Täuschen und tricksen: „Österreichs genialste Betrüger:innen“
Am vergangenen Montag fand im Wiener Orpheum die Auftaktveranstaltung zur neuen Event-Serie „profil ambulant“ statt. Rund 300 Besucherinnen und Besucher fanden sich ein, um alles über „Österreichs genialste Betrüger:innen“ zu erfahren. profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer, der Leiter des Betrugsdezernats im Bundeskriminalamt Reinhard Nosofsky, profil-Innenpolitik-Redakteurin Daniela Breščaković und Wirtschafts-Redakteur Josef Redl nahmen sich an diesem Abend die dreistesten, unverschämtesten und skrupellosten Betrugsfälle der jüngeren Kriminalgeschichte Österreichs vor – und zeigte dabei auch, warum österreichischen Aufdecker-Journalisten der Stoff so bald nicht ausgehen wird. Es gilt, soviel vorweg, durchwegs die Unschuldsvermutung. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Musikerin Clara Luzia.
Betrugsfall Nr. 1: Ein „Paralleluniversum“ aus Lügen
Bei ihrer Recherche zum Fall Sanela G. hatte selbst die erfahrene Kriminal-Reporterin Daniela Breščaković Schwierigkeiten, die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge im Auge zu behalten. „Sie hat die Fähigkeit, dich so schnell um den Finger zu wickeln und dein Vertrauen mit einer simplen Lüge zu kriegen“, erinnerte sie sich an ihre Erfahrungen mit der Betrügerin aus der Steiermark. Nach dem Amoklauf in Graz hatte Sanela G. sich als Angehörige der Opfer ausgegeben und damit mehr als 37.000 Euro Spendengeld gesammelt. Im Lauf der Recherche wurde immer klarer, dass Sanela G. sich und ihrer Umwelt ein ganzes Paralleluniversum aus Identitäten vorgegaukelt hatte. Aber warum vertraut man Wildfremden? „Vertrauen ist die Regel und Misstrauen die Ausnahme“, betonte der Betrugsermittler Nosofsky – und das sei gut so, denn sonst wäre unser gesellschaftliches Zusammenleben kaum möglich.
Betrugsfall Nr. 2: Krypto-Lügen und Pyramiden
Im Zusammenhang mit dem Krypto-Unternehmen „Paraiba“ recherchierte Josef Redl für profil Ende 2025 eine erstaunlich erfolgreiche Betrugs-Masche: Seit 2019 hatte das Unternehmen Investoren mit angeblich sensationell verzinsten Krypto-Anlagen gelockt und sie anschließend auch dazu angehalten, noch weitere Investoren zu rekrutieren. „Multi-Level-Marketing“ heißt dieses Prinzip, in seiner illegalen Variante spricht man eher von einem Pyramidenspiel. Am Ende steht dann meist ein: „Leute, ihr müsst jetzt kurz Geduld haben“ vonseiten der Unternehmensleitung – und eine bedauerliche Lücke auf der Habenseite. Im Sinne der Prävention empfahl Reinhard Nosofsky im Orpheum, sich vor starkem emotionalem Druck in acht zu nehmen und noch eine zweite oder dritte Meinung einzuholen, bevor man 20.000 Euro an ein Krypto-Unternehmen überweist. Auch wichtig: Dinge, die zu schön klingen, um wahr zu sein, aus Prinzip besser nicht bedingungslos glauben!
Betrugsfall Nr. 3: Die Schamanin und die 12 Millionen Euro
Mit dem dritten Betrugsfall kam eine besonders skrupellose Variante auf die Bühne: die Ausbeutung der Hoffnung. Mindestens 12 Millionen Euro kassierte Mariana M. als selbsternannte Schamanin im Lauf der Jahre von verzweifelten Menschen. Ihren Opfern lauerte sie vor Ärztepraxen auf, versprach ihnen Heilung und verkaufte ihnen um den am Bankomaten abgehobenen Maximalbetrag eine leider schnell vergängliche Hoffnung. „Wie ist es möglich, dass Menschen derart naiv sind?“, wollte Anna Thalhammer wissen. Nosofsky: „Nicht jeder fällt auf diese Art von Betrug rein, aber ich bin überzeugt davon, dass jede Person auf die richtige Masche reinfallen würde.“
Letzte Frage: „Herr Nosofsky, erstaunt Sie eigentlich noch etwas, nach all den Jahren?“ Ja, durchaus, so die Antwort. Einerseits die enormen Schadenssummen und andererseits die bedauerliche Tatsache, „dass man als Betrüger nicht mehr das Superhirn sein muss.“
In der nächsten Ausgabe von „profil ambulant“ am 23. Juni 2026 (diesmal im Theater Akzent) dreht profil den Spieß um und spioniert den Spionen nach: Mit profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer und Investigativ-Reporter Max Miller diskutieren Sylvia Mayer, Leiterin der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), und Reinhard Ruckenstuhl, Leiter des militärischen Nachrichtendienstes. Die musikalische Begleitung kommt diesmal von Clara Luzia; nähere Informationen und Tickets gibt es hier: