Wasserhahn mit Tropfen
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Fast-Wasserstopp in Pöggstall: „Ich habe die Leute wachgerüttelt“

Seit der Bürgermeister mit einem Wasserstopp in der Nacht drohte, sinkt der Wasserverbrauch im Ort rapide. Was hat er daraus gelernt?

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Helmut Hahn ist gelassen und gut gelaunt. Vor einer Woche war das noch ganz anders. Nach zahlreichen Nachrichten in WhatsApp-Kanälen, Flugblättern und persönlichen Gesprächen riss ihm schließlich der Geduldsfaden. Der Bürgermeister der Waldviertler Gemeinde Pöggstall kündigte an: „Wenn der Wasserverbrauch nicht sinkt, müssen wir in der Nacht das Wasser abdrehen.“

Während der Hitzewelle bewässerten viele Pöggstallerinnen und Pöggstaller abends ihre Gärten. Manche entleerten sogar ihre Pools, um sie mit kühlerem Wasser nachzufüllen. Der Wasserverbrauch schoss daraufhin in die Höhe: Statt der üblichen 4,5 Liter pro Sekunde tagsüber und 2,5 Liter in der Nacht wurden plötzlich rund 6,5 Liter pro Sekunde am Tag und 4,5 Liter pro Sekunde in der Nacht verbraucht. Und das inmitten der ersten Hitzewelle des Jahres, die den Wasserreserven auch ohne das tägliche Neu-Befüllen von Pools zusetzte.

„Das wollte ich meiner Gemeinde ersparen“

Die Quelle, die die Wasserbehälter der Gemeinde normalerweise über Nacht auffüllt, kam dem hohen Verbrauch nicht mehr nach. Am Sonntag vor einer Woche stand in den drei großen Hochbehältern nur noch rund zehn Zentimeter Wasser. Wären sie leer geworden, hätte der Notfallplan aktiviert werden müssen. Pöggstall hätte dann Wasser aus Nachbargemeinden zuführen müssen. Dieses gilt zunächst nicht als Trinkwasser und müsste über mehrere Wochen vor dem Verzehr abgekocht werden. „Das wollte ich meiner Gemeinde ersparen“, sagt Bürgermeister Hahn.

Poolwasser in einer Hitzewelle nachzufüllen, wirkt auf den ersten Blick besonders verschwenderisch. Gleichzeitig zeigt ein Vergleich von Greenpeace die Größenordnungen: Drei große österreichische Konzerne entnehmen laut Geschäftsberichten und Unternehmensangaben gemeinsam rund 51 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr – mehr als dreimal so viel wie alle privaten Pools in Österreich zusammen. In einer Gemeinde mit etwas mehr als 2000 Einwohnerinnen und Einwohnern fallen jedoch auch vergleichsweise kleine Verbrauchsspitzen rasch ins Gewicht.

Zur Wasserrationierung kam es dann doch nicht, die Warnung des Bürgermeisters zeigte Wirkung. Mittlerweile sind die Wasserbehälter wieder gefüllt. „Ich habe die Leute wachgerüttelt“, sagt Hahn. Er habe Rückmeldungen aus vielen anderen Gemeinden erhalten, die mit ähnlichen Problemen kämpfen. Sein Fazit: „Wir müssen mit Trinkwasser anders umgehen und akzeptieren, dass wir für manche Zwecke Brauchwasser verwenden.“

Vom Medienecho wurde er dennoch überrascht. Die beschauliche Marktgemeinde Pöggstall mit ihrem Renaissance-Wasserschloss – dessen Wassergraben allerdings schon seit Jahrhunderten trocken ist – schafft es sonst nur selten in die Schlagzeilen. „Die Ankündigung würde ich heute nicht mehr auf die Gemeindehomepage stellen. Aus Pöggstall selbst habe ich sehr viel Zuspruch bekommen, im Internet dafür jede Menge Polemik.“ Beim nächsten Mal würden er und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Information nur noch per Zettel an die Haushalte verteilen.

So geht es weiter: Die aktuelle Hitzewelle ist vorbei, die nächste kündigt sich bereits an. In Frankreich sind die Temperaturen in den vergangenen Tagen wieder deutlich gestiegen. Der Schweizer Wetterexperte Jörg Kachelmann nimmt auf X (früher Twitter) kein Blatt vor den Mund: „Es wird ein Scheißsommer für weite Teile Mitteleuropas.“

Das können wir daraus lernen: Bürgermeister Hahn wird vermutlich nicht der letzte Bürgermeister sein, der zum Wassersparen aufruft. Warum nicht schon vor der Warnung weniger Wasser nutzen? Aber es geht um mehr als um den individuellen Konsum: Auf Bundesebene rückt das Thema stärker in den Fokus. Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat ein Wasserentnahmeregister angekündigt, das künftig transparent machen soll, wer in Österreich wie viel Wasser nutzt. Es soll noch im Laufe des Sommers kommen.

Clara Peterlik

Clara Peterlik

ist seit Juni 2022 in der profil-Wirtschaftsredaktion. Davor war sie bei Bloomberg und Ö1.