Lizz Görgl im Speisesaal des Robinson Club Villach
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Was macht man als Spitzenskifahrerin nach der Karriere? Lizz Görgl, Doppelweltmeisterin und eine der „Speed Queens“ aus dem Sportfernsehen, hat mit Skifahren so viel verdient, dass sie vermutlich nicht mehr arbeiten müsste. Sie hat jetzt Zeit, Carving-Kurse zu geben und über das Leben nachzudenken.

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Überraschenderweise gibt es einen Moment, in dem selbst in einem All-inclusive-Resort die Nahrungskette unterbrochen wird, und der dauert exakt zwei Stunden. Um Punkt 17 Uhr räumt das Personal im Robinson Club Villach Landskron nämlich die letzten Reste des Nachmittag-Light-Lunchs ab, und dann dauert es bis Schlag sieben, bis das Abendessen serviert wird. Dazwischen ist Pause, es gibt nicht einmal ein Wurstbrot, darin sind sich Kellnerin, Barkeeper und Rezeptionistin absolut einig. Was an normalen Tagen wahrscheinlich auch kein Problem ist, die Anzahl der Hungertoten in einem Robinson Club ist ziemlich sicher überschaubar. Aber jetzt in der Sekunde ist es etwas blöd: Ich bin nämlich mit Lizz Görgl hier verabredet, sie hat exakt eine Stunde Zeit, dann muss sie in die Sauna, danach hält sie einen Vortrag. Und wie soll man jetzt groß ein Lokal testen, wenn die Küche geschlossen ist? „Wir kriegen das hin“, sagt Görgl, „irgendwas geht immer“, und dann verschwindet sie für ein paar Minuten.

Kurz darauf sitzen wir in der Club-Bar, trinken Soda Zitron, und vor ihr steht wie durch ein Wunder ein Teller mit gebratenem Gemüse, Kartoffeln und Erbsenreis. Irgendjemand hat die letzten Reste vom Nachmittagsbüfett zusammengekratzt, fürs Foto, schließlich ist das ja eine Gastrokolumne. „Wenn man es nur wirklich will, dann kriegt man alles hin“, sagt Görgl und lacht. Und eigentlich passt das auch ganz gut zu ihrer Karriere. 

17 Jahre Weltcup hat Görgl hinter sich, mit allen Ups and Downs. Zu den Downs gehörte wahrscheinlich, dass sich ihre Karriere zeitlich mit der von Lindsey Vonn überschnitt, die jahrzehntelang alle in Grund und Boden fuhr.

Görgl war eine der erfolgreichsten österreichischen Skifahrerinnen in diesem Jahrtausend, und das, obwohl sie zu Beginn ihrer Karriere gleich mehrere schwere Verletzungen hatte und immer wieder länger ausfiel. Am Ende wurden es sieben Weltcupsiege und über 40 Top-3-Plätze. Sie ist Weltmeisterin in der Abfahrt und im Super-G und holte bei Olympia in Vancouver 2010 zwei Bronzemedaillen.

Lizz Görgl im Speisesaal des Robinson Club Villach
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17 Jahre Weltcup hat Görgl hinter sich, mit allen Ups and Downs. Zu den Downs gehörte wahrscheinlich, dass sich ihre Karriere zeitlich mit der von Lindsey Vonn überschnitt, die jahrzehntelang alle in Grund und Boden fuhr. Dennoch war Görgl populär, auch bei den ORF-Zielraum-Starreportern, weil sie, „unsere Lizz“, nach dem Abschwingen mehr zu sagen hatte als einsilbige Sätze. Görgl war leutselig, lustig, ein Showtalent und immer auch ein bisschen anders. Deswegen absolvierte sie nach ihrem Rücktritt zwar die übliche Verwertungskette für Ex-Sportlerinnen der A-Liga („Dancing Stars“, „The Masked Singer Austria“, „Das Supertalent“), bog dann aber ab: Sie lebt in Wien, tritt als Keynote-Speakerin und Motivationstrainerin auf und hat mit einem Partner ein Buch geschrieben. „Die Magie des Flows“ heißt das, es ist eines dieser Handbücher für angehende Filialleiter, die wissen wollen, was man aus dem Spitzensport für die Welt des Versicherungsverkaufs mitnehmen kann.

Markus  Huber

Markus Huber

ist im Hauptberuf Herausgeber des Magazins „Fleisch“ und schreibt für profil alle zwei Wochen die Kolumne „Powerlunch“.