Ein Gedenkjahr bedeutet Hochsaison für die United States Mint, die Bundesbehörde, die für die Prägung der Geldmünzen zuständig ist. Ein-Dollar-, Halb-Dollar-Münzen und nicht weniger als fünf sogenannte Quarters, also Vierteldollarmünzen, werden mit Motiven versehen, die an die frühe Geschichte der USA erinnern: vom Mayflower-Vertrag, dem ersten Regierungsdokument der Kolonie Plymouth (der ersten europäischen Kolonie auf dem Boden der heutigen USA), über ein Motiv aus dem Unabhängigkeitskrieg bis zu einer Abbildung der Verfassung.
Dabei handelt es sich um Münzen, die in großer Zahl in Umlauf kommen und in den Taschen aller Amerikanerinnen und Amerikaner klimpern werden.
Dazu kommen noch Gedenkmünzen zum Sammeln, und da wird es nicht gerade überraschend auch eine Trump-Version geben. Aus 24-karätigem Gold, mit einem Rohwert von etwa 90.000 Dollar (78.000 Euro) und in einer Stückzahl von 47, denn Trump ist aktuell der 47. Präsident der USA.
Unglücklicherweise wird das Sammlerstück nicht bis zum 4. Juli 2026, dem großen Tag der Feierlichkeiten, fertig sein, sondern wahrscheinlich erst irgendwann vor Jahresende. Auch die Frage, weshalb der amtierende Präsident überhaupt eine Münze zieren soll, wurde gestellt. Die Regierung verwies auf einen Präzedenzfall zum Zeitpunkt des 150. Jahrestages, als eine Münze mit dem Porträt des damaligen Präsidenten Calvin Coolidge geprägt wurde. Idee: eine Millionenidee.
Ausführung: 90.000 Dollar. Verbindung zum 250. Jahrestag: geringer als ein Vierteldollar mit der US-Verfassung darauf.
Der Lincoln Memorial Reflecting Pool ist ein rechteckiges, seichtes Wasserbecken auf dem Gelände der National Mall in der US-Hauptstadt Washington D.C. zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument. 619 mal 51 Meter misst die spiegelnde Wasserfläche des 1923 fertiggestellten Pools. Bloß machen ihm Algen zu schaffen, außerdem wird er immer wieder undicht.
Donald Trump beschloss, den Pool für die 250-Jahr-Feiern reparieren und neu streichen zu lassen, und zwar in einem Dunkelblau. So weit, so unspektakulär. Allerdings verzichtete Trump darauf, den Auftrag ausschreiben zu lassen, denn, so die Begründung, es sei Eile geboten.
Mittlerweile ist das Projekt abgeschlossen, es kostete 14,2 Millionen Dollar (12,2 Millionen Euro) anstelle der von Trump anfangs genannten 1,8 Millionen Dollar (1,5 Millionen Euro). Immerhin ist das Wasser eingelassen und der Pool bisher dicht.
Idee: ein wenig seicht, aber elegant. Ausführung: sonderbarerweise gänzlich ohne Bezug zu Trump. Verbindung zum 250. Jahrestag: termingerecht.
Im Juli 2016, zehn Jahre vor dem 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung, beschloss der Kongress ohne Gegenstimme die Gründung einer Kommission, um die Feierlichkeiten zu planen. Sie sollte überparteilich sein. Zwei ehemalige Präsidenten, der Republikaner George W. Bush und der Demokrat Barack Obama, und die First Ladies Laura Bush und Michelle Obama übernahmen den Ehrenvorsitz der Organisation „America 250“. Eine der Ideen war, neben großen Events auch überall in den USA kleine, gemeinschaftliche „Block Partys“ zu veranstalten, um die ganze Nation in die Feierlichkeiten einzubeziehen.
Dann kam 2025 Donald Trump an die Macht – und beschloss, das Prinzip der Überparteilichkeit in Richtung Parteilichkeit weiterzuentwickeln. Der US-Präsident gründete per Verordnung eine Organisation mit dem Namen „Freedom 250“. Diese machte sich daran, sich erstens Festlichkeiten auszudenken, die dem Präsidenten Spaß machen, wie etwa UFC-Kämpfe oder Autorennen, und zweitens Geld einzusammeln.
Wer eine Million Dollar spendet, darf an einem „privaten Freedom-250-Danke-Empfang“ inklusive Foto-Gelegenheit mit Trump teilnehmen, für zweieinhalb Millionen darf man sogar bei einem Event am 4. Juli das Wort ergreifen. Über die Aktivitäten der „America 250“-Organisation schweigt das Weiße Haus.
Idee: jenseits der Überparteilichkeit. Ausführung: einseitig. Verbindung zum 250. Jahrestag: lautstark.
Eigentlich war vorgesehen, dass im Rahmen der „Great American State Fair“, eine Art Volksfest, auch eine Serie von Konzerten stattfinden soll. Die Organisatoren von „Freedom 250“ verpflichteten mehrere Acts für Auftritte bei den Jubelfeiern der Nation. Doch es kam anders.
Young MC, einem der angekündigten Musiker, dämmerte es bald, dass er nicht zur höheren Ehre der USA singen sollte, sondern bei einer Veranstaltung, die einem PR-Event für Donald Trump recht nahe kommen würde. Er sagte ab und tröstete seine Fans in Washington DC mit dem Hinweis, er freue sich, in Zukunft in ihrer Stadt bei einem Event zu performen, das „politisch nicht so aufgeladen“ sei.
Auch die Country-Sängerin Martina McBride zog ihre Zusage wieder zurück. Man hatte ihr eine „überparteiliche Veranstaltung“ in Aussicht gestellt, doch das sei „irreführend“ gewesen. Weitere Absagen folgten.
Du spielst für deine Fans. Ich spiele für Putin und im Iran, wenn ihr wollt. Es ist egal.
Vanilla Ice
Rapper
Am Ende blieben bloß eine Hälfte des Duos Milli Vanilli und der Rap-Sänger Vanilla Ice übrig. Letzterer argumentierte recht schlüssig, weshalb er kein Problem habe, wo auch immer aufzutreten: „Du spielst für deine Fans. Ich spiele für Putin und im Iran, wenn ihr wollt. Es ist egal.“
Insgesamt jedenfalls entstand der Eindruck, die Veranstaltung sei zu einer Schrumpfparty verkommen, ähnlich einem Kindergeburtstag, bei dem der Clown nicht kommt.
Doch dann hatte Donald Trump eine rettende Idee. Erst machte er alle Künstler, die seine Organisation zuvor eingeladen hatte und die wieder abgesagt hatten, ordentlich runter: „Drittklassig“ seien sie, „überbezahlte Sänger, die niemand hören will, deren Musik langweilig ist und die nichts anderes tun, als sich zu beschweren“, schrieb der US-Präsident auf seinem Account bei „Truth Social“. Wo er auch gleich die Lösung präsentierte: „Wir sollten eine riesige MAKE-AMERICA-GREAT-AGAIN-Rallye machen“, eine Veranstaltung also mit demselben Motto wie Trumps Wahlkampfauftritte.
Die „Attraktion Nummer eins“ dabei werde er selbst sein, kündigte der Präsident an, denn er sei „der Mann, der ein viel größeres Publikum anzieht als Elvis in seinen besten Tagen“.
Idee: irgendwo zwischen Drittklassigkeit und deren Ersatz. Ausführung: wie Elvis, falls er 80 geworden wäre. Verbindung zum 250. Jahrestag: mit fortschreitendem Planungsstadium abnehmend.
Dieser Programmpunkt ist schnell erklärt: Wenn ein UFC-Kampf vor dem Weißen Haus als Feier der Unabhängigkeit durchgeht, warum nicht auch ein Autorennen quer durch Washington DC?
Also wird am 22. und 23. August ein Rennen der Indycar-Serie rund um die historischen Gebäude der Hauptstadt stattfinden.
Idee: nicht schnell genug verworfen. Ausführung: Vollgas. Verbindung zum 250. Jahrestag: sehr klein im Rückspiegel zu erkennen.
Eine Gedenkmünze ist ehrenvoll, doch um dem 250-Jahr-Jubiläum gerecht zu werden, braucht es auch einen entsprechend designten Geldschein. Im März dieses Jahres kündigte Finanzminister Scott Bessent an, dass eine Dollarnote mit der Unterschrift von Donald Trump in Vorbereitung sei.
Donald Trump ist unleugbar der Architekt eines amerikanischen, goldenen Zeitalters des wirtschaftlichen Aufschwungs
Scott Bessent
US-Finanzminister
Da es nie zuvor in der Geschichte der Dollarnoten eine Signatur eines amtierenden Präsidenten auf einer Dollar-Banknote gegeben hatte, lieferte Bessent auch gleich eine Begründung mit: Trump sei „unleugbar der Architekt eines amerikanischen, goldenen Zeitalters des wirtschaftlichen Aufschwungs“, und seine Signatur auf der amerikanischen Währung sei somit „nicht nur angemessen, sondern auch wohlverdient“.
Mittlerweile liegt im Kongress auch ein Gesetzesantrag mit dem Titel „Donald J. Trump $250 Bill Act“, der die Grundlage für eine 250-Dollar-Note mit dem Porträt von Trump schaffen würde. Eine 250-Dollar-Note gab es bisher nicht, und eine Dollar-Note mit dem Bild eines amtierenden Präsidenten ebenso wenig. Bis zum 4. Juli wird sich das Vorhaben allerdings kaum ausgehen.
Idee: zweieinhalbmal so toll wie der Benjamin-Franklin-Hunderter. Ausführung: inflationär. Verbindung zum 250. Jahrestag: sparsam.
Als US-Vizepräsident JD Vance (im Bild links) im Mai 2025 Papst Leo XIV. im Vatikan besuchte, überreichte er dem amerikanischen Pontifex eine Einladung, zu der 250-Jahr-Feier nach Washington DC zu kommen.
Wie es aussieht, kommt Leo nicht, jedenfalls nicht physisch. Er wird sich am 4. Juli voraussichtlich auf der italienischen Insel Lampedusa aufhalten, um dort Freiwillige zu ehren, die sich um Flüchtlinge kümmern, und lediglich eine Videobotschaft in die USA schicken.
Idee: göttlich. Ausführung: digital. Verbindung zum 250. Jahrestag: stabil.
Wie kann der Glanz der Unabhängigkeitserklärung der USA, die vor 250 Jahren erst ein Land und schließlich die Welt verändert hat, heute noch mal erstrahlen? Was ist der urhistorische Kern der USA? Am besten wohl dies: Am Sonntag, dem 14. Juni, werden in einem achteckigen Käfig auf dem Rasen vor dem Weißen Haus in Washington D.C. die beiden Mixed-Martial-Arts-Kämpfer Ilia Topuria (Spanien) und Justin Gaethje (USA) maximal 25 Minuten lang aufeinander einprügeln, einander treten und würgen, bis entweder einer der beiden k. o. geht, aufgibt oder die Punkterichter am Ende den Sieger bestimmen.
Das mag auf den ersten Blick nichts mit dem Moment zu tun haben, als am 4. Juli 1776 die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika die Loslösung von der Kolonialmacht Großbritannien beschlossen, und auf den zweiten Blick auch nichts. Aber das Match Topuria gegen Gaethje und noch ein paar weitere Kämpfe tragen den Titel „UFC Freedom Fights 250“, und spätestens die Zahl „250“ sollte jedem zweifelnden Bürger klarmachen, dass die Schlägerei historisches Gewicht hat.
Außerdem feiert am 14. Juni US-Präsident Donald Trump seinen 80. Geburtstag, und er liebt UFC-Kämpfe mindestens so sehr wie die Unabhängigkeitserklärung.
Idee: Hammer! Ausführung: niederschmetternd. Verbindung zum 250. Jahrestag: MMA-Fighter Justin Gaethje und John Adams, einer der Väter der Unabhängigkeitserklärung, sind beide im Sternzeichen Skorpion.