Rettungshubschrauber beim Überflug
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Luftlöcher: Wie schlecht die Versorgung mit Rettungshubschraubern ist

Der Tod einer 55-jährigen Mühlviertlerin legt die organisatorischen Schwachpunkte des Gesundheitssystems offen. Ein Expertenbericht zeigt nun: In ganz Oberösterreich gibt es keinen 24-Stunden-Dienst für Hubschrauber.

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Als die 55-jährige Mühlviertlerin vergangenen Herbst das Klinikum Rohrbach betritt, ahnt noch niemand, dass sie wenige Stunden später sterben würde. Sie hatte einen Riss der Hauptschlagader erlitten, dabei wühlt sich das Blut durch den Körper. Betroffene spüren das, was Mediziner „Vernichtungsschmerz“ nennen. 

Das kleine Spital in Rohrbach stellte die Diagnose zeitnah, konnte der zweifachen Mutter aber dennoch nicht helfen. Für die notwendige hochkomplizierte Operation ist das Spital nie gerüstet gewesen, für Fälle wie diese gibt es spezialisierte Krankenhäuser.

Das Personal der Provinzklinik rief sieben größere Krankenhäuser in der Umgebung durch (auch im Ausland, in Passau), keines davon nahm die Frau auf. Das erste Spital, das die Ärzte aus Rohrbach kontaktierte, war das Kepler Universitätsklinikum in Linz, dort jedoch waren beide Operations-Teams mit Notfällen befasst. Das zweite Spital, dessen Nummer die Rohrbacher Mediziner wählten, war das Klinikum Wels-Grieskirchen. Von dort hieß es, man könne die Patientin deshalb nicht behandeln, weil kein Intensivbett frei wäre. 

Das war kein valides Argument – zu diesem Schluss kam die Expertenkommission unter Friedrich Pammer. Er ist ehemaliger Direktor des oberösterreichischen Landesrechnungshofs und bekam von Christine Haberlander, Oberösterreichs ÖVP-Gesundheitslandesrätin, den Auftrag, den Fall zu untersuchen. Denn weit über die Grenzen Oberösterreichs stellte man sich die Frage: Wie ist es möglich, dass die Frau kein einziges Spital aufnehmen konnte? Was läuft schief in Österreichs Gesundheitssystem? 

Kein nachtflugtauglicher Hubschrauber

Diese Frage stellt man sich auch, wenn man im zehnseitigen Expertenbericht, über den profil ausführlich berichtete, weiterliest. Darin ist noch ein weiteres interessantes Detail enthalten, etwa, wenn es um die Frage geht, welche Transportmöglichkeiten es gegeben hätte. Nicht nur per Rettungswagen, sondern auch per Hubschrauber. 

Da zeigt sich: Im gesamten Bundesland Oberösterreich gibt es keinen einzigen nachtflugtauglichen Hubschrauber. Ein Rettungshelikopter stand im steirischen Niederöblarn im Ennstal, das liegt rund 120 Kilometer Luftlinie von Rohrbach entfernt. Und dieser konnte aufgrund des schlechten Wetters nicht fliegen. Ebenso wie jener aus Krems. 

Vom Land Oberösterreich heißt es, man habe bereits vor dem Fall Rohrbach die Problematik der fehlenden 24-Stunden-Stützpunkte auf dem Radar gehabt. Zur „Stärkung der Akutrettungskette“, so das Land Oberösterreich, nahm man diese Lücke bereits im Juni des Vorjahres in Angriff und wollte einen nachtflugfähigen Standort in Oberösterreich einführen. Derzeit werden mit dem Christophorus Flugrettungsverein des ÖAMTC Verhandlungen geführt. 

Bisher jedenfalls wurde Oberösterreich aus Niederösterreich und der Steiermark mitversorgt. Es sind im Übrigen die einzigen beiden Bundesländer, die sich derartige 24-Stunden-Stützpunkte leisten, alle anderen haben nichts dergleichen. 

Der gesamte Westen Österreichs hat keinen derartigen 24-Stunden-Dienst. Das Land Tirol hat während der Wintersaison zwar bis zu 16 Hubschrauberstützpunkte (bei 72 Millionen Nächtigungen in der Saison 2024/25). Es rühmt sich mit „der höchsten Dichte an Notarzthubschraubern in Österreich“ und zählt „auch international zu den Spitzenreitern“, wie es auf Anfrage aus dem Büro der zuständigen Tiroler ÖVP-Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele heißt. 

Bedarf für einen 24-Stunden-Stützpunkt sieht man jedoch nicht. Denn die Einsatzstatistik zeige, „dass es insbesondere in peripheren Regionen nachts zu deutlich weniger Notfällen kommt. Vor diesem Hintergrund ist die flächendeckende und hochwertige Notfallversorgung der Tiroler Bevölkerung auch ohne 24-Stunden-Flugrettungsstützpunkt gewährleistet.“ 

Man kann nur hoffen, dass das in Zukunft auch so bleibt. 

Nina Brnada

Nina Brnada

ist Redakteurin im Österreich-Ressort. Davor Falter Wochenzeitung.