Wladimir Putin mit Buch
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Russlands Öl- und Gaslieferungen nehmen dank der Eskalation im Iran wieder zu. Wenn der Krieg anhält, könnte es für den Kreml ein Rekordjahr werden. Schlechte Nachrichten für alle anderen.

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Die Augen der Welt sind gerade auf die Ereignisse in den Golfstaaten gerichtet. Täglich überfluten uns Nachrichten über Dauer-Bombardements, politische Eskalationen und anhaltende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Es ist schwierig wegzusehen und noch schwieriger hinzusehen. Während die Lage im Iran sich also täglich weiter zuspitzt und unsere Energiepreise durch die Decke gehen, schauen wir gerade dort nicht hin, wo die stillen Gewinner der Konfliktsituation sitzen. Und zwar nach Russland. Denn der Kreml profitiert maßgeblich von jenem Krieg, den er nicht einmal selbst führt. 

In Russland fließt nämlich das Öl wieder und damit natürlich Geld. Nicht trotz, sondern dank des Krieges im Iran. Allein in der ersten Märzhälfte, also nach Beginn des Iran-Kriegs, verdiente die Russische Föderation eine halbe Milliarde Euro an fossilen Exporten wie Gas, Öl und Kohle – täglich. Das ist ein Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Februar. Wie kann das sein?

Umgehung

Seit dem US-israelischen Angriff auf den Iran, hält das Mullah-Regime die Weltwirtschaft als geopolitisches Druckmittel in Geiselhaft. Der Iran sperrte die Meerenge von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer verbindet. Durch dieses Nadelöhr gehen 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases.

Davon sind vor allem die Staaten am asiatischen Kontinent betroffen: Die Öl- und Gastransporter, die aufgrund von iranischen Drohungen und Angriffen in der Straße von Hormus festsitzen, decken mit ihren Lieferungen normalerweise etwa 80 Prozent des Erdgas- und 90 Prozent Erdölbedarfs in Asien ab. Die größten Bezieher davon? China, Indien, Japan und Südkorea – große Wirtschafts- und Exportmächte, die mit einer Vielzahl ihrer Produkte auch die EU beliefern. So könnte Europa auch durch Asiens Abhängigkeit von Hormus-Brennstoffen indirekt in Mitleidenschaft gezogen werden – profil berichtete ausführlich in der letzten Cover-Geschichte.

Die Blockade und ihre weitreichenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft ruft also neue, beziehungsweise alte Energieversorger auf den Plan.

Im Sommer 2025 verhängte US-Präsident Donald Trump noch saftige Strafzölle gegen Indien, weil der Staat trotz Sanktionen weiterhin russisches Öl einkaufte. Mitte März lockerte Trump die Sanktionen für russisches Erdöl und ermöglichte damit die Wiederaufnahme der Kreml-Importe.

Das werde Russland keinen strategischen Vorteil einräumen, hieß es aus dem US-Finanzministerium. Man wolle bloß die globale Wirtschaftslage stabilisieren. Das wäre wohl einfacher durch einen Waffenstillstand im Iran als durch eine Umgehung der Russland-Sanktionen gegangen – scheint aber für Trump keine gangbare Option zu sein. 

Im Kreml reibt man sich jedenfalls die Hände. Schätzungen des Centre for Research on Energy and Clean Air (CREA) zufolge, könnte es für Russland ein wirtschaftliches Rekordjahr werden. Das Institut hat eine eigene Plattform eingerichtet, auf der es die russischen fossilen Exporte trackt. Und wegen der kriegsbedingten Energie-Knappheit und der gestiegenen Preise sprudeln die Einnahmen. Also doch eher ein strategischer Vorteil, nicht wahr?

Und wer verliert?

Die Antwort darauf lautet ganz klar: die Ukraine. Nicht nur kann sich der russische Staat jetzt mit neuem Öl-Geld zu teuren Krisenpreisen anfuttern, sein Budget sanieren und damit den Angriff auf die Ukraine weiter vorantreiben. Darüber hinaus ziehen die USA ihre Unterstützungen für die Ukraine zunehmend ab, um ihre Ressourcen auf den Iran zu fokussieren.

In unserem Podcast „Schlacht um Europa“ widmen wir uns diese Woche der Frage, welche Auswirkungen der Iran-Krieg auf die EU hat. Wer sind die wirklich großen Verlierer? Wer die großen Gewinner?

Hannah Müller

Hannah Müller

ist seit September 2025 bei profil.