Gründet Sebastian Kurz Vehikel für Polit-Comeback?
Was hat Sebastian Kurz vor? Das ist in der politmedialen Bubble eine heiß diskutierte Frage – wobei unklar ist, ob Kurz das für sich selbst schon entschieden hat. Einerseits läuft es für ihn als Businessman gut, aber seine wahre Leidenschaft ist die Unternehmerei nicht. „Ich bin ein Political Animal“, sagte er zuletzt in einem Interview.
Und was heißt das jetzt genau: Kommt er zurück? Wenn ja, als was? Will er in Österreich wieder an die Spitze der Politik – seiner ehemaligen Partei? Warum spricht er so viel über Europa? „Er will die neue von der Leyen werden“, mutmaßen manche in der ÖVP. Vielleicht will er aber auch einfach nur im Gespräch bleiben, weil seine Kontakte freilich auch Teil seines Geschäftsmodells sind? Oder hat er von seinen Tech-Boy-Freunden wie Peter Thiel in den USA gelernt, dass Geld Macht ist – und dass man sich nicht unbequem selbst an die Spitze stellen muss, um die Puppen tanzen zu lassen?
Kurz will jedenfalls nicht nur mitreden, sondern den Ton angeben. Das hat er mit seinem „Geheimgipfel“ „MovingMountains“ in Seefeld in Tirol bewiesen. Prinzen, Minister mehrerer Länder, Milliardäre und Millionäre sowie einflussreiche Personen trafen sich im Hotel Sacher zum Austausch (und zum Morgenyoga). profil berichtete exklusiv darüber.
Es galten Chatham-House-Rules. Man bat die Teilnehmer, sich nicht auf Social Media dazu zu äußern. Der griechische Verteidigungsminister (von dem Kurz mir gegenüber behauptet hatte, er sei ja gar nicht da gewesen) hat das offenbar überhört und seinen Ausflug selbst auf seiner Homepage veröffentlicht. Seitdem sorgt der Gipfel für Aufregung – und parlamentarische Anfragen.
Neues Spielzeug
Der Gipfel war aber nicht der Gipfel – sondern erst ein Anfang, denn derartige Events soll es künftig häufiger geben. Kurz hat gemeinsam mit seinem Ex-Kabinettschef Bernhard Bonelli ein Unternehmen, die GSI GmbH (nein, nicht GIS) gegründet – und die hat seit dem Jahreswechsel einen neuen Firmenzweck: „Publizieren von Inhalten in traditionellen und sozialen Medien, Erstellen und Publizieren von wissenschaftlichen Beiträgen, Organisation von Veranstaltungen und Kongressen, Förderung von Talenten, Anbieten kostenpflichtiger Mitgliedschaften“, steht da. GSI? Das heißt „Global Shift Institute“, wird mir erklärt. Aha.
Kurz hat also eine Art Thinktank gegründet, in dem er seine politischen Ambitionen abhandeln kann. Aus dem Umfeld von Kurz hieß es gegenüber profil immer wieder, dass das Matthias-Corvinus-Collegium, Viktor Orbáns staatlich finanzierter Thinktank, hier mitspielen werde. Das Collegium hat eine rechtskonservative Ausrichtung, gilt als Kaderschmiede und versteht sich als Schmelztiegel rechter Publizisten und Patrioten – und fällt regelmäßig mit einer Anti-EU-Linie und Russlandpropaganda auf.
Dass Kurz und vor allem Bonelli enge Kontakte zum Collegium pflegen, ist evident – Kurz war dort bei mehreren Events, zuletzt stellte er dort Tech-Milliardär Peter Thiel vor und postete es auf Social Media. profil liegen Einladungen zu gemeinsamen Events in Wien vor – der Leiter des MCC war freilich auch Teilnehmer des Tiroler Gipfels.
Das MCC ist auch an der Modul-Universität in Wien mit 90 Prozent beteiligt – auch dort saßen Kurz-Leute: Ex-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger war dort Universitätsrätin. Und Paul Olsacher, einst Sprecher der türkisen Partei unter Kurz, war dort bis vor Kurzem „Head of Marketing and Communication“.
Offizieller Start im Herbst
Dann bekam er andere Aufgaben: Er organisierte federführend Kurz’ Gipfel in Tirol – und soll jetzt das „Global Shift Institute“ leiten. Fünf bis sechs Personen sollen dort fix arbeiten – plus Freiwillige. Im Herbst soll das Institut offiziell gelauncht werden – mit Website und allem drum und dran. Was man sich dort ausdenkt und tut, das soll man dann auch transparent sehen und nachlesen können.
Und wer zahlt das jetzt? Kurz will das Institut das erste Jahr selbst finanzieren – und dann? Mal sehen. Kurz hat seit seinem Ausscheiden aus der Politik jedenfalls viele potente Geschäftsmänner kennengelernt, die Interesse an einer Mitgliedschaft in einem derartigen Thinktank haben könnten. Und eine Wahl stünde ein Jahr später dann auch noch an, falls Kurz sich entscheidet, dass er nicht nur im Thinktank über Politik nachdenken – sondern sie doch wieder selbst machen will. So ein Thinktank kann jedenfalls sehr nützlich sein, wenn man Wahlen gewinnen will: Das hat Donald Trump mit seiner Heritage-Foundation vorgezeigt, die seine Wiederwahl und die erste Phase seiner Amtszeit mit dem Project 2025 minutiös vorgeplant hatte. In der Foundation wurde von Milliardären finanziert programmatische und strukturelle Arbeit geleistet - das spätere Personal ausgebildet und das ganz an der traditionellen Parteistruktur vorbei. Davon abgesehen, dass man Finanzströme und Spenden deutlich weniger transparent halten muss als das offizielle Parteien tun müssen.
Oder, wie es ein berühmter Werbeclaim einer Bank zusammenfasst: “Geld macht glücklich, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man’s hat, wenn man’s braucht.”
Wir werden wieder berichten.
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