Barbara Karlich steht mit einem Hund im Arm vor einem Leuchtturm an einem See
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Barbara Karlich: „Es war natürlich schon manchmal ein Zirkus“

Mit ihrer Nachmittags-Talkshow war Barbara Karlich 26 Jahre lang eine ORF-Institution. Ein Gespräch über Existenzängste, ihren Stolz, an Tabus gerüttelt zu haben, und die Lust, Schicksale zu erkunden.

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Eigentlich wäre Barbara Karlich selbst die ideale Kandidatin für alle möglichen Talkshow-Themen. Zum Beispiel „Hilfe, mein Hund macht, was er will!“ Die kleine „Meixi“ kläfft beim profil-Interview im schummrigen Barbereich eines Eisenstädter Hotels ganz schön beharrlich und ist nur mit Leckerlis von Kellnerin Eva ruhigzustellen. Oder auch: „Ich bin kein Beziehungsmensch, na und?“, denn tatsächlich lebt Karlich sehr gerne mit ihrer 18-jährigen Tochter Gloria in Neufeld in einem Reihenhaus und betont, dass sie ausgesprochen glücklich ist in dieser Dorfsituation, umgeben von vielen Freundinnen in unmittelbarer Nähe: „Meine Freundinnen sind in meinem Leben extrem wichtig.“

Außerdem ist sie noch Vegetarierin („Ich esse nichts, was Mama sagen kann!“) und zeigte auch keinerlei Angst, als ihr im vergangenen Jahr plötzlich ihr Lebenswerk weggezogen und die „Barbara Karlich Show“ nach 26 Jahren allzu Menschlichem am Nachmittag eingestellt wurde („Starke Frau, was nun?“). Die Angstfreiheit, von der sie im Gespräch erzählt, machte sich bezahlt. Demnächst wird Barbara Karlich, 56, mit ihrer charismatischen Menschenfreundlichkeit wieder im ORF aufscheinen und die Nachmittagssendung „Studio 2“ moderieren und beim Touren durch die Bundesländer in der Dokumentation „Barbara Karlich unterwegs“ Heimatverbundenheit zeigen.

Barbara Karlich steht mit sieben Gästen ihrer TV-Show im Studio, darunter ein Mann mit Bart in einer Badewanne voller Eiswürfel
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Als bekannt wurde, dass Ihre Show „Talk um 4“, vormals „Barbara Karlich Show“, eingestellt wird: War das ein Schock für Sie?

Barbara Karlich

Natürlich. Wenn es nach mir ginge, hätte ich die Show noch bis zur Pension weitermachen wollen. Ich habe meine Arbeit geliebt. Dass die Show einmal eingestellt wird, damit hätte ich nie gerechnet. Ich wusste es ja schon ein Jahr vorher, bevor es offiziell wurde. Durfte es aber niemandem sagen – nicht meiner Familie, nicht meiner besten Freundin –, was wirklich sehr schwierig auszuhalten war.

Sie sind 56 Jahre alt. Hatten Sie Angst, dass Sie ein ähnliches Schicksal wie Claudia Reiterer, Christa Kummer oder Verena Scheitz, drei abgesetzte ORF-Moderatorinnen in ähnlichem Alter, ereilen würde?

Karlich

Es ist natürlich klar, dass diese Frage kommt. Aber mir wurde sehr bald von der Generalintendanz signalisiert, dass man weitere Pläne mit mir hat. Und: Was meinen Beruf betrifft, war und bin ich immer angstfrei. Angst habe ich nur vor Spinnen.

Und vor Stalkern?

Karlich

Die waren auch überschaubar. Ich hatte nur ein seltsames Erlebnis mit einem, der mir brieflich genaue Anweisungen erteilen wollte, was er sich von mir erwartet. Die wiederhole ich jetzt nicht, sonst wird der Mann womöglich gleich wieder animiert. Die exakt gleichen Wunschvorgaben bekamen auch zwei andere Frauen des öffentlichen Lebens.

Was wären die Alternativen in einem ORF-freien Leben für Sie?

Karlich

Ich komme von der PR, ich bin ja auch Schauspielerin, also da gibt es Optionen. Aber ab 7. Jänner starte ich als Moderatorin bei Studio 2. Und „Barbara Karlich unterwegs“ ist eine Reihe, in der ich durch die Bundesländer toure und Menschen besuche. Ich bin also flügge geworden.

In der ersten Folge, in der Sie mit Ihrem Hund Meixi in Ihrer Heimat, dem Burgenland, unterwegs waren, tragen Sie Dirndl. Wird sich dieses patriotische Outfit durchziehen?

Karlich

Nein, das war eher die Ausnahme. Mir wurde auch klar kommuniziert, dass ich kein Dirndl tragen muss, wenn ich mich damit nicht wohlfühle. Ich habe im Dirndl eher das Gefühl, verkleidet zu sein.

Hat sich ein Talkformat wie die Karlich-Show, in der Menschen sich mit all ihren Problemen oder all ihrer Exzentrik offenlegten, totgelaufen, weil man schon alles gesehen hat?

Karlich

Nein, die Einstellung lag nicht an den Quoten. Aus produktionstechnischen Gründen sind wir während und nach Corona ohne Publikum auf Sendung gegangen. Dadurch haben wir einiges an Stammpublikum verloren. Es war einfach nicht mehr dasselbe. Denn aus dem Publikum kam auch eine Energie, die extrem wichtig war. Ich war dann auch im Part einer Dompteuse, die manchmal ein bisschen strenger werden und „Leise bitte!“ anschaffen musste.

Sind Ihnen die Menschen nach 26 Jahren in den Tiefen der österreichischen Seele sympathischer geworden?

Karlich

Ich bin und bleibe eine Menschenfreundin. Anders hätte ich diesen Job nicht so lange durchgehalten. Wenn ich jemanden kennenlerne, der sich irgendwie seltsam benimmt, dann interessiert mich der Hintergrund. Was für eine Art von Trauma da dahinterstehen könnte. Welche Welt sich hinter diesem Verhalten verbirgt.

André Heller hat eine Einladung in Ihren Buchclub-Podcast angenommen. Hat Sie das erstaunt?

Karlich

Ich habe sehr lange auf seine Zusage gewartet, und dann ging plötzlich alles ganz schnell. Wir sind dann in seiner wunderschönen Wohnung eingefallen und haben dort unser ganzes Equipment aufgestellt. Nach zehn Minuten ist er plötzlich im Türrahmen gestanden und hat gesagt: „Ich finde das grob fahrlässig.“

Haben Sie seine Möbel verschoben?

Karlich

Das war auch mein erster Gedanke: dass er unsere Invasion nicht so super findet. Aber er meinte damit, dass es grob fahrlässig sei, die Karlich-Show einzustellen. Seine Frau Albina habe sich die Sendung jeden Tag angesehen. Ich habe seiner Meinung nach einen großen Dienst an der Menschheit geleistet, weil ich auch an vielen Themen gerüttelt und sie dadurch enttabuisiert habe.

Angelika Hager

Angelika Hager

leitet das Gesellschafts-Ressort