Eine Frau blickt nach vorne, im Hintergrund halten zwei Personen einen großen österreichischen Reisepass.
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Integrationsmaßnahmen für Geflüchtete: Von Dialektkursen und „Hausordnungen“

Flüchtlinge sollen „Hausordnungen“ befolgen und Mundart sprechen – während die Asylanträge zurückgehen. Braucht es diese Verschärfungen jetzt?

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Wieder stieß eine Forderung auf landesweite Kritik: ÖVP-Integrationsministerin Claudia Bauer präsentierte am 19. März die neue Reform der Deutschkurse für Geflüchtete und ließ dabei vor allem mit einem Punkt aufhorchen: Mundartunterricht für Geflüchtete. 

Dass der stolzen Mühlviertlerin ihr oberösterreichischer Dialekt und ihre Herkunft wichtig sind, beweist sie immer wieder in ihren Social Media-Beiträgen. Beispielsweise in einem Video, in dem sie den Inhalt ihres Kühlschranks präsentiert. Eier aus dem Mühlviertel, Milch und Joghurt aus dem oberösterreichischen Schärding, steirische Tomaten und niederösterreichischer Weißwein. Lediglich die Zitronen stammen in Claudia Bauers Kühlschrank nicht aus Österreich: „Manchmal brauche ich einfach das Vitamin C“, rechtfertigt sie sich. Am Ende des Videos dankt die Ministerin den Bäuerinnen und Bauern: „Ihr seid diejenigen, die tagtäglich dafür sorgen, dass wir die hochwertigsten Lebensmittel nicht nur in unseren Kühlschränken genießen können.“ 

In dem Video spricht Bauer Oberösterreichisch, der Clip war dank der Untertitel allerdings auch ohne Dialektkenntnisse verständlich. 

Dialekt als Integrationsinstrument?

Wenn es nach der Ministerin ginge, bräuchte es diese Untertitel allerdings gar nicht. Ab dem Sprachniveau B1 sollen Geflüchtete in Österreich nämlich auch regionale Dialekte üben, um das Lernen „verbindlicher, alltagstauglicher und wirksamer“ zu gestalten, so Bauer.

Zudem soll strenger kontrolliert und transparent dokumentiert werden, ob und wie Hausaufgaben erledigt werden. Bei mangelnder Mitarbeit drohen Sanktionen, es kann sogar zu einem Kursausschluss kommen. 

In Claudia Bauers Heimatbundesland Oberösterreich wird übrigens bereits seit Anfang 2025 ein Dialektkurs für Zugewanderte angeboten.

Unterschreiben bitte!

Strenger kontrollieren möchte man zudem auch Geflüchtete in Kärnten. Hier präsentierte die Regierungskoalition bestehend aus SPÖ und ÖVP eine „Hausordnung“ für Asylwerber, beziehungsweise Personen in der Grundversorgung. In dieser stehen neben einem Gewaltverbot auch Regeln für ein respektvolles Miteinander. Außerdem müssen sich Flüchtlinge mit einer Unterschrift dazu verpflichten, Deutsch zu lernen und gemeinnützige Arbeit zu leisten. 

Dass es in einem Bundesland eine „Hausordnung“ gibt, ist allerdings nicht sonderlich neu. Vorarlberg machte es vor: Eine Asylwerbervereinbarung inklusive „Kodex“ gibt es hier seit Juni 2024. In Oberösterreich existiert seit November 2025 das „Kleine 1x1 des Zusammenlebens“, eine so genannte oberösterreichische Hausordnung, die 13 Punkte umfasst. Außerdem gibt es seit Anfang des Jahres in ganz Österreich einen verpflichtenden Orientierungskurs sowie eine Integrationserklärung, die von allen Asylwerbern unterschrieben werden muss.

Immer weniger Geflüchtete

Sind diese ganzen Reformen überhaupt notwendig? Im Jänner und Februar 2026 wurden laut Innenministerium so wenig Asylanträge gestellt wie seit zehn Jahren nicht mehr – nämlich 1795. Im Vergleich dazu wurden in denselben Monaten 2025 3397 Anträge gestellt – das stellt einen Rückgang von über 47 Prozent dar. 2026 ist nicht das erste Jahr, in dem weniger Geflüchtete nach Österreich kommen, bereits in den Jahren 2023, 2024 und 2025 nahm die Zahl der Flüchtlinge ab. 

Man geht sogar davon aus, dass durch die (temporäre) Abschaffung des Familiennachzugs weiterhin weniger Migranten ins Land kommen werden. Auch die von einigen erwartete Flüchtlingswelle im Zuge des Iran-Krieges blieb bisher aus. 

Wenn immer weniger Flüchtlinge ins Land kommen, drängt sich die Frage auf, ob es diese strengen und oft rein symbolischen Maßnahmen tatsächlich braucht. Lösen Hausordnungen und Dialektkurse ein bestehendes Problem oder ist das viel eher ein hilfloses Signal in Richtung FPÖ-Wähler?

Natalia Anders

Natalia Anders

ist seit Juni 2023 Teil des Online-Ressorts und für Social Media zuständig.