Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
02/02/2022

#brodnig: Vorsicht vor diesen Fotos!

Mit Schockfotos und traurigen Bildern säen Impfgegner:innen geschickt Angst vor der Impfung.

von Ingrid Brodnig

Es gibt eine Methode der impfgegnerischen Szene, die regt mich besonders auf: emotionalisierende Bilder, die wenig Aussagekraft haben, aber Angst vor Impfungen wecken. Im Juli starb zum Beispiel ein Jugendlicher - prompt wurde in impfkritischen Kreisen die Parte mit dem Foto des Teenagers herumgereicht. Der Bursche war gegen Corona geimpft, laut Obduktion gab es allerdings keinen Zusammenhang zwischen Todesursache und Impfung. Allein das Bild einer solchen Todesanzeige, auch wenn nichts über die Impfung behauptet wird, kann bei manchen Angst auslösen.

Zweites Beispiel: Häufig werden in impfskeptischen Gruppen Schockfotos gepostet. Man sieht Blutergüsse oder Hautausschläge. Die Bilder suggerieren, hier würden Impfopfer gezeigt - es wird jedoch weder der Name der betroffenen Person noch jener des Krankenhauses genannt, in dem sie angeblich behandelt wurde.

Solche Bilder nähren Unbehagen, sind jedoch schwer überprüfbar. Bilder wirken authentisch, doch sie können aus dem Kontext gerissen oder mit purer Spekulation versehen sein. Eine wichtige Frage ist immer: Sehe ich wirklich das, was der Bildtext suggeriert?

Es ist möglich, dass eine impfkritische Person ein Foto ihres eigenen Ausschlags von vor drei Jahren postet und behauptet, dieses Bild zeige jetzt eine spektakuläre Nebenwirkung. Doch selbst wenn Fotos authentisch sind, stellt sich die Frage, ob ihre Interpretation richtig ist: Menschen können krank werden, harmlose Symptome wie ein Hautausschlag können auftreten, es kann zu gefährlichen Komplikationen wie einem Herzinfarkt kommen, unabhängig davon, ob sie geimpft sind oder nicht.

Es wäre das größte Wunder der Welt, wenn Millionen von Menschen geimpft werden, und kein einziger von ihnen erkrankte mehr. In impfkritischen Gruppen wird häufig Koinzidenz mit Kausalität verwechselt: Nur weil jemand vier Wochen nach einer Impfung einen Ausschlag bekommt, heißt das nicht automatisch, dass die Impfung schuld ist. Wenn man Beschwerden hat, sollte man das mit seinem Arzt oder seiner Ärztin besprechen - und nicht Schockfotos ins Internet stellen. Bilder wirken ehrlich, können jedoch lügen, sie können veraltet oder mit Spekulationen versehen sein. Natürlich gibt es erschütternde Fotos, die echt sind, aber je brisanter die Behauptung rund um ein Foto klingt, desto skeptischer sollte man hinblicken.

Was denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter ingrid.brodnig@profil.at, facebook.com/brodnig, twitter.com/brodnig