Putins Frauen

Putins heimliche Geliebte und politisch einflussreiche Töchter

Das Familienleben von Wladimir Putin gleicht einer Netflix-Serie. Jetzt wird das Private politisch: Eine Reihe von Frauen aus dem inneren Kreis des Präsidenten sind von Sanktionen betroffen.

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„Ich spreche mit niemandem über meine Familie“, stellte Putin bei einer Pressekonferenz im Jahr 2015 klar. Die Familie des Präsidenten ist in Russland ein Tabu. Medien, die in der Vergangenheit über hartnäckige Gerüchte berichteten, wurden geschlossen. Sogar seine erwachsenen Töchter versuchte Putin, so gut es geht, von der Öffentlichkeit abzuschirmen. Wenn es um die Familie geht, dann ist Putin ganz der KGB-Agent, der er zur Zeit der Sowjetunion war: Je mehr Geheimhaltung, desto sicherer. Ein Pressesprecher des Kreml pflegte zu sagen: „Putin ist mit Russland verheiratet.“

Doch das propagandistische Bild des bescheidenen Familienvaters ist längst entlarvt. Ein weltweiter Verbund an Investigativjournalisten, darunter profil, hat aufgedeckt, wie die russische Elite über Briefkastenkonstruktionen ihre Vermögenswerte im Westen parkt. Putin, der angibt, nur über ein bescheidenes Vermögen zu verfügen, soll in Wahrheit Milliardär sein. Seinen Besitz verwaltet er offenbar mit der Hilfe von Oligarchen, Geliebten und Familienmitgliedern. „Wir glauben, dass ein Teil von Putins Vermögen bei Familienmitgliedern versteckt ist, und deshalb zielen wir auf sie ab“, sagte ein hochrangiger Beamter der US-Regierung Anfang April vor Reportern. „Diese Personen haben sich auf Kosten des russischen Volkes bereichert“, heißt es in einer weiteren Stellungnahme zu den jüngsten Sanktionen. Neben den USA hat auch die britische Regierung gezielt Sanktionen gegen Frauen in Putins innerem Machtzirkel erlassen. Die beiden erwachsenen Töchter, die vor dem Krieg zeitweise in Europa lebten, stehen auch auf einer Sanktionsliste der Europäischen Union. Ein Überblick, gegen wen von wem warum Sanktionen erlassen wurden. 

Die mutmaßliche Geliebte

Swetlana Kriwonogich, 46
Sanktioniert: Nein

Bei der Frau soll es sich um Putins angebliche Langzeitgeliebte handeln. Laut den Pandora Papers, ein Datenleck zu Steueroasen, das 2021 von einem internationalen Recherchenetzwerk veröffentlicht wurde, soll Kriwonogich ein Vermögen von rund 100 Millionen Dollar besitzen, darunter eine Yacht, ein Skizentrum in St. Petersburg sowie ein 3,5-Millionen-Euro-Apartment über dem Hafen von Monaco. Für eine Frau, die aus ärmlichen Verhältnissen stammt und als Putzfrau gearbeitet hat, ist ein derartiger Reichtum schlicht unerklärlich. Mit dem Aufstieg Putins soll sie sich nicht nur selbst bereichert haben, sondern auch als Strohfrau für einen Teil seines Vermögens dienen. Kriwonogich ist zudem Aktionärin der „Rossiya Bank“, die bereits im März auf einer EU-Sanktionsliste landete. Von einem Einreiseverbot in die EU ist die 46-Jährige bisher verschont geblieben.   Eine Sprecherin der EU-Kommission verweist auf die bestehenden Sanktionslisten, führt aber nicht näher aus, warum gewisse Personen noch nicht darauf  zu finden sind. 

Die angebliche Teenie-Tochter

Luiza Rozova, 19
Sanktioniert: Nein 

Die junge Frau, die als Fitness-Influencerin und DJane in Erscheinung trat, hat ihren Instagram-Account zu Beginn des Krieges in der Ukraine gelöscht. Allzu viele Hassnachrichten trudelten dort ein, in denen die junge Frau als Tochter eines Kriegsverbrechers und brutalen Despoten beschimpft wurde. Die 19-Jährige soll die uneheliche Tochter von Putin und Swetlana Kriwonogich sein, ein Gerücht, das der Kreml wiederholt dementiert hat. Auch ihre Mutter hat die Liebesbeziehung nie bestätigt. Luiza Rozova selbst soll im Luxus aufwachsen und zwischen Moskau und Paris hin und her jetten. Im April vergangenen Jahres zeigte sie in St. Petersburg die erste Kollektion ihres Modelabels. Für Politik interessiere sie sich nicht, stellte sie in Interviews klar. 

Die Ex-Frau

Ljudmila Otscheretnaja, 64
Sanktioniert: Ja, u. a. von der britischen Regierung 

Von 1983 bis 2013 war die ehemalige Stewardess und spätere Linguistin mit Putin verheiratet. Aus der Ehe gingen zwei heute erwachsene Töchter hervor. Einen Monat vor ihrem 30. Hochzeitstag gab das Ehepaar bekannt, sich einvernehmlich zu trennen. Als Grund gab Putin an, dass seine Frau nicht weiter in der Öffentlichkeit stehen wolle. Angeblich soll die Ehe aber bereits Jahre zuvor von einer Affäre überschattet worden sein. Die britische Regierung hat Sanktionen gegen Putins Ex-Frau verhängt. Ihr Vermögen ist eingefroren, eine Einreisesperre wurde verhängt. Es gebe gute Gründe, anzunehmen, dass Putins Ex-Frau mit Personen Kontakt habe „die mit einer Destabilisierung der Ukraine oder Bedrohung von deren territorialer Integrität, Souveränität oder Unabhängigkeit in Verbindung“ stehen, hieß es als Begründung. Putins Ex-Frau soll eine Luxuswohnung in Davos besitzen, steht aber weder auf der Sanktionsliste der Schweiz, der USA noch jener der EU. „Zu Listungsvorschlägen und Beratungen des Rates dürfen wir keine Auskünfte erteilen“, heißt es  dazu aus dem Außenministerium in Wien.  

Die heimliche First Lady?

Alina Kabajewa, 39
Sanktioniert: Ja, aber nur von der britischen Regierung

Sie ist mehrmalige Europa- und Weltmeisterin sowie Olympiasiegerin in rhythmischer Sportgymnastik und zählt zu den erfolgreichsten Athletinnen Russlands. Medienberichten zufolge soll die spätere Abgeordnete bereits seit 2008 mit Putin liiert sein und mehrere Kinder mit ihm haben. Die Zwillingsmädchen sollen sieben Jahre alt sein, das Alter der Söhne ist unbekannt. Die Familie lebte zeitweise in der Schweiz. Wo sie sich derzeit aufhält, ist unklar. Bekannt ist: 2014 wurde die Ex-Sportlerin Kabajewa Verwaltungspräsidentin der kremlnahen Medienholding „National Media Group“ (NMG).

Am 9. Mai 2022 hat die britische Regierung Sanktionen gegen die 39-Jährige verhängt, ebenso gegen ihre Großmutter, die über einen kremlnahen Geschäftsmann Immobilien erworben haben soll. Kabajewa steht außerdem im Fokus, weil sie aktiv die russische Propaganda gegen die Ukraine unterstützt hat, nicht zuletzt durch ihren Einfluss auf den staatstreuen TV-Sender „Channel One“. Von Schweizer, EU- sowie US-Sanktionen ist Kabajewa bisher verschont geblieben. Jetzt könnte Brüssel nachziehen. In einem EU-Dokument, das die Nachrichtenagentur AFP Anfang Mai einsehen konnte, findet sich ihr Name neben jenen weiterer Russinnen und Russen, deren Vermögen in der EU eingefroren werden und die mit EU-Einreiseverboten belegt werden sollen. Brüssel wirft Kabajewa vor, in ihrer Funktion als Vorstandsvorsitzende der  Medienholding NMG die „Propaganda“ des Kremls zum Krieg in der Ukraine weiterzuverbreiten.

Die älteste Tochter

Maria Woronzowa, 36
Sanktioniert: Ja, u. a. von EU, UK und USA

Wie viele Kinder Putin wirklich hat, ist unklar. Bekannt sind die beiden Töchter aus seiner fast 30 Jahre langen Ehe. Beide haben heute hohe Funktionen in staatsnahen Unternehmen inne. Die Älteste, eine Fachärztin für Kinderendokrinologie, ist zu 20 Prozent Miteigentümerin einer medizinischen Forschungsgesellschaft namens „Nomenko“. Der Kreml fördert ihre Programme zur Genforschung mit Milliarden. Seit dem 8. April steht Maria Woronzowa auf einer Sanktionsliste der EU. Sie profitiere nicht nur von der russischen Regierung, so die Erklärung, sondern ihre Forschung stelle auch eine wichtige Einnahmequelle für den Kreml dar. Bis 2014 lebte Woronzowa in Holland. Ihr Ehemann, ein niederländischer Banker, hatte eine führende Position bei der Gazprombank. Gemäß Medienberichten lebt das Paar in Moskau.  

Die zweite Tochter

Katerina Tichonowa, 35
Sanktioniert: Ja, u. a. von EU, UK, USA und der Schweiz

Die zweite Tochter Putins kam zur Zeit des Kalten Krieges in Dresden zur Welt, wo Putin als KGB-Agent stationiert war. Sie hat Mathematik und Physik studiert und als Rock’n’Roll-Akrobatiktänzerin an internationalen Wettbewerben teilgenommen. Heute leitet Katerina Tichonowa ein Institut für künstliche Intelligenz (KI) an der Moskauer Staatsuniversität, das mit dem russischen Verteidigungsministerium kooperiert. Zu den weiteren Kunden zählen Rosatom, die Föderale Agentur für Atomenergie Russlands sowie der Ölkonzern Rosneft. Bis 2018 war sie mit einem Miteigentümer der Bank „Rossiya“ verheiratet. Vergangene Woche veröffentlichten die Enthüllungsplattform „IStories“ und das deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, dass Tichonowa im Anschluss eine Beziehung mit Igor Zelensky hatte, dem ehemaligen Chef des Bayerischen Staatsballetts. In Begleitung von Bodyguards und Geheimdienstmitarbeitern soll die Putin-Tochter regelmäßig nach München gependelt sein. Zelensky ist mittlerweile zurückgetreten. Künftig soll er das im Bau befindliche Musiktheater auf der von Russland annektierten Krim leiten. 

Franziska Tschinderle

Franziska Tschinderle

schreibt seit 2021 im Außenpolitik-Ressort. Studium Zeitgeschichte und Journalismus in Wien. Schwerpunkt Südosteuropa / Balkan.