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Am Sonntag startet mit dem ESC das größte Event des Jahres – und damit der größte Sicherheitseinsatz seit Langem. Westliche Geheimdienste warnen vor dem Iran, der seine Schläferzellen im Westen geweckt hat. Wien spielt dabei eine wichtige Rolle.

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Österreich fiebert dem Sonntag entgegen – nicht nur, weil Muttertag ist. Mit dem Eurovision Song Contest steht das größte Event des Jahres bevor. Und damit wohl auch der größte Sicherheitseinsatz seit Langem. Die heimische Polizei ist im Großeinsatz – unterstützt vom FBI und dem Mossad, zwei der wohl renommiertesten Sicherheitsdienste der Welt. Dass es diese Eliteeinheiten braucht, zeigt, wie ernst die Lage ist. Und die Gefahr geht derzeit vor allem von einem Akteur aus: dem Iran.

Denn der hat seine Aktivitäten in Europa massiv ausgebaut. Proxys und Spione sind hochaktiv – und das längst nicht mehr nur im Verborgenen. Zuletzt kam es europaweit zu einer ganzen Serie von Anschlägen auf Einrichtungen mit jüdischem Bezug, etwa Restaurants oder Synagogen. Zunächst handelte es sich vor allem um Brandstiftungen und Sachbeschädigungen. Am 29. April wurden in London dann auf offener Straße zwei jüdische Personen niedergestochen. Zu all diesen Anschlägen bekannte sich die iranische Gruppe HAYI – mein Kollege Raphael Bossniak hat als einer der Ersten im deutschsprachigen Raum über sie berichtet. 

Zwar gibt es Zweifel daran, dass tatsächlich alle Attentate von HAYI verübt wurden. Die Gruppe hatte allerdings bereits am 9. März „den Beginn ihrer militärischen Operationen gegen US-amerikanische und israelische Interessen weltweit“ angekündigt – und das sorgt bei allen heimischen Sicherheitsbehörden für massive Kopfschmerzen. HAYI steht für Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia, übersetzt: „Islamische Bewegung der Leute der rechten Hand“.

Massive Sicherheitswarnungen 

Nicht nur wegen dieser Gruppe warnt der britische Geheimdienst MI5 derzeit eindringlich vor der vom Iran ausgehenden Gefahr in Europa, die sich seit einiger Zeit stetig intensiviert. profil schrieb dazu vor einiger Zeit eine große Covergeschichte.

In mehreren Ländern laufen aktuell Gerichtsprozesse gegen (vor allem) junge Männer, die mit den Anschlägen in Verbindung gebracht werden. Die Behörden gehen in vielen Fällen allerdings davon aus, dass sie von iranischen Hintermännern angestiftet wurden, die auf junge Täter zurückgriffen, die wegen ihres Alters keine langen Haftstrafen zu erwarten haben.

Auch Österreich spielte bei geplanten und durchgeführten Anschlägen zuletzt eine zentrale Rolle – was die Brisanz rund um den ESC zusätzlich erhöht. Vergangenen Sommer hoben die Behörden ein Waffenlager aus, das der Terrororganisation Hamas zugeschrieben wird. Dass die Hamas massiv vom Iran finanziert und gesteuert wird, ist bekannt. Neu ist allerdings, dass offenbar auch in Europa Anschläge auf Leib und Leben geplant waren. Bisher galt Europa für die Hamas vor allem als Standort für Geldwäsche und das Lukrieren von Spenden.

Wien im Fokus

Der europäische Chef der Hamas soll übrigens in Wien sitzen. Er steht auf den Sanktionslisten der USA und Israels. Auch die heimischen Behörden sind ihm seit Jahren auf den Fersen – doch die Beweisführung gestaltet sich schwierig. Woher will man wissen, dass gesammelte Spenden für „Kindergärten“ oder „Spitäler“ in Gaza nicht tatsächlich dafür gedacht waren – und dann eben doch woanders landen?

Einer, der Terrorpläne im Sinne des Iran umsetzen sollte, ist gerade dabei, sich wieder in Österreich niederzulassen. Etwas mehr als drei Jahre ist es her, dass der 33-jährige Österreicher mit tschetschenischen Wurzeln einen Flug von Wien nach London nahm. 50.000 Euro seien ihm geboten worden, um dort einen Fernsehsender auszuspionieren, erzählte er später vor Gericht. Die Informationen hätten für einen Terroranschlag genutzt werden sollen. Der Sender wird von der iranischen Opposition betrieben. Nach der Verhaftung des Mannes stellte er seinen Betrieb vorübergehend ein, weil die Bedrohung zu groß geworden sei.

Der Mann wurde frühzeitig entlassen, weil von ihm angeblich keine Gefahr mehr ausgehe. Sein Motiv sei weniger ideologisch gewesen als vielmehr „Gier“.

Wache Schläfer

US-Geheimdienste gehen jedenfalls davon aus, dass der Iran Schläferzellen aktiviert hat, die über Jahre hinweg in ganz Europa aufgebaut wurden. Dafür soll es konkrete Hinweise aus abgefangener, verschlüsselter Kommunikation geben. Die Behörden gehen davon aus, dass diese Nachrichten als „operativer Auslöser“ für Agenten im Ausland dienten.

Sie sollen kurz nach dem Tod des ehemaligen iranischen Machthabers Ali Khamenei bei einem israelischen Luftangriff Ende Februar 2026 verschickt worden sein.

Wien wäre für den Iran nun ein ideales Pflaster, um bestehende Konflikte weiter anzuheizen – und eskalieren zu lassen. Die Teilnahme Israels am ESC sorgt vor dem Hintergrund der geopolitischen Lage seit Wochen für heftige Debatten und Proteste.

Wie das Kulturevent zur Bühne geopolitischer Konflikte wurde, wer versucht, es zu instrumentalisieren, und wie Österreich – mit seiner historisch besonderen Rolle und sicherheitspolitischen Bedeutung – damit umgeht: Das haben wir in einer großen Coverstory für die aktuelle Ausgabe aufgearbeitet. Die können Sie ab heute Mittag im E-Paper lesen. 

Israels Politik kritisch zu sehen, ist notwendig. Darüber muss man diskutieren können, oft auch sehr hart. Aber nichts davon rechtfertigt Anschläge – das versteht sich von selbst. Und es kann nicht sein, dass Menschen in Österreich wieder Angst haben müssen, weil sie jüdisch sind. Beim Fortgehen, am Weg zur Synagoge oder einfach auf der Straße.

Gerade deshalb wünsche ich allen, die sich davon nicht einschüchtern lassen, einen besonders schönen ESC-Abend. Eine gute Party, ein bisschen Ablenkung, vielleicht sogar ein bisschen Normalität. Und wenn jemand einen richtig guten Tipp für ein Public Viewing hat: Ich freue mich sehr über Empfehlungen. Kann sein, dass ich eure Party crashen komme!

Dieser Text erschien zuerst im profil „Das Frühstück“-Newsletter. Falls Sie noch nicht angemeldet sind: Tun Sie das hier. Wir versorgen Sie täglich gratis mit exklusiven Geschichten, Tipps für den Tag und wichtigem Stammtischwissen. Außerdem: Wir gehen mit Frühstückern ab sofort auch regelmäßig Café trinken und erzählen dort Hintergründe zu unseren Recherchen. Eine erste Runde gab es schon mit Marina Delcheva und Stefan Melichar, die über drei Jahre Recherchen zu René Benko sprachen. Weitere Caférunden werden folgen. Bleiben Sie mit uns up-to-date!

Anna Thalhammer

Anna Thalhammer

ist seit März 2023 Chefredakteurin des profil und seit 2025 auch Herausgeberin des Magazins. Davor war sie Chefreporterin bei der Tageszeitung „Die Presse“.