Ingrid Brodnig
Ingrid Brodnig

© Alexandra Unger

Gesellschaft
03/21/2019

#brodnig: Wikipedia aus, Protest an

Wikipedia aus, Protest an: Die Kritik an den Urheberrechtsplänen der EU kurz erklärt.

von Ingrid Brodnig

Am 21. März werden viele ein Problem haben: Wer nach einer Information sucht, wird eine wichtige Wissensquelle unserer Zeit nicht ansteuern können. Denn an diesem Tag ist die deutschsprachige Version von Wikipedia offline – als Protest gegen die Urheberrechtspläne der EU. Die Europäische Union plant bekanntlich eine Urheberrechtsreform. Ende März soll das EU-Parlament darüber abstimmen. Doch gerade Artikel 13 der Richtlinie ist umstritten. Er stelle einen „beispiellosen Schritt hin zur Transformation des Internets“ dar, warnten schon vergangenes Jahr Internetgrößen wie Tim Berners-Lee, der Begründer des World Wide Web. In einem offenen Brief befürchteten sie, dass das Netz zu einem „Tool für automatisierte Überwachung und Kontrolle seiner Nutzer“ werden könnte. Artikel 13 sieht strenge Auflagen für viele Betreiber von Websites vor, wenn dort urheberrechtlich geschützte Bilder oder Videos geteilt werden.

Die Gefahr besteht, dass Filter die Nuancen des Urheberrechts und der Meinungsfreiheit nicht erkennen.

Die Sorge ist nun, dass die geplanten Bestimmungen zu Upload-Filtern führen: Das ist Software, die jedes einzelne Posting überwacht, das User verfassen – und urheberrechtlich geschütztes Material automatisch löscht. Wenn man als Privatnutzer etwa ein witziges Bild von Donald Duck auf sozialen Medien hochladen möchte, könnte es passieren, dass die Software das nicht erlaubt – schließlich gehört das Bildrecht Disney. Natürlich ist es wenig überraschend, dass Urheber ihre Rechte schützen wollen, nur stellt sich hier zum einen die Frage: Ist der Einsatz solcher Software verhältnismäßig? Und zum anderen: Ist ein solches System treffsicher genug? Auch die Verwendung urheberrechtlich geschützter Bilder kann erlaubt sein – etwa im Rahmen des Zitatrechts. Die Gefahr besteht, dass Filter die Nuancen des Urheberrechts und der Meinungsfreiheit nicht erkennen. Bisher zeigt die Erfahrung auf YouTube (dort gibt es schon derartige Software), dass solche Filter mitunter irren – und dann zu viele Inhalte löschen.

Kein Wunder also, dass am 23. März in vielen Städten demonstriert wird, auch in Wien und Salzburg. Zum Teil wird der Protest aber verniedlicht und betont, dass gerade „Kinder und Jugendliche“ darin ein „hochemotionales Politikum“ sehen. Es stimmt schon, dass gerade junge Internetnutzer dieses Thema ernst nehmen. Aber wissen Sie was: Die Kids liegen da richtig.

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter [email protected] facebook.com/brodnig twitter.com/brodnig

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