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Proteste in Albanien: So reagiert Regierungschef Edi Rama

Donald Trumps Schwiegersohn will ein Luxusressort in Albanien bauen. Dagegen formiert sich Protest. Regierungschef Edi Rama verteidigt die Investoren – und teilt gegen die Presse aus.

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Eine Sprecherin zupft noch schnell die Flaggen zurecht: Der rote albanische Doppeladler neben dem blau-goldenen Sternenbanner der EU. Dann betritt Albaniens Ministerpräsident Edi Rama das Foyer seines Büros. Mit seinen ikonischen weißen Turnschuhen, die er auch in Brüssel häufig trägt. 

Rama: Mir wurde gesagt, dass ich mich mit einer Gruppe von Journalisten aus Europa treffen soll. Hier bin ich. Hier irgendwo sollte es noch ein weiteres Mikrofon geben, das Sie als Waffe benutzen können, um mich zu töten. Nehmen Sie es bitte, und ich beantworte gerne alle Fragen.

Flankiert von einer EU-Flagge und der Flagge Albaniens gibt Regierungschef Edi Rama eine Pressekonferenz
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Die Pressekonferenz findet am Dienstag, dem 9. Juni, um die Mittagszeit in Tirana statt. Sie wurde im Rahmen einer Pressereise der EU-Kommission organisiert. Rama, der Albanien seit 2013 mit seiner Sozialistischen Partei regiert, will sein Land bis 2030 in die EU führen. 

Der Termin mit Rama ist für eine Stunde angesetzt, wird am Ende aber doppelt so lange dauern. Albaniens Regierungschef hält eine Presskonferenz, wie man sie nicht alle Tage erlebt. Er monologisiert, er schimpft, er streitet sich vor laufenden Kameras mit den Pressevertretern. Clips davon machen später in den albanischen Medien die Runde. Nach der Pressekonferenz sind einige der ausländische Gäste amüsiert, andere irritiert. Am Ende füllt das Interview-Transkript elf Seiten. profil veröffentlicht gekürzte Teile daraus im Wortlaut. Auf der albanischen Regierungsseite ist ein englischsprachiges Transkript des gesamten Gesprächs hochgeladen. 

Rama: Ihr kommt nicht direkt aus Facebook heraus! Ihr kommt aus Ländern, in denen man noch an den Journalismus glaubt. Wo man – so hoffe ich – noch an die Wahrheit glaubt. Und an Fakten. Wie soll man diesem Ozean an Lügen Herr werden, der größer und größer wird? 

Rama steht unter Druck. Seit knapp zwei Wochen gehen in Tirana, der Hauptstadt Albaniens Tausende auf die Straße. Sie rufen „Rama, gib auf!“, „Revolution“ und „Neues Albanien“. Auch gegen Ramas Rivalen, den Anführer der größten Oppositionspartei "PD", Sali Berisha, sind Sprechchöre zu hören. Das unterscheidet diesen Protest von bisherigen Demonstrationen, die parteipolitisch stark vereinnahmt waren. 

Franziska Tschinderle

Franziska Tschinderle

schreibt seit 2021 im Außenpolitik-Ressort. Studium Zeitgeschichte und Journalismus in Wien. Schwerpunkt Südosteuropa / Balkan.