Kabarettist Scheuba: „Okay, es wird ein bisschen ein Spezialistenwitz.“
Ein Gang mit … Florian Scheuba
Dass ich noch jemals über Fritz Neugebauer reden würde, damit hatte ich nicht gerechnet, und doch sitze ich jetzt da und denke sogar darüber nach, ob man über ihn noch Witze für ein Kabarettprogramm machen kann. Neugebauer, für alle, die sich an ihn nicht mehr erinnern, war ein ÖVP-Beamtengewerkschafter, bekannt dafür, dass er Nein auf Hunderte unterschiedliche Fragen sagen konnte. Eine durch und durch österreichische Figur, aber eben: geboren 1944, also 81 Jahre alt, seit mehr als zehn Jahren in Pension und völlig verdient aus der Öffentlichkeit verschwunden.
„Okay, es wird ein bisschen ein Spezialistenwitz“, sagt Florian Scheuba jetzt, aber er ist wild entschlossen, ihn in sein aktuelles Programm einzubauen. Im Kern dreht sich der Scherz darum, dass der burgenländische Ex-Landeshauptmann Hans Niessl, Jahrgang 1951, auch so ein Politik-Fossil, kürzlich angekündigt hat, bei der kommenden Bundespräsidentenwahl kandidieren zu wollen. Scheuba witzelt darüber, wer aller ein passender Gegenkandidat wäre, und Neugebauer ist für ihn ein Fixstarter. Tatsächlich ist die Vorstellung, wenn man sich darauf einlässt, ja ein bisschen lustig. Das Grundproblem bleibt aber bestehen: Neugebauer, Niessl, wer bitte kennt die Herrschaften noch? Also wer, der jünger als 50 und kein absoluter Politik-Nerd ist? Scheuba selbst wird im April 61, und dass er ein Politik-Nerd ist, daran besteht wirklich kein Zweifel.
Wenn es um Korruption geht, reicht es oft, sich ein paar Namen zu merken.
Wir sitzen im Gasthaus „Herbeck“ in Wien-Gersthof, es ist eines seiner Lieblingslokale, er wohnt auch in der Nähe. Das Lokal ist für seine traditionelle Wiener Wirtshausküche bekannt, und das ist offenbar eine Marktlücke: An einem Mittwochmittag ist im Speiseraum jeder Tisch besetzt. Ich frage mich zwar, wo in Gersthof die ganzen Büros sein sollen, aus denen die Menschen zum Mittagstisch kommen, aber wer weiß, vielleicht trägt der Herr Kommerzialrat von Tisch drei ja auch im Homeoffice Dreiteiler. Scheuba arbeitet sich durch seine gebratene Kalbsleber mit Erdäpfelpüree und glaciertem Apfel (23,80 Euro), vor mir steht ein Wolfsbarschfilet mit Mangold, Süßkartoffel-Gnocchi und sehr, sehr viel Butter (32 Euro), und ich beneide die fünf Herren im besten Business-Alter vom Nebentisch, die offenbar so viel Tagesfreizeit haben, dass sie den beschwerlichen Weg aus dem Innenstadtbüro nach Gersthof fast täglich zurücklegen. Ich vermute, die Kantine der Wiener Städtischen kann mit dem Herbeck einfach nicht mithalten.