Staatssekretär Sepp Schellhorn sitzt an einem weiß gedeckten Wirtshaustisch
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Hotelier, Influencer, wütender Gastronom: Sepp Schellhorn war jahrelang ein gern gesehener Gast auf allen Kanälen, auch, weil er wirklich keine Pointe ausgelassen hat. Doch als Staatssekretär hat er ordentlich Gegenwind. Das kann ganz schön auf den Magen schlagen.

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Man muss nicht zwingend Neos-Sympathisant sein, um in diesem Moment nur einen einzigen Gedanken zu haben, und der wäre: Sepp, mach’s nicht!

Das Gasthaus „Appiano“ in der Schottenbastei, gleich neben dem Juridicum: Ich bin mit Sepp Schellhorn verabredet, dem Staatssekretär für Deregulierungsfragen. Er hatte das Lokal vorgeschlagen, weil es hier noch „gute klassische Wirtshausküche“ gibt. Wir haben also ein bisschen in der Speisekarte geschmökert, dann die Wochenempfehlungen durchgearbeitet, gerade hat uns die Kellnerin auf das Tagesgericht hingewiesen, und bevor sie alle Beilagen fertig aufgezählt hat, ist mir klar, dass eine Schlagzeile in der Luft liegt. Wird er das Tagesgericht bestellen? Aber nein, denke ich, er wird wissen, dass das nach hinten losgeht, doch da höre ich ihn lachen. „Soll ich?“, fragt er, sein Gesicht ist freudig erregt, er wirkt wie ein hyperaktiver Volksschüler, der mit einer Stricknadel im Anschlag vor der Steckdose hockt und überlegt, ob er die Mama auch dann noch schreien hört, wenn’s gleich einen ordentlichen Tuscher macht. Er hat die Pointe in der Tagesempfehlung also auch entdeckt.

 Soll ich?, fragt er, sein Gesicht ist freudig erregt, er wirkt wie ein hyperaktiver Volksschüler, der mit einer Stricknadel im Anschlag vor der Steckdose hockt und überlegt, ob er die Mama auch dann noch schreien hört, wenn’s gleich einen ordentlichen Tuscher macht.

Seit knapp zehn Monaten ist Sepp Schellhorn nun Staatssekretär, und in der Zeit hat es ein paar Mal getuscht. Sein Dienstauto, ein paar Reisen und nicht ganz so geglückte Fernsehauftritte: Er hat wirklich wenig ausgelassen und ist nicht zufällig im APA-Vertrauensindex der zweitunbeliebteste Regierungspolitiker, nur SPÖ-Chef Andreas Babler hat noch geringere Sympathiewerte. Für Schellhorn ist das eine neue Situation: In seiner Funktion als wütender Gastronom hatte er nämlich fast nur Fans, den „Sepp, was machst du?“-Videos auf Instagram folgten mehr als eine halbe Million Menschen, und die folgen einem nicht, weil sie jemand für einen kompletten Trottel halten. Aber jetzt ist er eben Politiker, Vollzeitpolitiker, und für die gelten andere Regeln.

Markus  Huber

Markus Huber

ist im Hauptberuf Herausgeber des Magazins „Fleisch“ und schreibt für profil alle zwei Wochen die Kolumne „Powerlunch“.