Rebecca Horner sitzt an einem Tisch, vor sich asiatische Speisen, in der Hand ein großes Glas Soda-Zitron
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18 Jahre war Rebecca Horner eines der Aushängeschilder des Balletts der Wiener Staatsoper. Seit ein paar Monaten ist die 37-Jährige in einer Art Frühpension. Aber das wird sie demnächst ändern.

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Rebecca Horner kommt gerade vom Laufen, und das bedeutet: Sie ist ein bisschen angespannt. Laufen ist nämlich ganz und gar nicht ihr Ding, sagt sie. Viel zu anstrengend, gleichzeitig aber viel zu langweilig. Weil was bitte schön soll man währenddessen machen? Heute hat sie es mit Telefonieren probiert, das ging gut, zumindest solange sie Luft hatte. Ansonsten hört sie Podcasts. Oder Ö1, aber das ist gefährlich, denn auf Ö1 kommt immer wieder Musik. Und Musik beim Laufen? Das geht gar nicht. Musik hat einen Takt, der fährt bei ihr am Gehirn vorbei direkt in den Körper. Automatisch. Unkontrollierbar. Es würde aber wirklich affig aussehen, wenn jemand einfach so zu tanzen beginnt, im Belvedere-Garten, im Lauf-Outfit. Vor allem, wenn es sich dabei um eine ehemalige Solotänzerin des Wiener Staatsballetts handelt.

Horner war ein Superstar des Hauses. Und dann war sie noch jemand, der keine Scheu vor den „Seitenblicken“ hatte und den deswegen auch Menschen kannten, die sich nicht ins klassische Ballett verirren. Doch andererseits ist Horner 37 Jahre alt.

„Tanzen war und ist mein Leben“, sagt Rebecca Horner jetzt. 18 Jahre lang war sie an der Staatsoper, die letzten paar Jahre als Solotänzerin, davor hatte sie die diversen Ballettschulen durchlaufen. Zusammen macht das mehr als 25 Jahre Ballett, und das ist ein Knochenjob mit täglichem Training: acht Stunden am Tag, sechs Mal die Woche, dazu kommen dann noch die Aufführungen. Und jetzt ist da gar nichts mehr, zumindest kein intensives, tägliches Training. Was bleibt da über, außer Laufen? Sehr viel Laufen?

Wir sitzen im Matcha Komachi in der Wiener Operngasse, Horner isst gern asiatisch und mag die Komachi-Kette ganz besonders. Gut, dass die sich mittlerweile in ganz Wien ausgebreitet hat. Vor ihr steht ein Tofu Don (13,50 Euro), vor mir ein Beef Bento (15,90 Euro, wirklich sehr okay, aber nicht annähernd so gut wie die Onigiri, für die das Matcha berühmt ist), und sie löffelt sehr bedächtig daraus.  

Ihr Abgang aus der Staatsoper hat Anfang des Jahres ein bisschen Wirbel ausgelöst: Geschichten und Interviews gab es in so gut wie allen Tageszeitungen, und überall hat sie erklärt, dass ihr der Abschied wirklich nicht leicht gefallen sei. Nach der Geburt ihres dritten Kindes habe sie aber ziemliche Troubles beim Wiedereinstieg gehabt. Aber ja: Horner war eben ein Superstar des Hauses, ein Gesicht. Und dann war sie noch jemand, die keine Scheu vor den „Seitenblicken“ hatte und den deswegen auch Menschen kannten, die sich nicht ins klassische Ballett verirren.

Doch andererseits ist Horner 37 Jahre alt. Das ist in einer normalen Welt kein Alter, im Ballett ist man damit im Pensionsbereich. „Frauen ab 30 werden da gerne in die Rolle der alten Frau gedrängt“, sagt Horner: „Die Leute im Ballettchor sind sehr jung. Klar kann man von einem 20-jährigen Körper andere Bewegungen verlangen als von einem 30-jährigen, aber dann stellt sich halt die Frage, was diese Tänzer sonst so ausstrahlen.“

Markus  Huber

Markus Huber

ist im Hauptberuf Herausgeber des Magazins „Fleisch“ und schreibt für profil alle zwei Wochen die Kolumne „Powerlunch“.