Hernalser Friedhof in Wien, Montag Mittag: Ein Sarg, eine Frau mit verweinten Augen, ein Bestatter. Einsames Trauern in der Corona-Ära.
Hernalser Friedhof in Wien, Montag Mittag: Ein Sarg, eine Frau mit verweinten Augen, ein Bestatter. Einsames Trauern in der Corona-Ära.

© Martin Staudinger

Gesellschaft
03/23/2020

Keine Erde, dafür Livestream: Begräbnisse in der Coronakrise

Die Coronakrise hat auch Auswirkungen auf die Trauerfeiern bei Begräbnissen. profil hat bei der Bestattung Wien nachgefragt.

von Stephan Wabl

Die Friedhöfe sind in Zeiten der Coronakrise noch ruhiger und einsamer als sonst. "Die neuen Ausgangsbestimmungen gelten natürlich auch für Besuche am Friedhof sowie für Begräbnisse", sagt Florian Keusch, Pressesprecher der Bestattung und Friedhöfe Wien, im Gespräch mit profil. Das heißt: Maximal fünf Personen dürfen derzeit an Begräbnissen teilnehmen. "Diese Personen müssen alle Familienangehörige sein und einen Meter Abstand halten", erklärt Keusch. Pro Tag finden in Wien rund 50 Beerdigungen statt, die Aufbahrungshallen dürfen aufgrund der Coronakrise nicht betreten werden. Keusch dazu: "Die Aufbahrungen finden daher vor der Halle oder am Grab statt". Aufgrund der Virusverbreitung wird momentan auch keine Erde in das Grab geschüttet. Denn dafür gibt es bei Beerdigungen nur eine Schaufel, die von Hand zu Hand weitergereicht wird. "Die Ansteckungsgefahr wäre dabei zu groß."

Hernalser Friedhof in Wien, Montag Mittag: Ein Sarg, eine Frau mit verweinten Augen, ein Bestatter. Einsames Trauern in der Corona-Ära.

Begräbnis per Livestream

Um den Trauergästen auch außerhalb des engsten Familienkreises das Dabeisein bei den Begräbnissen zu ermöglichen, bietet die Bestattung Wien nun während der Coronakrise einen kostenlosen Livestream an. "Ab Dienstag kann man sich für dieses Service anmelden, ab Anfang nächster Woche sollte es dann zur Verfügung stehen", so Keusch. Ein Mitarbeiter der Bestattung Wien filmt dabei das Begräbnis per Handy, der Stream ist über einen sicheren Link für die Trauergäste am Computer oder per App am Handy abrufbar. Wer jedoch auch in Zeiten der Coronakrise mit Familie, Freunden und Bekannten eine Trauerfeier abhalten möchte, dem empfiehlt Keusch eine Feuerbestattung. "Die Urne", so der Sprecher, "kann man zu einem späteren Zeitung beisetzen." Bestattungen im Grab müssen spätestens 15 Tage nach dem Tod stattfinden.

Grabschmuck per Anruf

Ein weiterer wichtiger Punkt sei aktuell auch die Frage der Grabschmückungen. Viele ältere Menschen würden in der derzeitigen Situation den Weg auf den Friedhof meiden, möchten aber dennoch gerne das Grab ihrer Verwandten schmücken - vor allem am Todestag. Dafür hat die Bestattung Wien ein Service eingerichtet. "Wir bieten momentan Grabschmückungen an, Betroffene können sich gerne per Anruf oder e-Mail bei uns melden", so Keusch. Zusätzlich bieten die Gärtnereien der Friedhöfe Wien auch ein Kerzenanzündeservice an. "Das erledigen die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Friedhofsgärtnereien für einen kleinen Beitrag."

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