Sebastian Kurz vor einem Spiegel mit seiner Spiegelung.
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Kurz‘ Geheim-Gipfel: ÖVP-Amtsträger, Morning Yoga und Trachten-Party

Neue Details zu Sebastian Kurz' vertraulichem Networking-Event in den Tiroler Alpen. profil liegen das Programm und die Gästeliste vor – die Liste ist wegen eines ÖVP-Staatssekretärs brisant. Auch die Handynummer des Organisationsteams wirft Fragen auf.

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Sebastian Kurz‘ „Moving Mountains“-Gipfel im Oktober 2025 im Tiroler Seefeld sollte unbedingt geheim bleiben. In dem mehrseitigen Begrüßungsfolder wird gleich zu Beginn auf die „Chatham-House-Rule“ hingewiesen. Das heißt: Die Gesprächsinhalte sind vertraulich, sie dürfen nur ohne Quellenangabe verwendet werden. Keine Namen also. Die „Social Media Policy“ kam einem generellen Posting-Verbot von der viertägigen Veranstaltung gleich. 

Dass das Privatissimum in den Bergen dennoch öffentlich wurde, ist einem profil-Bericht vom Oktober zu verdanken – seither werden immer mehr Details öffentlich. 

Nun liegt profil und anderen Medien der mehr als 70 Seiten starke Begrüßungsfolder vor, der viel über die Inhalte und die Gäste des Top-Secret-Events verrät. Brisant ist das auch für ein Mitglied der österreichischen Dreier-Koalition.

Der Gipfel, das wird im Folder deutlich, war weniger ein Arbeitstreffen, sondern vielmehr eine Netzwerkveranstaltung, die so leger wie möglich gehalten war. Man könnte auch sagen: Ein viertägiges Party- und Genusswochenende in den Bergen – für eine klandestine Gesellschaft. 

Neue Weltordnung und Lederhosen

Die Tage im Luxusresort Sacher in Seefeld begannen um 7 Uhr mit gemeinsamen Morning Yoga, das war laut Programm aber „optional“. Die dreistündigen Diskussionsrunden am Vormittag wurden als „Intellectual Sessions“ bezeichnet. Inhaltlich dürfte es um KI und die Herausforderungen durch die „neue geopolitische Ordnung“ gegangen sein. 

Ansonsten war das Programm wohl ganz bewusst leicht gehalten, die Gäste sollten sich im „casual dress code“ einfinden: viel Freizeit, Wanderungen in den Alpen, eine Party mit Live-DJ im Hotel oder ein traditionelles Dinner, das als „The Taste of Tyrol“ beworben wurde. Für das Abendessen empfahl Kurz seinen Gästen das Tragen von traditioneller Tracht. Im Hotel auf 1200 Meter Seehöhe konnten die internationalen Gäste auch Tracht kaufen („dirndl or lederhosen to fully embrace the alpine spirit“). Die Tracht sollte dann noch ein zweites Mal zum Einsatz kommen: Am Sonntag endete der Gipfel mit einem gemeinsamen Ausflug zum Oktoberfest im eineinhalb Stunden entfernten München.

Ob die beiden Prinzen aus der Königsfamilie von Bahrain und der Chef von Qatar-Tourismus auf dieses Angebot eingestiegen sind, ist nicht überliefert. Ihre Teilnahme am Gipfel wird im Folder aber jedenfalls angekündigt. 

Seine Exzellenz: Die „Privatperson“ Pröll

Pikant ist der Folder für einen ÖVP-Politiker: Alexander Pröll wird dort als „Staatssekretär“ und „Seine Exzellenz“ (im Original: „H.E.“) vorgestellt, also sehr wohl als Amtsträger. Bisher hatte er seine Teilnahme immer so gerechtfertigt, dass er als Privatperson dort gewesen sei. Neben ihm war auch der Salzburger Landesrat und frühere JVP-Obmann Stefan Schnöll am Gipfel. Sowie Alexander Schallenberg, Ex-Außenminister und – nach dem Rücktritt von Sebastian Kurz – auch dessen Nachfolger als Kurzzeit-Kanzler. Wenig überraschend waren auch wieder Kurz‘ engste Verbündete aus seiner Regierungszeit mit von der Partie: Ex-Finanzminister Gernot Blümel, seine Frau Clivia und Ex-Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger. Dazu der Unternehmer und Kurz-Geschäftspartner Alexander Schütz und Ex-OMV-Chef Rainer Seele. Auch zwei Journalisten waren beim Gipfel eingeladen: Claus Strunz, Direktor von Euronews und Paul Ronzheimer von der „Bild“-Zeitung. Zweiterer erklärte, er sei aber nicht dort gewesen.

Unter den Gästen fanden sich auch internationale Politiker und Wirtschaftstreibende: etwa der griechische Verteidigungsminister Miko Dendias, der türkische Finanzminister Mehmet Şimşek, und zahlreiche internationale Investoren: der ehemalige Google-CEO Eric Schmidt oder Bitpanda-Gründer Eric Demuth.

Nummer wirft Fragen auf

Selbst in Deutschland sorgt die Teilnehmerliste inzwischen für Diskussionen. Die deutsche Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU/CSU) – sie ist die Lebensgefährtin von Co-Gastgeber Theodor zu Guttenberg – hatte sich gegenüber dem deutschen Bundestag gerechtfertigt, dass es sich bei der Veranstaltung um ein „privates Treffen“ gehandelt habe und dem Bundestag mit dieser Begründung Auskünfte darüber verweigert. Tatsächlich aber wurde Reiche in der Broschüre offiziell als „Ihre Exzellenz“ und „Bundesministerin für Wirtschaft und Energie“ vorgestellt. Darüber berichtete zuerst der „Spiegel“.

Die Handynummer, die laut Folder dem Organisationsteam gehört, wurde einst von Pressesprechern der Jungen Volkspartei und der ÖVP verwendet. Wer heute diese Nummer hat, ist unklar: Beim Testanruf von profil ging niemand ran. Nachtrag: Auf der Plattform X outete sich nach der Veröffentlichung dieses Artikels Paul Olsacher als Inhaber der Nummer. Der frühere ÖVP-Sprecher arbeitet nunmehr für Sebastian Kurz.

Jakob Winter

Jakob Winter

ist Digitalchef und seit 2025 Mitglied der Chefredaktion bei profil. Gründete und leitet den Faktencheck faktiv.

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.