Dario Amodei spricht auf einer Bühne vor orangefarbenem Hintergrund.
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Mythos, Macht & Maschine: Wollen die USA „Claude“ der Welt vorenthalten?

Die US-Regierung stoppte Anthropics KI-Modell „Claude Mythos“ aus Sicherheitsbedenken. Der Fall zeigt, wie schnell Washington bestimmen kann, wer Zugang zu dieser Technologie erhält – und wer nicht.

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Dario Amodei, Gründer und Chef des 965 Milliarden Dollar schweren KI-Unternehmens Anthropic, vergleicht sich mit einem Hobbit, einem kleinen, menschenähnlichen Wesen aus Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Als Hobbit sei er schneller als Baumbart, jenes uralte Baumwesen, das langsam durch die Wälder stapft. In Amodeis Analogie steht der Zauberbaum für die trägen politischen Institutionen. Die Hobbits stehen für KI-Unternehmen wie seines, Anthropic, das mit der rasanten Entwicklung des KI-Programms „Claude“ den staatlichen Regularien weit voraus ist.

Dario Amodei
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„Claude Mythos“ ist die neueste und leistungsstärkste KI-Software aus dem Hause Anthropic. Über Texteingaben erkennt das KI-Sprachmodell, welche Aufgabe ihm gestellt wird, und führt sie anschließend aus: etwa Textgenerierung, Datenanalyse oder Programmieraufgaben. Seit März hat sich Anthropic vor allem in der Softwareentwicklung einen beachtlichen Ruf erarbeitet. Claude kann erstaunlich gute Ergebnisse in der Entwicklung von Computerprogrammen liefern. Menschen ohne Programmierkenntnisse können damit Websites oder Apps erstellen, ohne Programmiersprachen zu beherrschen – Alltagssprache genügt.

Allerdings ist gerade in der Cybersicherheit die Grenze zwischen Nutzen und Risiko schmal. Ein KI-Modell, dessen Stärke darin liegt, Schwachstellen in Software entdecken zu können, kann Verteidigern helfen, kritische Sicherheitslücken schneller zu schließen. In den falschen Händen kann dieselbe Fähigkeit Angreifern dienen.

Der Zugang zu sämtlicher US-Technologie könnte plötzlich und ohne Vorwarnung abgeschaltet werden

Adrian Cox

Research-Institut der Deutschen Bank

Viele Monate galt Claude Mythos unter KI-Enthusiasten daher als zu „mächtig“, um öffentlich ausgerollt zu werden, weswegen Anthropic selbst sein KI-Modell unter Verschluss hielt. Im Juni rief das Unternehmen selbst dazu auf, seine eigene Technologie stärker unter staatliche Kontrolle zu stellen. „Es ist an der Zeit, über Transparenz hinauszugehen und KI strenger und verbindlicher zu regulieren“, schrieb Amodei in einem Essay. Die Realität sollte den selbst ernannten Altruisten schneller einholen, als ihm lieb war: Das US-Handelsministerium ordnete an, den Zugang zu Anthropics KI-Modell für Ausländer zu unterlassen und nur mehr US-Bürgern zu gewähren. Die Begründung: Sicherheitsbedenken.

Kevin Yang

Kevin Yang

seit 2024 Redakteur und Faktenchecker bei profil Digital. Schwerpunkte: Arbeitsmarkt, Wirtschaftsrecht und Wohnbau. Davor bei „Wiener Zeitung“ und ORF.