Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina Christian Schmidt vor einer Wand mit der Aufschrift OHR.
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Hoher Bosnien-Repräsentant Schmidt: „Ich schmeiße nicht hin“

Musste der Hohe Repräsentant für Bosnien Christian Schmidt auf US-Druck zurücktreten? Im Interview spricht er über die Gerüchte.

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Christian Schmidt ist vor zwei Stunden von New York nach Sarajevo zurückgekommen. Er hat noch einen Jetlag, sagt er. Jetzt sitzt er im fünften Stock seines Büros und spricht über eine Stunde mit profil. Es ist Mittwochnachmittag, der 13. Mai. Wenige Tage zuvor hat Schmidt angekündigt, sein Amt niederzulegen. Wohl nicht ganz freiwillig.

Warum sind Sie zurückgetreten?

Christian Schmidt

Es ist eine persönliche Entscheidung unter den gegebenen Umständen. Ich bin eigentlich unbefristet berufen, aber ich habe nun einen passenden Zeitpunkt gesehen. Zum einen, um zu vermeiden, dass es in der Diskussion mehr um meine Person geht als um das Amt. Ich halte das Amt immer noch für notwendig. Und zum anderen, weil bestimmte Dynamiken im Spiel waren.

Es war also nicht ihre persönliche Entscheidung, zu gehen?

Schmidt

Es ist eine persönliche Entscheidung in einem schwierigen Umfeld. Ich habe immer gesagt: So lange wie der Valentin Inzko (Hoher Repräsentant von 2009 bis 2021, Anm.) will ich es nicht machen. Ich bin jetzt mit fünf Jahren der Zweitlängstdienendste im Amt. Was ist ein günstiger Zeitpunkt, um aufzuhören? Das weiß man erst später.

Es heißt, die Regierung von US-Präsident Donald Trump habe Sie aus dem Amt gedrängt. Stimmt das?

Schmidt

Ich möchte mich nicht dazu äußern, wer wo wie Druck ausgeübt hat. Ich bleibe dabei: Ich habe meine Entscheidung getroffen, um eine mögliche Eskalation erst gar nicht entstehen zu lassen.

Bosnien und Herzegowina – Ein Staat, drei Präsidenten

Seit dem Friedensvertrag von Dayton von 1995 besteht der Staat Bosnien-Herzegowina aus zwei Entitäten: der überwiegend von Serben bewohnten Republika Srpska (RS) und der bosniakisch-kroatischen Föderation. Die Entitäten verfügen über eigene politische Institutionen. Verbunden sind sie über eine Zentralregierung. Dort ist die Macht zwischen den drei konstituierenden Völkern Serben, Bosniaken und Kroaten nach Quoten aufgeteilt. Das Resultat: An der Spitze des Staates steht nicht nur ein Präsident, sondern drei nach Nationalität gewählte Mitglieder des Präsidiums, die alle acht Monate den Vorsitz wechseln. 

Karte von Bosnien, man sieht die zwei Landeshälften: Die Bosniakisch-Kroatische Föderation und die Republik Srpska.
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Das ist alles sehr vage. Aus gut informierten diplomatischen Kreisen hieß es in den vergangenen Tagen, die USA hätten Druck gemacht. Warum sprechen Sie nicht darüber?

Schmidt

Ich bin kein Ruheständler. Ich bin weiterhin im Amt. Ich möchte nicht ausschließen, dass ich irgendwann einmal über die Details spreche oder ein Buch darüber schreibe. Aber das tut hier eigentlich nichts zur Sache.

Wie könnte der Titel lauten?

Schmidt

Chroniken aus Sarajevo.

Franziska Tschinderle

Franziska Tschinderle

schreibt seit 2021 im Außenpolitik-Ressort. Studium Zeitgeschichte und Journalismus in Wien. Schwerpunkt Südosteuropa / Balkan.