Frauen mit Kopftuch sitzen im Klassenzimmer
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Polizei gut, Schwarzarbeit schlecht: Was Flüchtlinge in Wertekursen lernen

Wer einen Wertekurs abbricht, soll künftig eine Verwaltungsstrafe zahlen. So will die Regierung gegen „Integrationsverweigerer“ vorgehen. Aber wie geht richtig Österreich? Ein Blick in den Kursalltag.

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Waad hebt die Hand. Er ist 62 und Syrer. Wenn er zu reden beginnt, spricht er Arabisch, und seine Hände sprechen mit ihm. Er zeichnet die Sätze in der Luft und öffnet die Handflächen, als würde er etwas abwägen. Der Dolmetscher setzt unmittelbar danach an und gießt seine Gesten in einen Satz: „Wie soll ich Deutsch lernen, wenn ich nicht weiß, wie ich die Miete für den nächsten Monat bezahlen soll?“ Für einen Moment kommt Unruhe im Kursraum hoch. Die Frage passt nicht so ganz in den Stundenplan, der an diesem Tag vorgesehen ist.

Es ist der erste Tag im Werte- und Orientierungskurs im 23. Bezirk, am südlichen Rand von Wien, dort, wo die Stadt in Gewerbegebiete und Einfamilienhäuser ausfranst. Ein Raum wie aus einer Abendschule: U-förmig aufgestellte Schulstühle, Namenskärtchen, ein Whiteboard. 17 Personen sitzen im Klassenzimmer, zehn Frauen, sieben Männer. Die meisten aus Syrien, zwei aus Palästina. Alle geflüchtet. Alle hier, um zu lernen, wie Österreich funktioniert – oder wie es glaubt, dass es sein sollte. Für anerkannte Flüchtlinge wie Waad ist der Kurs verpflichtend.

Seit 1. Jänner dauert der Kurs fünf Tage, nicht mehr drei. Tag eins ist dem Deutschlernen gewidmet, dem „Fundament der Integration“, wie Kursleiterin Mirjam Schneider sagt. Sie ist Lehrerin beim Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und unterrichtet seit rund drei Jahren Jugendliche und Erwachsene, Frauen und Männer. Alle, die Aussicht auf eine Zukunft in Österreich haben, sollen integriert werden. Zumindest behaupten das die meisten Parteien. Bis auf die FPÖ, die weiter betont, dass Remigration unabdingbar sei – zuletzt am Neujahrstreffen in Klagenfurt. Die ÖVP wiederum veröffentlichte im Dezember ein Instagram-Posting, in dem behauptet wurde, zwei Drittel der Bevölkerung empfänden „das Zusammenleben mit Muslimen“ als „schwierig“. SPÖ, Neos und Grüne kritisierten das Posting, das zeigt, wie politisches Kalkül oft die tatsächliche Integration überschattet. Doch was bedeutet das – Integration? Waad hört zu. Seine Frage hängt in der Luft.

Daniela Breščaković

Daniela Breščaković

ist seit April 2024 Innenpolitik-Redakteurin bei profil. War davor bei der „Kleinen Zeitung“.