Egisto Ott vor Gericht
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Exklusiv: Warum Egisto Ott der Verfasser des BVT-Konvoluts sein soll

profil liegt der Ermittlungsakt exklusiv vor. Er zeigt, warum die Ermittler Egisto Ott und Martin Weiss für die Urheber des BVT-Konvoluts halten – und welche Rolle die Schwächung des Verfassungsschutzes und russische Interessen gespielt haben könnten.

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„Bitte dringend RR!!!“, „Anna. Wo bist du? Ruf mich an!“, „Ich erreich dich nicht. RR bitte“, „Heb ab! Im BVT hat es eine Razzia gegeben und ich brauch dich. Du musst das recherchieren. JETZT!“.

Es war der 28. Februar 2018, als mein Flieger aus Thailand in Wien-Schwechat landete und diese Nachrichten auf mein Handy pingten. Mein damaliger Presse-Chefredakteur Rainer Nowak suchte mich und hatte offenbar – wieder einmal – nicht mitbekommen, dass ich auf Urlaub war. Egal, denn die Erholung war ohnehin sofort wieder weg. Von diesem Moment an arbeitete ich Tag und Nacht, um herauszufinden: Was war da los?

Herbert Kickl war gerade FPÖ-Innenminister geworden – und hatte als eine seiner ersten großen Taten, mit freundlicher Unterstützung der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), sein wichtigstes Amt überfallen: das Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT).

„Aber warum?“, fragte ich mich die ganze Zeit.

Grundlage war das sogenannte BVT-Konvolut, später kamen die Aussagen von vier Hauptzeugen dazu. Der wichtigste war Martin Weiss – einst mächtiger Abteilungsleiter im BVT, später die rechte Hand des Kreml-Spions und Ex-Wirecard-Bosses Jan Marsalek. Die anderen drei wurden maßgeblich von Kickls Schergen dazu motiviert, etwas auszusagen.

Die ganze Sache stank zum Himmel.

Denn wir Investigativjournalisten kannten das Konvolut, gespickt mit Vorwürfen gegen Beamte des Innenministeriums, vor allem im BVT, bereits seit Monaten. Wir alle hatten sehr viel Zeit in die Recherche gesteckt, um dann enttäuscht festzustellen: Doch keine geile G'schicht. Klingt aufregend, hat auch eine kleine Essenz an Wahrheit, ist im Grunde aber doch ein Blödsinn. Warum also glaubt eine Staatsanwaltschaft so etwas, wenn sogar wir kapiert hatten, dass das ein „Leger“ ist?

Weil es nachrichtendienstlich gut gemacht und orchestriert war – „zufälligerweise“ kurz vor einer Nationalratswahl, die große politische Umbrüche ankündigte. Rot-Schwarz war kaputt, eine türkis-blaue Koalition zeichnete sich ab.

Nachdem etliche Beamte wegen dieser Vorwürfe unschuldig vor Gericht mussten, um schließlich freigesprochen zu werden, trifft es jene beiden Männer, die diesen Staatsstreich mutmaßlich angezettelt haben: Der ehemalige Verfassungsschützer Egisto Ott wurde nicht rechtskräftig wegen des Verdachts der Russlandspionage verurteilt. Sein Freund Martin Weiss, einst mächtiger Abteilungsleiter im BVT, hätte wohl gute Chancen, ähnlich zu enden. Doch er sitzt in Dubai und entzieht sich damit geschickt der Justiz.

Beide sind nun angeklagt, die Verfasser dieses Sudelkonvoluts zu sein. Die Staatsanwaltschaft veröffentlichte dazu diese Woche eine knappe Aussendung. profil hat die Details, wie es dazu kam. Uns liegt der Akt exklusiv vor. Und der hat es in sich.

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.