bildern und Videos des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlichte das US-Justizministerium am Freitag. Aus den neuesten Akten geht hervor: Epsteins Kontakte reichten wohl bis zur ehemaligen Adelsfamilie Habsburg. Kunstsammlerin Francesca Thyssen-Bornemisza – vormals Francesca Habsburg – soll Epsteins-Komplizin Ghislaine Maxwell gekannt haben und wickelte wohl mit Epstein Finanzdeals ab.
Francesca Thyssen-Bornemisza ist Chefin der von ihr gegründeten Privatstiftung „Thyssen-Bornemisza Art Contemporary“ (TBA21).
Schlüsselfigur der Verbindung Epsteins zu Thyssen-Bornemisza war der Unternehmer Adam Bly. Der Kanadier, laut Selbstaussage in späteren Emails ein „Freund“ Thyssen-Bornemiszas, suchte 2009 Investoren für sein Software-Startup Seed Media Group. Thyssen-Bornemisza soll damals bereits Hauptinvestorin gewesen sein.
Epstein hatte sich bereits 2008 schuldig bekannt, eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet zu haben. Der gut vernetzte Finanzier wurde zu 18 Monaten Haft verurteilt.
Bly versucht Epstein einige Monate, nachdem dieser aus der Haft entlassen wurde, ein Investment in die Seed Media Group schmackhaft zu machen.
„Investier 250.000 Dollar in Innovium (du bist gleich auf wie Francesca von Habsburg)“, schreibt Bly Anfang 2011. Die kanadische Kapitalgesellschaft Innovium war die Holding-Gesellschaft der Seed Media Group. Epstein lehnt zuerst ab: „Warum sollte ich das machen?“ „Weil es dir und Francesca die effektive Kontrolle über mehr als 50 % der Seed (Media Group, Anm.) verschafft“, antwortet Bly.
Eine andere undatierte Datei aus den „Epstein-files“ zeigt ein „Habsburg“-Investment in der Höhe von eineinhalb Millionen US-Dollar. Unklar ist, an welche Firma es genau ging.
Ein „Business Update“ aus dem Jahr 2011 der Seed Media Group in Form einer Power-Point-Präsentation, ebenfalls enthalten in den „Epstein-Files“, schlüsselt ein „Habsburg“-Investment in der Höhe einer halben Million über Innovium auf.
Fungierte womöglich als Kontaktperson Epsteins zu Thyssen-Bornemisza: Unternehmer Adam Bly
In einer Mail aus April 2013 mit dem Betreff „Francesca von Habsburg“ schreibt Bly dann: „Wir haben gerade gesprochen ... sie würde sich sehr wahrscheinlich auf diesen Deal mit dir einlassen. Sie hat einen Sitz im Vorstand.“
Sie kennt Ghislaine, nur damit du es weißt.
Adam Bly
Unternehmer
„Sie kennt Ghislaine, nur damit du es weißt“, heißt es weiter. Gemeint ist damit wohl Ghislaine Maxwell, eine Vertraute Epsteins und Komplizin in dessen pädokriminellen Netzwerk.
Es ist unklar, ob sich Thyssen-Bornemisza, die in Wien und London lebt, jemals mit Epstein traf. Die Epstein-Akten lassen nicht auf ein Fehlverhalten ihrerseits schließen. Anfragen von profil blieben unbeantwortet.
Zumindest Teile der Seed Media Group wurden 2015 an den Musikgiganten Spotify verkauft. Adam Bly arbeitete darauf einige Zeit in einer leitenden Funktion bei Spotifys Forschungsabteilung. Innovium tätigt heute keine Geschäfte mehr.
Aus den Akten wird nicht klar, ob Epstein schlussendlich in die Seed Media Group oder Innovium investierte. Die Akten, die lange Mail-Verläufe Epsteins mit potenziellen Mitinvestoren und teils Streitereien untereinander (Epsteins Buchhalter Richard Kahn warf Bly vor, „kindische Spiele“ zu spielen und Telefonanrufe zu ignorieren) enthalten, legen jedoch nahe, dass der US-Amerikaner eine Beteiligung zumindest fest geplant hatte.
Raphael Bossniak
ist seit Juli 2025 im Außenpolitik-Ressort. Davor freier Journalist für APA, Kurier und die deutsche Nahostfachzeitschrift zenith. Schwerpunkt Nahost / Kaukasus / Osteuropa.