Josef Pröll sitzt im Restaurant Salzgries an einem Tisch
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Josef „Sepp“ Pröll ist so etwas wie der Mensch gewordene Kompromiss. Das mag ein bisschen aus der Mode gekommen sein, hat zumindest dem ÖFB aber ganz gutgetan. Und ihm persönlich auch.

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Josef Pröll geht gerne essen, das hatte er schon am Telefon klar gemacht. „Essen – auch optisch erkennbar – liegt mir nicht fern“, hatte er mir geschrieben, als ich ihn vor einigen Wochen für diese Kolumne angefragt hatte. Pröll war da gerade in Washington und durfte mitansehen, wie Donald Trump von FIFA-Chef Gianni Infantino den sogenannten Fifa-World-Peace-Preis überreicht bekam, die bis zu diesem Zeitpunkt schlimmste Unterwerfungsgeste unserer Tage.

Seit damals ist einiges passiert: Venezuela zum Beispiel, Minneapolis, Grönland, an Infantinos peinliche Schleimerei können sich deswegen mittlerweile fast nur noch die erinnern, die live dabei waren. „Es war interessant“, sagt Josef Pröll, „es ist wirklich beeindruckend, was die FIFA alles aufstellen kann. Und der Rest? Man muss einmal überlegen, wie viele FIFA-Mitgliedstaaten wirklich gewachsene Demokratien sind, dann wird man vielleicht verstehen, warum alles so abläuft, wie es abläuft.“ Es ist eine sonderbare Zeit, sagt er, eine, in der man als liberaler, einigermaßen aufgeklärter Politiker nicht wirklich etwas gewinnen kann. Umso froher also ist er, dass dieses Kapitel seines Lebens hinter ihm liegt.

Nicht umsonst hat die „Kronen Zeitung“ die Prölls erst dieser Tage als „die Kennedys aus Radlbrunn“ beschrieben, was aus vielen Gründen böser ist, als es im ersten Augenblick klingt.

Wir sitzen im „Le Salzgries“ in der Marc-Aurel-Straße in der Wiener Innenstadt, vor uns stehen ein Thunfischsteak „Japonaise“ mit Blattspinat und Koriander (26 Euro, vor Pröll) und ein Hüftsteak mit sautiertem Gemüse und Sauce béarnaise (vor mir). Pröll hat definitiv die klügere Wahl getroffen, er scheint das zu wissen und schaut dementsprechend zufrieden auf sein Essen. Josef Pröll, für alle, die ihn nicht mehr kennen, war mal Vizekanzler, Finanzminister und Zukunftshoffnung der Volkspartei, also ein Sebastian Kurz, nur zehn Jahre früher, mit weniger Geltungsdrang und deutlich mehr Skrupel.

Markus  Huber

Markus Huber

ist im Hauptberuf Herausgeber des Magazins „Fleisch“ und schreibt für profil alle zwei Wochen die Kolumne „Powerlunch“.